«Ich wünsche mir etwas mehr Switzerland First»

So, 26. Apr. 2020
Shoppi Tivoli-CEO Patrick Stäuble hofft auf die Solidarität der Schweizer Konsumenten. Foto: zVg

Der Fricktaler Patrick Stäuble sieht trotz Corona positiv in die Zukunft

Patrick Stäuble aus Stein und das Shoppi Tivoli in Spreitenbach haben vieles gemeinsam. Sie sind in etwa gleich alt und beide freuen sich über viele Besucher im Einkaufscenter. Zurzeit ist das aufgrund der Corona-Situation aber nicht möglich.

Susanne Hörth

Es ist eine spezielle Zeit für Patrick Stäuble. Der Steiner ist CEO des Shoppi Tivoli. Dessen grosses Fest zum 50-Jahre-Jubiläum stand im März kurz bevor, als der Lockdown auch das ansonsten pulsierende Leben in der Spreitenbacher Einkaufsmole mehr oder weniger zum Erliegen brachte. Zusammen mit vielen anderen Detailhändlern wünscht auch er, dass die Läden bereits wieder am 27. April statt erst am 11. Mai öffnen dürfen.

NFZ: Das Shoppi Tivoli stand ja vor seinen Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jubiläum, als der Corona-Lockdown beschlossen wurde. Was löste dieser Moment und all die damit verbundenen Konsequenzen für das Einkaufscenter bei Ihnen aus?
Patrick Stäuble:
Man wird nur einmal 50 Jahre alt und die grosse Geburtstagsparty wurde schon Monate im Voraus geplant. Viele Leute waren daran beteiligt. Es schmerzt natürlich, dann solch ein Fest abzusagen, aber das mussten in diesem Jahr viele Veranstalter durchmachen. Wir haben uns aus wirtschaftlichen Gründen für die Verschiebung entschieden und freuen uns, diesen Event inklusive zusätzlichem Sonntagsverkauf im Herbst nachzuholen.

Es ist ja nicht nur das Geburtstagsfest, das aufgrund der Pandemie-Situation nicht stattfindet. Von den normalerweise 150 Geschäften im Shoppi, sind zurzeit nur acht geöffnet. Wie viele Kunden kommen jetzt noch? Wie viele sind es bei normalem Betrieb?
Wir verzeichnen im Schnitt noch etwa 10 Prozent von der normalen Besucherfrequenz, die sonst bei 75 000 bis 90 000 Besuchern pro Woche liegt.

Was bedeutet diese Situation, beziehungsweise die Schliessung für die Geschäfte?
Die Geschäfte können zum grossen Teil keinen Umsatz machen, ausser sie haben einen Online-Absatzkanal. Es gibt viele offene Fragen. So etwa: Wie gross ist ab dem 11. Mai, wenn die Geschäfte wieder offen haben, die Nachfrage nach Frühlings-/Sommerkollektionen in den Fashionstores? Wird der Schweizer Detailhandel von den Konsumenten unterstützt oder gehen die Kunden wieder über die Grenze oder kaufen sie weiterhin in den asiatischen Onlineshops?

Worauf hoffen Sie?
In dieser Krise waren wir über die Bäckereien, Metzgereien und Foodläden in der Schweiz sehr dankbar, die alles gegeben haben, um den Kunden zufriedenzustellen und nicht nur die Grundversorgung sicherzustellen. Nun hoffe ich, dass auch die Geschäfte im Non-Food-Bereich Unterstützung der Kundschaft erfahren, damit möglichst niemand aufgeben muss und Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert bleiben. Jeder achte Arbeitsplatz in der Schweiz ist im Detailhandel.

Kann man die finanziellen Einbussen durch den Lockdown schon beziffern?
Es ist noch zu früh, um über solche Zahlen zu sprechen. Der Detailhandel im Non-Food-Bereich wird definitiv Einbussen verzeichnen. Wie hoch diese sein werden, hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise wie sich die Arbeitslosigkeit entwickeln wird, wie gross aktuell die Angst vor dem Jobverlust ist oder eben wie solidarisch sich die Schweizer Bevölkerung gegenüber dem Schweizer Detailhandel zeigt. Ich höre zum Teil Umsatzzahlen von 50 Prozent zum Vorjahr von Ländern, in denen der Detailhandel bereits wieder offen hat.

Was waren in den letzten Wochen Ihre hauptsächlichen Aufgaben?
Ich hatte auf der einen Seite sehr viele Mietergespräche. Auf der anderen Seite haben wir den Betrieb heruntergefahren, um Kosten einzusparen. Unterhaltsarbeiten, die wir sonst ausserhalb der Öffnungszeiten gemacht hätten, haben wir nun vorgezogen. Im Marketing planen wir alle Kommunikationsmassnahmen rund um die Wiedereröffnung der Läden und die Events im Sommer/Herbst. Das Center-Management selbst hat 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen sich ein grosser Teil in der Kurzarbeit befindet.

Ganz aufmachen kann das Shoppi Tivoli …
… so wie es heute aussieht, am 11. Mai. Ich hätte lieber am 27. April aufgemacht und dies wäre meiner Meinung nach auch vertretbar und wirtschaftlich nötig.

Anmerkung der Redaktion. Rückendeckung bekommt der Detailhandel, die Gastronomie wie auch das Veranstaltungswesen von der Aargauer Regierung. Sie hat sich am Dienstag dafür beim Bundesrat eingesetzt.

Wird sich das Einkaufscenter durch die Corona-Situation verändern?
Das Shoppi Tivoli wird sich wegen der Corona Situation nicht verändern. Klar kann es sein, dass es aufgrund dessen zu einigen Mieterwechseln kommt, aber dies ist heute noch nicht absehbar. Das Shoppi Tivoli hält an seiner Strategie fest und wird auch nach Corona ein Ort der Begegnung und der Inspiration sein. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich auch in Zukunft wieder auf viele Events und Highlights freuen, die das Shoppen bei uns zum einzigartigen Erlebnis machen.

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?
Ich wünsche mir etwas mehr «Switzerland First». Zusammenhalten heisst auch, dass wir gerade in solchen Situationen die in der Schweiz ansässigen Unternehmen unterstützen. Ich wünsche mir auch, dass das Ganze für die Umwelt einen nachhaltigen Effekt hat. In dieser Situation wurde bspw. bewiesen, dass wir dank der fortgeschrittenen Technologie keineswegs gezwungen sind, für jedes Meeting um die halbe Welt zu reisen.

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