«Fünfzig Schoggi-Stängeli bis zum Sofa»

Di, 21. Apr. 2020
«Es ist schön, als Sportler damit auch etwas zurückgeben zu können»: Matthias Kyburz nach seinem Weltrekord auf dem Laufband. Foto: zVg

Kyburz, Kilometer und Kalorien: mit dem Fricktaler Weltrekordhalter im Gespräch

Der Möhliner Orientierungsläufer Matthias Kyburz blickt in der NFZ auf seinen am letzten Donnerstag aufgestellten Weltrekord zurück. Er tut das ohne Muskelkater und spricht über die Schokoladenseite nach den Strapazen.

Ronny Wittenwiler

NFZ: Matthias Kyburz, fünfzig Kilometer auf dem Laufband in der Weltrekordzeit von 2 Stunden, 56 Minuten und 35 Sekunden. Wie geht es Ihnen?
Matthias Kyburz:
Erstaunlich gut. Ich habe schon viele Geschichten von Marathonläufern gehört: Du kommst ins Ziel, setzt dich kurz hin und kannst dann kaum mehr aufstehen. Davor hatte ich Respekt. Doch ich bin positiv überrascht. Ich hatte kaum Muskelkater. Ein Lauf band federt mehr ab als die Strasse. Wahrscheinlich spielte die Distanz im Rennen gegen die Zeit auch eine Rolle: Ob du den Kilometer in drei Minuten absolvierst oder in dreieinhalb ist ein Unterschied für die Muskeln. Aber natürlich: Ich habe schon etwas steife Beine.

Sie laufen normalerweise draussen in der freien Natur. Dagegen muss das Laufband grausam sein.
Ich habe natürlich gewusst, dass es so werden wird und konnte mich darauf einstellen. Aber ich werde es sicher kein zweites Mal mehr machen (lacht).

Also keine Rückkehr aufs Band, sollte Ihr Weltrekord von einem anderen geknackt werden?
Nein. Das war wirklich eine einmalige Sache und aus der aktuellen Situation heraus geboren. Ich würde dankend ablehnen.

Sie sagten gleich nach Ihrem Weltrekord, Sie würden nun heimgehen, aufs Sofa liegen und ganz viel Schokolade essen. Ganz wichtige Frage: Wieviel haben Sie verputzt?
Als ich nachhause kam, war die Wohnung mit fünfzig Schoggi-Stängeli ausgelegt bis zum Sofa. Und im Brief kasten lagen sechs Cremeschnitten. Ich habe nicht alle auf einmal geschafft.

Von einem Weltrekord diesbezüglich scheinen Sie Lichtjahre entfernt.
Da habe ich wohl noch Potenzial nach oben, um überhaupt in die Richtung eines Weltrekords zu kommen.

Da wären wir gerne auch dabei mit einem Livestream.
Oh, besser nicht.

Sie konnten mit Ihrem Weltrekord-Projekt über 8000 Franken für die Glückskette sammeln. Was bedeutet Ihnen das?
Die Spendensammlung war eines der Ziele, das ich mit der Aktion erreichen wollte. Es ist schön, als Sportler damit auch etwas zurückgeben zu können.

Wird der Weltrekord offiziell im Guinness-Buch eingetragen?
Dass die Vorgaben auf dem Laufband alle stimmten, dafür haben wir gesorgt. Der aufgestellte Rekord wurde bei Guinness eingegeben. Ob er abgenommen wird und wie lange es dauern würde, weiss ich nicht. Dieser Weltrekord auf dem Laufband war ja vor allem eine Spielerei. Nicht zu vergleichen zum Beispiel mit einem neuen Weltrekord in der Leichtathletik.

Man hat aber wieder gesehen: Sie sind ein begnadeter Läufer. Bereuen Sie es für Ihre Karriere immer noch nicht, nie in die Leichtathletik gewechselt zu haben?
Es hatte mich immer mal wieder gereizt. Vor ein paar Jahren schwirrten die Olympischen Spiele in Tokio und der Marathon im Kopf herum. Und dann stand wieder die nächste OL-Saison bevor und ich dachte: Dieser Sport ist einfach cool. Ich konnte mich nie überwinden, den OL beiseite zu legen und auf eine andere Karte zu setzen.

Die OL-Weltmeisterschaft, Stand jetzt, soll nun im Oktober stattfinden.
Ohne einen einzigen internationalen Wettkampf wäre es eine ganz zähe Saison. Die Hoffnung stirbt somit zuletzt. Normalerweise ist die WM der Saisonhöhepunkt, an den wir uns herantasten. Das wird dieses Mal anders sein. Jede Nation wird sich wohl zuhause vorbereiten und dann treffen sich die Athleten für den ersten richtigen Wettkampf gleich zur WM. Das ist schon sehr speziell. Normalerweise ist gerade das spannend: In der Vorbereitung zu sehen, wer gut drauf ist, wer weniger.

Aber Sie würden sich auf die WM dennoch freuen?
Das schon. Aber wirklich nur, wenn es aus gesundheitlicher Sicht für niemanden eine Gratwanderung wird. Schlussendlich machen wir Sport, das müssen wir in den richtigen Kontext setzen. Gäbe es Zweifel, ob eine Durchführung wirklich richtig ist, würde ich eher auf die Bremse treten. Lässt es die Situation im Herbst aber zu, dann nehme ich diese WM sicher gerne.

Was ist Ihr nächstes Projekt: Die restlichen Cremeschnitten aufessen?
Das dauert noch ein bisschen (lacht). Ich erhole mich jetzt ein wenig, versuche, mich fit zu halten und warte, wie die Herbstsaison aussehen wird. Spätestens in zwei Monaten werden wir es wissen, vielleicht auch in einem Monat. Bis dahin muss ich mich gedulden. Die Situation ist schon ein wenig schwierig. Ich hoffe dann, neue Ziele definieren zu können.

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