«Stehe still und sammle dich!»

Fr, 27. Mär. 2020
«Wir haben uns gegenseitige Hilfe im Notfall zugesichert»: Richard Urich, Kommandant der Feuerwehr Möhlin. Foto: Archiv NFZ

In einem eindringlichen Appell wandte sich Richard Urich, Kommandant der Feuerwehr Möhlin, an seine Frauen und Männer.

Ronny Wittenwiler

«Unser aller Verhalten kann entscheiden, ob Menschen sterben oder nicht.» Diesen Satz sagt Richard Urich am Telefon zur NFZ, und er sagt ihn in einem unaufgeregten Ton.

«Es gibt kein Handbuch»
Vor ein paar Tagen richtete sich der Kommandant der Feuerwehr Möhlin in einem Schreiben an sämtliche seiner Einsatzkräfte. Die Worte dort waren eine Mischung dessen, was es vielleicht in der aktuellen Situation braucht: Zuversicht und Mut, einen kühlen Kopf, aber auch das Bewusstsein für den Ernst der Lage. «Wir stehen derzeit in engem Kontakt mit den Feuerwehren der Region, weil es für diese ausserordentliche Lage schlicht kein Handbuch gibt», sagt Urich. Gemeinsam mit dem Kommando der umliegenden Feuerwehren habe man deshalb Massnahmen getroffen, um die Sicherheit der Einsatzkräfte möglichst zu gewährleisten und das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus so tief wie möglich zu halten.

Als Richard Urich das sagt, sind erst wenige Stunden vergangen seit dem letzten Alarm und was er noch nicht weiss: nur Stunden später wird die Feuerwehr erneut ausrücken müssen, wegen eines brennenden Autos. In Zeiten, in denen die Gesellschaft geprüft wird; in Zeiten, in denen gerade in diesem doch so sicheren Land eine gewisse Unsicherheit herrscht – vielleicht ist es da besonders wichtig, dass sich die Menschen auf ihre Institutionen verlassen können. Auch das ist ein Grund, weshalb die Feuerwehren untereinander in engem Kontakt stehen. «Wir haben vereinbart, uns gegenseitig über die aktuelle Einsatzfähigkeit der eigenen Feuerwehr zu informieren und wir haben uns gegenseitige Hilfe im Notfall zugesichert», sagt Urich. Fakt ist: Der verfügbare Personalbestand der Feuerwehr Möhlin lässt einen geordneten Einsatz nach wie vor zu. «Von unseren 114 Angehörigen der Feuerwehr sind aktuell deren 106 einsatzfähig. Bei den anderen handelt es sich um Personen, die entweder zur Risikogruppe gehören, sonst krank sind oder Mutterschaftsurlaub haben.» Urich räumt bei dieser Gelegenheit ein: «Den Personalbestand behalten wir derzeit sehr scharf im Auge.» Dieser sei momentan gar besser als in anderen Jahren während der Grippezeit. «Unser Ziel ist es, das so halten zu können.» Entsprechend sorgfältig werden auch die Einsätze gefahren: «Wir versuchen, die Einsätze mit einem Minimum an Personal abzuwickeln. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.»

«Das Richtige tun»
Über die getroffenen Vereinbarungen zwischen den regionalen Feuerwehren setzte Richard Urich sämtliche Einsatzkräfte der Feuerwehr Möhlin mit einem Schreiben in Kenntnis. Dass ihm als Entscheidungsträger einer Sicherheitsorganisation eine besondere Rolle zukommt, gerade auch jetzt, das dürfte ihm bewusst sein. Das zeigt sich insbesondere an der Wortwahl seines Schreibens. Es sei darum gegangen, zu informieren und auf den Ernst der Lage hinzuweisen – «damit unsere Leute das Richtige tun und dass sie gleichzeitig motiviert sind, im Ernstfall ihren Mann oder ihre Frau zu stehen.»

Es sei verständlich, schreibt Urich an seine Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr, dass mit den negativen Nachrichten, mit welchen man täglich konfrontiert werde, die Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung wachsen. «Der Situation ist, aus meiner Sicht, auch unsere ganze Aufmerksamkeit zu zollen. Angst war aber noch nie ein guter Ratgeber. Darum ist es wichtig, dass wir überlegt handeln und uns nicht zu Panikreaktionen hinreissen lassen.» Nur so könne man den Verlust an Menschen und den wirtschaftlichen Schaden eindämmen. Darum appelliert Urich an seine Einsatzkräfte von der Feuerwehr: «Stehe still und sammle dich!» Es sind Worte, die genauso gut über die Feuerwehr hinaus gehen könnten.

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