«Da hat sich ein kleiner Traum erfüllt»

Fr, 21. Feb. 2020
Die Roli-Guggers sind eine eingespielte Gemeinschaft. Fotos: zVg

Die Roli-Guggers feiern ihren 45. Geburtstag und das 30. Guggen-Open-Air

1975 wurden die Roli-Guggers aus Laufenburg gegründet; 1990 fand das erste Guggen-Open-Air-Festival statt, auf dem morgen wieder 30 Guggenmusiken grenzüberschreitend spielen werden.

Boris Burkhardt

Die Roli-Guggers aus der Minderen Stadt sind aus der Laufenburger Fasnacht nicht mehr wegzudenken. Sie gehören mit ihrer Gründung vor 45 Jahren nicht nur zu den ältesten Guggenmusiken in Deutschland und ausserhalb Basels und Luzerns überhaupt, sondern sind auch für die grenzüberschreitende Erfolgsgeschichte des Laufenburger Guggen-Open-Air-Festivals am Fasnachtsfritig verantwortlich, die nun schon 30 Jahre andauert. Diese beiden grossen Geburtstage haben die Roli-Guggers dieses Jahr in närrischer Zählung zur Feier «Jubi75» zusammengelegt. Als Geburtstagsgeschenk an sich selbst und ihre Fans werden sie morgen nicht wie gewohnt zur Eröffnung des Festivals spielen, sondern um 22 Uhr auf der Bühne der Codmananlage. 26 Aktive zählen die Roli-Guggers derzeit; Vorsitzender Knut Schulz kündigt der NFZ gegenüber jedoch an, dass für den morgigen Auftritt viele Ehemalige die Truppe auf rund 50 Mann verstärken werden und verspricht nostalgische Klassiker wie «The Final Countdown» von Europe und «Karla with a K» von The Hooters.

Oft verwechseln Veranstalter bei ihren Jubiläen die Zahl der Veranstaltungen mit der Zahl der Jahre seit der ersten Veranstaltung: Im Falle des Guggen-Open-Air-Festivals stimmt aber beides überein, denn die ersten zaghaften Versuche eines Guggentreffens auf dem Brunnenplatz der Minderen Stadt 1990 wurden im Folgejahr schon gleich wieder unterbrochen, als die Fasnacht wegen des Golfkriegs fast überall abgesagt wurde. Doch das Konzept funktionierte auch 1992 noch, vorerst allein auf der deutschen Seite der Zwillingsstadt unter der Trägerschaft von Roli-Guggers, Narro-Altfischerzunft und Elferrat. Erst im Folgejahr konnten die Barocker aus der Mehreren Stadt und später die Salmfänger für die Organisation gewonnen werden.

Alle Erwartungen übertroffen
Roland Arzner, Gründer der Roli-Guggers und Initiator des Open-Air-Gugge-Festivals, erinnert sich noch liebevoll an die Anfänge: «Das erste Open-Air hat alle Erwartungen übertroffen: Das Städtle war voller Menschen und Musik; da hat sich ein kleiner Traum erfüllt», verrät er der NFZ. «Das Miteinander von traditioneller und neuzeitlicher Fasnacht ist eine gelungene Kombination», findet Arzner: «Die Laufenburger Städtlefasnacht ist das beste Beispiel dafür.» Arzner hielt seit 1975 die vorerst namenlose, lockere Gruppe von Musikern zusammen, die erst 1985 ihren Namen Roli-Guggers erhalten sollte.

«Abends nach der Tschättermusik am dritten Faissen machten ein paar Tambouren und Jagdhornbläser unterm Stadttor Musik»; erinnert sich Arzner: «Die ersten zwei, drei Jahre traf man sich wieder; und es war immer spannend, wer kommen würde. Alles sehr spontan und improvisiert und mit viel Liebe zur Laufenburger Fasnacht und zum Musizieren.» Der Name der Gugge leitet sich von Arzners Vorname Roland ab; ein ungewöhnlicher Personenkult für eine Guggenmusik. Doch Arzner führt das darauf zurück, dass er in den Anfangsjahren «von der Telefonzelle am Rathausplatz aus» die Truppe zusammentrommelte – «Rolis Gugger» also. Der langjährige Vorsitzende Thomas Kolbeck weiss ausserdem noch, dass die Gruppe von der Presse wegen ihres Kostüms zuerst «Mondgesichter» genannt worden war. Der Name «Roli-Gugger» sei spontan gefallen, als die Gruppe wieder einmal nach ihrem Namen gefragt worden sei.

Die Anfänge
Kolbeck, 26 Jahre lang massgeblich in die Organisation des Festivals involviert, bevor er 2018 den Stab an ein junges Team um Markus Leitner übergab, erinnert sich gut an die Anfangszeit vor dem Internet, in der er persönlich zu den Guggen fuhr, die er einzuladen gedachte, um sich von deren Besonderheit zu überzeugen. «Wir drehten auch Videos von den Auftritten bei uns, um sie potenziellen Gästen zuzuschicken», erzählt Kolbeck. Denn anfangs hätten die Guggen sogar noch eine Gage gefordert, um aufzutreten. Das ist heute natürlich ganz anders: Laufenburg ist ein Mekka der Guggenmusik geworden; die Organisatoren können sich die Gäste aussuchen und müssen regelmässig Absagen erteilen, weil es keine Plätze mehr gibt. Auch dieses Jahr sind wieder 30 Guggenmusiken aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Grossbritannien eingeladen; die Roli-Guggers erwarten rund 10000 Besucher in der Zwillingsstadt.

Schulz ist erst seit vier Jahren bei den Roli-Guggers und seit einem Jahr Vorsitzender. Er stammt aus Bremen und Oldenburg, hat aber eine Mutter aus Emmendingen im nördlichen Breisgau und spielte zuvor bei den Bläch-Fezza in Kirchzarten. Als er aus beruflichen Gründen nach Laufenburg gekommen sei, habe er sich nach einer Guggenmusik umgesehen, die sich «vor Ort engagiert und auch unterm Jahr zusammenbleibt». Die Roli-Guggers seien eine «sehr gute Gemeinschaft».


Mehrwegbecher und Glaspfand

Knut Schulz, Vorsitzender der Roli-Guggers, stimmt auf Nachfrage zu, dass die neue «Grenze» durch das Glasverbot im vergangenen Jahr auf der Schweizer Seite «den Charakter» des Guggen-Open-Air-Festivals als Fest zweier Nationen in einer Stadt «zerstört»: Besucher von der badischen Seite wurden auf der Brücke angehalten und mussten ihre Getränke in Plastikbecher umfüllen. Während in der Mehreren Stadt dieses Jahr Mehrwegbecher mit Depot ausgegeben würden, bleibe die Mindere Stadt vorerst allerdings bei Glaspfandflaschen, erklärt Schulz. Man habe beschlossen, noch ein Jahr abzuwarten, ob das Schweizer System funktioniere. (bob)

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