«Ein grosser Verlust für das Fricktal»

  05.01.2020 Rheinfelden

Schwierige Zukunft für Berufsbildungszentrum Fricktal

Nach der Verkleinerung wird das Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden noch mehr kämpfen müssen – davon ist Rektor Hans Marthaler überzeugt. Er zieht eine kritische Jahresbilanz.

Valentin Zumsteg

In seinem Jahresrückblick nimmt Hans Marthaler kein Blatt vor den Mund: Der Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) kritisiert nochmals die Auswirkungen der kantonalen Berufsschulreform. Auf das Schuljahr 2020/21 verliert das BZF dadurch die gewerblich-industriellen Berufe (Kosmetik, Bau, Elektro, Bekleidungsgestaltung, Anlagenbau und Schreiner). Unter der Leitung des BZF kann in Rheinfelden künftig nur noch die Ausbildung im Bereich KV und Detailhandel angeboten werden (die NFZ berichtete).

«Wirtschaftlichkeit wird reduziert»
«Das heutige BZF hat 700 Lernende in zehn Berufen. Nach der Umsetzung der Reform werden es noch 250 Lernende in fünf Berufen sein. Die durchschnittliche Klassengrösse wird kleiner werden – die Wirtschaftlichkeit wird reduziert», hält Marthaler fest. In einer Bildungslandschaft, in der Schulen über die Anzahl der Lernenden finanziert werden, wird das BZF künftig unter einem noch höheren Kostendruck stehen. «Von den gut 2000 Fricktaler Berufslernenden werden künftig noch etwas mehr als 10 Prozent statt wie bisher gut 30 Prozent vor Ort ausgebildet», schreibt Marthaler. Allerdings wird Rheinfelden ab August 2020 auch ein Aussenstandort des Brugger Kompetenzzentrums für Gesundheit und Betreuung und erhält damit den Beruf Fachangestellte Gesundheit zugesprochen. Dadurch sollen voraussichtlich rund 150 zusätzliche Lehrlinge im Fricktal zur Schule gehen. Zuständig für sie ist aber die Brugger Schule.

«Das heute noch gemischte Berufsbildungszentrum, das kaufmännische und gewerbliche Berufe unter einem Dach ausbildet, wird zum reinen KV: der kleinsten von vier kaufmännischen Berufsschulen im Kanton Aargau. In anderen ländlichen Kantonen der Schweiz werden in der Peripherie gemischte Berufsbildungszentren geführt, weil nur so die kritische Grösse erreicht werden kann. Im Kanton der Regionen ist dies nicht möglich», bedauert der Rektor.

«Bedeutende Region übergangen»
Aus seiner Sicht hätte die Berufsschullandschaft durchaus reformiert werden können, «ohne eine derart bedeutende Region zu übergehen.» Entsprechende Vorschläge seien mehrfach an den entscheidenden Stellen deponiert worden. «Der nun vorliegende Entscheid bedeutet für das Fricktal einen grossen Verlust – die neue Schule wird noch mehr kämpfen müssen. Persönlich bin ich überzeugt, dass die gewählte Lösung weder zum Kanton der Regionen passt, noch staatspolitisch sinnvoll ist», so Marthaler. Es sei zu hoffen, dass mit der Reorganisation der Berufsbildung die Attraktivität der dualen Berufsbildung im Fricktal nicht abnehme. Marthaler: «Für die Wachstumsregion Fricktal sind genügend verfügbare Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt von grosser Bedeutung.»


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