Schulwegsicherheit: Gemeinderat Möhlin hofft vergebens auf Kooperation

Di, 10. Dez. 2019
Nicht erwünscht: Die Behörden wollten Schulkinder über den Amselweg umleiten, damit diese die Grossbaustelle an der Kreuzung Steinligasse/Schulstrasse umgehen könnten. Einige der Anwohner legten ihr Veto ein. Fotos: Ronny Wittenwiler/Google Maps

Schulwegsicherheit: Gemeinderat Möhlin hofft vergebens auf Kooperation

Mehrere Baustellen machen in Möhlin den Schulweg ins Steinli die nächsten zwei Jahre komplizierter. Der Gemeinderat wollte, dass die Kinder über eine Nebenstrasse sicher zur Schule gelangen. Für einige Anwohner kommt das nicht infrage.

Ronny Wittenwiler

Im Fokus steht der Knoten Steinligasse/Schulstrasse. Der Gehweg auf diesem Abschnitt ist derzeit wegen einer Grossbaustelle gesperrt. Eine Tafel eingangs Steinligasse signalisiert den Schülern deshalb die Alternativroute. Neu müssen die Mädchen und Buben zuerst durch das Wohnquartier Steinlipark, hinein in die Spielplatzstrasse, am Kindergarten vorbei, über die Kreuzung, und erst dann gelangen sie wieder zurück auf die ursprüngliche Route weiter zum Schulgelände.

Das Veto kam schnell
Von aussen betrachtet erscheint es wenig logisch, weshalb sich die Behörden für einen Weg entscheiden, auf dem sich die Schüler ihrem eigentlichen Ziel zwischenzeitlich entfernen. «Wir hatten gehofft, dass die Kinder den direkten Weg zur Schule nehmen dürfen», sagt denn auch Gemeinderat Markus Fäs. Die Hoffnung, von der Fäs spricht, lag auf den Bewohnern des Amselwegs. Geplant war, dass die Kinder direkt über diese kurze Wegverbindung, rund 125 Meter lang, ins Steinli beziehungsweise ins Storebode-Primarschulhaus gelangen. Doch dort keimte Widerstand auf, noch bevor der Gemeinderat überhaupt erst eine offizielle Anfrage platzieren konnte. Den Amselweg als Schulweg-Umleitung zu nutzen, komme für sie nicht infrage, liessen zwei Anwohner den zuständigen Gemeinderat wissen. Das bestätigte sich Tage später, oben im Saal des Gemeindehauses. Eingeladen waren Anstösser des Amselwegs, die sich über die aktuellen und künftigen Bauprojekte in ihrem Umkreis informieren liessen. Der Versuch, bei dieser Gelegenheit doch noch das Okay für die Benutzung des Amselwegs zu bekommen, lief für Gemeinderat Fäs ins Leere.

Die Gemeinde putzt die Strasse
Das Problem, das sich der Behörde stellt: Der Amselweg ist seit jeher ein Privatweg. 2001 wollten Anwohner gar ein richterliches Verbot selbst für Fussgänger durchsetzen. Dagegen legte die Gemeinde erfolgreich Beschwerde ein. Im Jahr 2011 erwirkten Anwohner allerdings ein richterliches Verbot für den motorisierten Verkehr für Dritte. Gentlemen Agreement oder ungeschriebenes Gesetz – wie auch immer man es nennen möchte: Schüler haben bislang den Amselweg genutzt. Bis heute putzt der Werkhof der Gemeinde den Amselweg und leistet Winterdienst. Wobei, so genau nehme man das auf der Gemeinde nicht, sagt eine darauf angesprochene Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. «Manchmal liegt das Laub mehrere Tage auf der Strasse.» Für sie ist klar: Der Amselweg sei nun mal ein Privatweg, deswegen wolle man nicht, dass noch mehr Schüler hier vorbeigingen.

Gemeinde hat Lotsendienst über Baustellenkreuzung organisiert
Zurück in den Gemeindesaal. Einige Bewohner deponierten anlässlich der Besprechung mit dem Gemeinderat und dem Leiter Bau und Umwelt ihren Unmut. Der Baustellenbetrieb und teilweise wild parkierte Fahrzeuge würden ihnen die Zu- und Wegfahrt über die Kreuzung Schulstrasse/Steinligasse massiv erschweren. Man sorge sich deswegen besonders auch um die Sicherheit der Schulkinder, die unter solchen Umständen zur Schule gehen müssen, sagte eine Anwohnerin des Amselwegs. Die Gemeinde hat reagiert und aus eigener Tasche einen Lotsendienst engagiert: Jeweils vor und nach Unterrichtsbeginn werden die Kinder so über diese stark befahrene Kreuzung geleitet.

Gerade die Route via Amselweg hätte aber weder über die Kreuzung noch an der Baustelle vorbeigeführt.

Transparenzhinweis: Der Redaktor ist Vater einer schulpflichtigen Tochter, die das Primarschulhaus Storebode besucht.

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Kommentare

Korrekt ist: Niemand hat bisher Schülern verboten, durch den Amselweg zu gehen. Das weiss auch die Gemeinde! Die Anwohner haben sich nur dagegen gewehrt, dass der Amselweg offiziell als Schulweg ausgeschildert wird. Fakt ist auch: Der Amselweg gehört gemäss geltendem Grundbuch den jeweiligen Anwohnern.
Die Schüler durchqueren offensichtlich heute schon diesen Privatweg, haften aber selber bei Unfällen bei nicht gesäuberten Strassen (Laub, Schnee, Eis). Werden die Schüler von der Gemeinde offiziell durch den Privatweg umgeleitet werden, stellt sich die Haftungsfrage. Ein paar Meter weiter unten befindet sich parallel zum Privatweg die Fridolinsgasse die direkt zum Primarschulhaus führt. Wo genau ust jetzt das Problem? Oder handelt es sich dort auch um einen Privatweg?
Die Gemeinde sollte die Anwohner ernst nehmen und im Gegenzug Winterdienst plus Putzdienst einstellen...
Mein Gott in was für eine Welt leben wir eigentlich!??? 'Privatweg' ist tatsächlich wichtiger als die Sicherheit der Kinder!!?? Was sind das nur für Menschen? Ich könnte kotzen!!

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