Am Snookertisch ist Jenson Schmid ein Grosser

Mi, 25. Dez. 2019
Jenson Schmid aus Gipf-Oberfrick ist erst 10 Jahre alt, sorgt in der Snooker-Szene aber bereits für Aufsehen. Foto: zVg

Im März dieses Jahres erst hat Jenson Schmid aus Gipf-Oberfrick mit Snooker angefangen. Seither reiht der Bub Turniersieg an Turniersieg. Anfang Dezember wurde er in Bern Vize-Schweizermeister in der Kategorie U-21.

Simone Rufli

Vater und Sohn schauen sich fragend an, lächeln. Beide heben die Schultern, lassen sie wieder sinken. Der Vater übernimmt. Er sagt: «Wir wissen es auch nicht» und beantwortet damit die Frage nach dem Grund für den steilen Aufstieg seines Sohnes in der Snooker-Szene. Nachdem der kleine Jenson bereits mit vier, fünf Jahren in den Ferien in Spanien kaum vom Billard-Tisch in der Hotelanlage wegzubekommen war, nachdem er in der Folge immer wieder die Nähe zu Billard-Tischen und TV-Geräten mit Live-Übertragungen von Snooker-Partien gesucht hat und nachdem sowohl die Grosseltern als auch die Eltern einen Billard-Tisch gekauft haben, ging Jenson im März dieses Jahres noch einen Schritt weiter. Er wechselte vom Billard- an den Snookertisch, wählte damit die noch grössere Herausforderung an einem noch grösseren Tisch, mit noch kleineren Kugeln und noch schwieriger anzuspielenden Löchern. Trotzdem gelang der Einstieg. Und wie! Jenson kam, sah und siegte gleich am ersten Turnier, weitere Siege folgten.

Kopfsache
Dafür trainiert er sicher täglich. Jenson lächelt, schüttelt den Kopf: «Mittwoch- und Freitagnachmittag habe ich schulfrei. Schade ist nur, dass das Billard-Center in Oberentfelden erst um 19 Uhr öffnet.» Im August wechselte er vom öffentlichen Billard-Lokal in den Snooker-Club Basel. «Dort können wir am Wochenende auch am Morgen spielen», sagt der Vater. In Basel bekam Jenson auch schon Tipps vom australischen Profi-Coach Roger Leighton. Weil viele Schweizer Snooker-Spieler aus der Romandie und dem Bernbiet kommen, finden die Turniere oft in Bern statt. So wie Anfang Dezember die Schweizermeisterschaft U-21, die für Jenson, den Zehnjährigen, mit dem Gewinn der Silbermedaille endete. Ganz zufrieden ist der Junge damit nicht. «Ich habe an Turnieren und auch bei der Qualifikation für die SM schon gegen meinen Finalgegner Dan Salzmann gewonnen. An der SM lief es mir dann aber nicht so gut», findet er. Allein auf sich gestellt, ohne Beratung mit dem Vater – Coach und Zuschauer verfolgen an grossen Turnieren die Spiele im selben Publikumsraum – ist die mentale Verfassung die halbe Miete in diesem Gentlemen-Sport. Die Kleidung – traditionell mit Hemd, Gilet und Fliege –, die Ruhe und der Respekt untereinander und das selber Anzeigen von Fehlern, all das gefällt Jenson. Für Ausgleich ist gesorgt. Er spielt daneben aktiv Rollhockey.

Nur ein Schweizer Profi
Jenson träumt von der Weltspitze. Noch sind es Träume. Weltweit können nur gerade die besten 30, 40 Spieler vom Snooker leben, das weiss er. In Grossbritannien sind sie Helden, verdienen sehr gut und haben ein Millionen-Publikum am TV. In China gewinnt der Sport massiv an Bedeutung. In der Schweiz gibt es gerademal einen Profi-Spieler: Alex Ursenbacher, 23-jährig, aus Rheinfelden – zurzeit die Nummer 88 der Weltrangliste.

«Entscheidend wird sein, ob Jenson seine Spielfreude und Zielstrebigkeit über die kommenden Jahre beibehält. Er ist noch sehr jung», gibt sein Vater zu bedenken. «So lange er mit Freude spielt, wollen wir ihn unterstützen.» Dazu gehört, dass die Familie nach einem rund 40 Quadratmeter grossen Raum in der Umgebung sucht, damit Jenson nicht für jedes Training nach Basel reisen muss. Apropos Reisen: In den nächsten Sommerferien reist Familie Schmid nach Sheffield, damit Jenson für zwei Wochen eine Snooker-Akademie besuchen kann. Acht Stunden täglich am Snooker-Tisch – ein erstes Schnuppern im Alltag eines Profispielers.


So geht Snooker

Snooker ist ein Variante des Billards. Gespielt wird mit einem weissen Spielball, 15 roten und sechs weiteren verschiedenfarbigen Kugeln. Im Rahmen eines Spiels (Frames) werden zunächst abwechselnd eine der 15 roten Kugeln (je 1 Punkt) und eine beliebige farbige Kugel (2 bis 7 Punkte) in den Löchern am Rand des Spieltisches versenkt. Die farbige Kugel wird anschliessend wieder auf den Snookertisch zurückgelegt. Sobald die Roten vom Tisch sind, müssen zum Abschluss eines Frames die Farben in der Reihenfolge Gelb (2 Punkte), Grün (3), Braun (4), Blau (5), Pink (6) und Schwarz (7) versenkt werden. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Zur Taktik des Spiels gehört es, den weissen Spielball so abzulegen, dass der Gegner den nächsten anzuspielenden Ball nicht direkt erreichen kann. Dann spricht man vom «Snookern» (engl. sperren, behindern). Quelle Wikipedia

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Kommentare

Ich komme gerade vom Snookertournier in Dornbirn. Jenson mach weiter so, es ist ein ganz toller Sport. Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

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