«Hartnäckigkeit braucht es heute stärker denn je»

So, 01. Dez. 2019
«Es hat sich zum Glück viel geändert, und wir kommen der Gleichstellung langsam näher», sagt Sina. Foto: Pat Wettstein

Sina tritt am 4. Dezember in Fricks Monti auf

Die Schweizer Mundartsängerin Sina feiert heuer ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Im Interview spricht sie unter anderem über ihr Erfolgsrezept und über den Grund, warum sie in Hellikon gerne Halt macht.

Janine Tschopp

NFZ: Sina, im Februar erhielten Sie anlässlich des Swiss Music Awards den Outstanding Achievement Award für Ihr Lebenswerk. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Sina:
Es ist sicher kein Zeichen, mich jetzt auf die faule Haut zu legen (lacht). Ich habe mich sehr gefreut über diese Auszeichnung. Da ich die erste Frau bin, die diesen Award bekommen hat, sehe ich ihn aber auch als Zeichen für alle jungen Künstlerinnen, die noch am Anfang stehen. Wir haben viele talentierte Musikerinnen in der Schweiz – sie sollen vermehrt ihre Bühne bekommen.

Dieses Jahr feiern Sie Ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Welches ist Ihr Erfolgsrezept?
Authentizität, Talent, Glück, ein gutes Team und Hartnäckigkeit. Die braucht es heute stärker denn je im hart umkämpften Musikmarkt. Und natürlich die Leidenschaft zur Musik.

Woran erinnern Sie sich speziell gerne, wenn sie an die letzten zweieinhalb Jahrzehnte zurückdenken?
Vor allem an Momente auf der Bühne. Wenn die Energie der Band auf das Publikum überschwappt und zurück. Dann wird’s für einen Moment magisch. Und natürlich Begegnungen auf und hinter der Bühne mit Musikern und Musikerinnen und Menschen, die mit meinen Songs eine Geschichte verbinden und Kraft daraus schöpfen. Das berührt mich sehr.

Bevor die Musik zu Ihrem Beruf wurde, arbeiteten Sie als Bankangestellte. Sehnen Sie sich manchmal nach geregelten Arbeitszeiten und freien Wochenenden?
Als Seeräuberjenny in der Dreigroschenoper am Zürcher Schauspielhaus hatte ich vor ein paar Jahren wieder ein festes Engagement. Das habe ich sehr genossen, einfach jeden Tag den gleichen Ablauf zu haben. Danach war ich aber froh, wieder mein eigener Chef zu sein und meine kreativen Ideen zu verfolgen.

Im Titelsong Ihres aktuellen 13. Albums «Emma» singen Sie von Ihrer Grossmutter und Gotte, mit welcher Sie vieles verbindet. Worin liegen die grossen Unterschiede im Leben einer emanzipierten Frau von heute (Sie) im Vergleich zu früher (Ihre Grossmutter)?
Wir sind selbständiger, selbstbewusster, unabhängiger und stehen für unsere Rechte und Werte ein. Nie konnte man sich in einem so hohen Grad selber verwirklichen wie heute. Fragen, wie: Was möchte ich werden, mit welchem Mann möchte ich alt werden, wo sind meine Talente, waren für meine Grossmutter undenkbar. Sie hat sich in den Dienst ihrer Familie mit acht Kindern gestellt und war als Rebbäuerin eine zähe Schafferin. Dann war sie mir und meinem Bruder eine zärtliche und sanfte Grossmutter. Frauen in dieser Generation hatten oft kein eigenes Leben. Es hat sich zum Glück viel geändert, und wir kommen der Gleichstellung langsam näher.

Sie treten regelmässig in Fricks Monti auf. Welche weiteren Verbindungen haben Sie zum Fricktal?
Es ist auch im Fricks Monti ein regelmässiges Ankommen an einen Ort mit Menschen, die man schätzt und eine gemeinsame Geschichte hat. Ich freue mich riesig auf dieses Konzert. Dann kommt die Familie meines Mannes aus der Gegend und eine meiner Jugendfreundinnen lebt seit Jahren in Obermumpf. Bei der Schokoladenmanufaktur CreaChocolat in Hellikon werde ich wohl einen kleinen Halt einschalten und meine Glückshormone tanzen lassen…

Als Mundartsängerin reisen Sie sehr viel und haben schon viele Teile unseres Landes gesehen. Wo fühlen Sie sich am wohlsten und warum?
Überall, wo es Menschen hat, bei denen es einfach stimmt. Wenn es rundum dann noch einen See oder ein paar Bergspitzen hat, ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

Welches sind Ihre Wünsche für die nächsten 25 Jahre?
Ui, dieser Zeithorizont ist mir etwas zu abstrakt (lacht). Zuerst kommt die Gesundheit, ganz klar. Dann ist die Lust, etwas zu bewegen, nicht weit. Bei mir wird es sich wohl auch in Zukunft sehr wahrscheinlich um die Musik drehen.

Sina tritt am 4. Dezember, um 20.15 Uhr mit ihrer aktuellen Bühnenshow «Emma» in Fricks Monti auf. Es sind noch Stehplätze verfügbar. Reservationen unter der Telefonnummer 062 871 04 44.


«100 % Schweizer Musik» mit Sina

SCHWEIZ. In der fünften Ausgabe der Samstagabendshow «100 % Schweizer Musik» dreht sich alles um die erfolgreichste Schweizer Mundartsängerin Sina und ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Stefanie Heinzmann, Michael von der Heide, Adrian Stern, Kunz und Anna Känzig interpretieren bekannte Sina-Songs wie «Där Sohn vom Pfarrär», «Wänn nit jetzt wänn dä» oder «Hinnär Diär».

Zwischen den Auftritten blicken ihre Musiker-Kolleginnen und -Kollegen auf spezielle Momente in Sinas Leben zurück. Die Sendung wird am 14. Dezember, um 20.10 Uhr auf SRF 1 gezeigt. (mgt/nfz)

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