Verlust des HPS-Standorts Frick

Do, 21. Nov. 2019
Die «Arbeitsgruppe Interessengemeinschaft Frick» weiss, dass sie gegen den Entscheid nichts mehr machen kann. Auf das Thema sensibilisieren will die IG aber auf jeden Fall. Ausriss: Ausgabe 19. November

Die IG zum Erhalt der HPS Frick weiss, dass sie den Kampf verloren hat. Anstatt einen Überweisungsantrag zu stellen, wollen diese Fricker Eltern nun morgen an der Gemeindeversammlung mit einer Stellungnahme Eltern an anderen Standorten wachrütteln. (nfz)


«Die MBF könnte damit Vertrauen schaffen»

Reaktionen zum Verlust des HPS-Standorts Frick

Die IG zum Erhalt der HPS Frick weiss, dass sie den Kampf verloren hat. Sie weiss, dass die Heilpädagogische Schule (HPS) Frick vom Kanton keinen Leistungsauftrag mehr bekommt. Anstatt einen Antrag zu stellen, wollen diese Fricker Eltern nun morgen an der Gemeindeversammlung mit einer Stellungnahme Eltern an anderen Standorten wachrütteln.

Simone Rufli

Einen Überweisungsantrag – wie ursprünglich geplant – werden sie morgen an der Gemeindeversammlung nicht stellen. «Wir wissen, dass wir damit nichts mehr ausrichten können», sagt Sabrina Müller aus Frick. Sie vertritt die «Arbeitsgruppe Interessengemeinschaft Frick» bestehend aus Eltern, die sich gegen die Schliessung des HPS-Standorts Frick wehren. Oder vielmehr wehrten. Denn wie in der NFZ vom Dienstag zu lesen war, hält der Kanton an seinem Entscheid fest. Er hat der Stiftung MBF (Menschen mit Behinderung im Fricktal) eine verbindliche Zusage für den Leistungsvertrag erteilt und dieser Entscheid ist definitiv. «Das wurde uns auch so mitgeteilt», sagt Sabrina Müller. «Wir versuchen nun noch vom Kanton die Standortanalyse zu bekommen, weil wir den Verdacht haben, dass sie mangelhaft ist.» Hoffnung, dass sich dadurch etwas an der Sachlage ändert, haben Müllers jedoch nicht. «Wir werden von Frick wegziehen. Das steht bereits fest. Wir sind vor zwei Jahren von Stein zugezogen, weil es eine gute schulische Lösung für unseren Sohn war, der damals ins Kindergartenalter kam. Weil es keine freie Schulwahl gibt und wir unseren Sohn sicher nicht nach Mumpf schicken werden, ziehen wir um in die Nähe einer HPS, von der wir nicht befürchten müssen, dass sie demnächst privatisiert wird.»

Enttäuscht über den Umgang
Noch bis Ende Juli 2020 hat die Einwohnergemeinde Frick den Auftrag vom Kanton, die HPS zu führen. Per August 2020 geht der Auftrag an die Stiftung MBF über. Müller sagt: «Wir sind uns bewusst, dass es auch Eltern gibt, die einfach froh sind, dass ihre Kinder beschult werden und die sich mit Mumpf als neuem Schulstandort arrangieren.» Sie sagt auch, dass aus dem Raum Rheinfelden keine Unterstützung für ihre Anliegen kam. Und sie hält fest, dass sie das alles auch verstehen kann. «Unsere Gruppe aber ist enttäuscht darüber, wie mit uns umgesprungen wurde von Seiten der MBF und auch von der Gemeinde Frick. Ausser der Trägerschaft werde sich nichts für uns ändern, hiess es zu Beginn. Rückblickend kommt es uns vor, als sei das eine abgekartete Sache gewesen.»

Sabrina Müller versteht auch nicht, warum die MBF, die sich bisher ausschliesslich mit einer erwachsenen Klientel befasste, nicht zuerst Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen an den bisherigen Standorten und mit den bisherigen Schulleitungen sammeln konnte. Schlimmer als der Weg nach Mumpf, den die meisten Kinder nicht selbstständig werden bewältigen können, ist für Familie Müller der Standort des Schulhauses selber und der Umstand, dass die Kinder nicht mehr in ein grosses schulisches Umfeld integriert sein werden. «Für uns von der IG ist diese Entwicklung eine Katastrophe und ein Rückschritt. Beeinträchtigte Kinder gehören genauso in unser Schulsystem wie jedes andere Kind auch und nicht einfach irgendwohin verfrachtet.»

MBF soll Steuergruppe öffnen
Jetzt soll mit einer Stellungnahme an der Gemeindeversammlung vom Freitag wenigstens für ein grosses Echo in den Medien gesorgt werden. Damit an anderen Orten Eltern sensibilisiert werden. «Wir bieten auch gerne unsere Erfahrung für betroffene Eltern an, in der Hoffnung dass sie in ihrem Fall die Privatisierung der HPS verhindern können, weil sie rechtzeitig reagieren konnten», betont Sabrina Müller. Unterstützt wird die Fricker Gruppierung von Rolf Schmid (SP). Er und Parteikollegin Elisabeth Burgener versuchen seit Bekanntwerden der Standortkonzentration in Mumpf zwischen der MBF und den Eltern eine Art Vermittlerrolle einzunehmen und den Dialog zu entschärfen. Dabei ist sich Schmid bewusst: «Es sind viele Emotionen im Spiel.» Als vorerst letzten Versuch, die beiden Parteien einander näher zu bringen, hat Schmid jetzt den Verantwortlichen in der MBF vorgeschlagen, die Steuergruppe, bestehend aus Vertretern von MBF, Kanton und Gemeinden, Schulleitungen und Fachpersonen, auch für betroffene Eltern zu öffnen. «Es wäre ein Zeichen, mit dem die MBF in der Öffentlichkeit Vertrauen schaffen könnte», erklärt Rolf Schmid im Gespräch mit der NFZ.

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der Entscheid der MBF noch ausstehend.

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