Statt Gewalt mehr Kommunikation und Menschlichkeit

Do, 03. Okt. 2019
«Regionale Solidarität nützt allen», betont Raymond Bloch. Er selbst schätzt die Region sehr. Foto: zVg

NFZ-Wahlserie: Fricktaler Nationalratskandidaten im Interview

Die Erträge aus der Wirtschaft sollen allen dienen, sagt Raymond Bloch. Der Nationalratskandidat der Piratenpartei setzt sich deshalb für mehr soziale Gerechtigkeit ein.

Susanne Hörth

NFZ: Wieso kandidieren Sie für den Nationalrat?
Raimond Bloch:
Die PP Aargau wurde auf meinen politischen Blogg in FB auf mich aufmerksam und hat mich angefragt, ob ich für sie als Nationalrat kandidieren möchte. Als Parteiloser ist das bei den Piraten möglich. Unsere Anliegen und Überzeugungen sind auch (fast) immer deckungsgleich.

Ich möchte den sozialen Missständen, dem Sozialabbau und der teils unmenschlichen, neoliberalen Wirtschaftspolitik entgegen wirken und/ oder mit Unterstützung weiterer Sozialpolitiker stoppen. Würden in den diversen Sozialversicherungen die gleichen Massstäbe angewandt, könnten viele Leerläufe und auch Geld gespart werden, welches dann den Betroffenen zu Gute kommen würde. Die Erträge aus der Wirtschaft sollten allen dienen und nicht wie momentan nur einigen wenigen «Abschöpfern», wie Spekulanten, Teppichetagen, Grossaktionären, der sogenannten Elite und deren Lobbyisten im Bundesparlament.

Wie wollen Sie sich für die Region einsetzen?
Ich sehe ein grosses Problem in der Verkehrsplanung der Region Frick. Durch den Ausbau der Staffeleggstrasse wurde die Emmisions- und Lärmbelastung für die Bevölkerung erheblich gesteigert. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass diese Passstrasse für den Transit-Schwerverkehr gesperrt wird, da ein kleiner Zeitverlust über die Autobahn für Lastwagen absolut vertretbar ist.

Was halten Sie vom Rahmenabkommen Schweiz-EU?
Solange der Lohnschutz, gerade für unsere Region in Grenznähe, nicht ganz klar gewährleistet, wird dieser Vertrag der ansässigen Bevölkerung und den Handwerksbetrieben mehr schaden als nützen. Schon jetzt haben diese Betriebe eine sehr grosse Konkurrenz aus dem Süddeutschen Raum, welche sich noch steigern würde. Ich sehe in der heutigen Form des Rahmenvertrages einen reinen Profitvertrag für Konzerne, Grossunternehmen und Grossaktionäre. Sozialpolitische Aspekte werden leider kaum oder gar nicht berücksichtigt.

Braucht die Schweiz neue Kampfjets?
Ein ganz klares Nein! Ich bin überzeugter Friedensaktivist und sehe was diese Kriegsindustrie weltweit für Elend und Katastrophen auslöst. Wie viele intelligente und umweltgerechte Projekte könnten mit den Mitteln finanziert werden? Wie gut würde die Bildung weltweit unsere Entwicklung fördern? Zu Bedenken ist auch, dass zukünftige Kriege nicht mehr wie in der Vergangenheit geführt würden, sondern eher mit elektronischen Angriffen über das Internet, mit Drohnen oder uns noch unbekannten Waffen. Kampfflugzeuge wären nur überdimensionierte und sehr teure Spielzeuge für die militärischen Hitzköpfe welche gerne auf Gewalt setzen, statt auf Kommunikation und Menschlichkeit.

Der menschengemachte Klimawandel ist ein viel diskutiertes Thema. Sollen das Autofahren und das Fliegen teurer werden?
Ich bin für Umweltschutz und sehe den Klimawandel als Realität an. Was mich aber an der aktuellen Situation stört ist, dass alle finanziellen Mittel zur Minderung der klima- und umweltzerstörenden Faktoren einmal mehr fast nur von den Normalbürgern bezahlt werden soll. Der Ständerat diskutiert jetzt schon über Abgabenfreiheit in Sachen CO2-Steuer für Konzerne, die Wirtschaftsverbände möchten alle Betriebe davon befreien. Die Flüge sind eindeutig zu billig, was aber daran liegt, dass das Kerosin bis jetzt nicht besteuert wird. Das sollte man auf jeden Fall ändern und zusätzlich für jeden Privatund Firmenjet pro Start und Landung eine empfindlich hohe Abgabe verlangen. Was die Autofahrer betrifft, sollte man gut differenzieren, denn nicht jeder ausserhalb der Städte hat gute Verbindungen zum ÖV und ist auf das Auto angewiesen.

Sind Sie für eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters?
Nein, denn die Produktivität hat sich seit den 1950er-Jahren um das Mehrfache gesteigert. In Zukunft werden durch den Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Automation noch viele Arbeitsplätze wegfallen und viele Entlassene werden kaum noch einen Job finden. Nicht jeder kann sich umschulen lassen oder sich total neu orientieren. Wir brauchen neue Lösungsansätze, wie z.Bsp. das bedingungslose Grundeinkommen, progressiver Vermögens- und Erbschaftssteuer, beispielsweise ab einem Betrag von über drei Millionen Franken. Ewiges Wachstum ist ein Ding der Unmöglichkeit und absolut nicht nötig. Allerdings muss das Umdenken im Kleinen anfangen, also bei jeder Person selbst.

Zum Schluss: Was wollten Sie den Fricktalern schon immer mal sagen?
Glaubt nicht alles ungeprüft, was Euch von Medien, Wirtschaftsführern und Politikern erzählt wird. Betrachtet immer beide Seiten der Medaille, prüft die Aussagen nach, zieht die eigenen Eindrücke und Empfindungen mit ein und lasst Euch nicht von den immer gleichen Gegen- oder Negativargumenten einschüchtern. Nutzt die einzigartigen Privilegien unserer Schweizer Demokratie, nehmt an Wahlen und Abstimmungen teil. Bestimmt mit, was die Zukunft bringen soll, tut es gemeinsam und zum Wohl von allen. Es liegt in euren Händen!

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