Der «Figaro» von Rheinfelden legt die Schere beiseite

Di, 15. Okt. 2019
«Die Zeit ist schnell vergangen», erklärt Sigi Schäfer in seinem Coiffeursalon. Er freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt. Foto: Valentin Zumsteg

Valentin Zumsteg

Ein bisschen Wehmut schwingt mit: «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt Sigi Schäfer. Er sitzt in seinem Coiffeursalon und blickt auf die vergangenen 43 Jahre zurück, die er in Rheinfelden gearbeitet hat. «Die Zeit ist schnell vergangen», stellt der 65-jährige erstaunt fest. Am 30. November ist sein letzter Arbeitstag. Der Abschied von den vielen Kunden und seinen beiden Angestellten fällt ihm nicht leicht. Er freut sich aber auf die Zeit danach: «Coiffeur ist ein anstrengender Beruf. Er kann einen auslaugen.»

Über 30 Coiffeursalons
Als Sigi Schäfer 1976 mit seinem ersten Salon in der Rheinfelder Altstadt begann, gab es insgesamt vier Coiffeure in der Stadt. «Rheinfelden zählte damals rund 7000 Einwohner. Heute sind es 13 500 Einwohner und über 30 Coiffeursalons», erzählt er. Trotz der zunehmenden Konkurrenz konnte er seinen Betrieb ausbauen. Von der Geissgasse, wo er anfing, zog er 1982 in die Rindergasse; 2001 folgte der Wechsel in die Brodlaube, wo sein Salon auch heute noch beheimatet ist.

Über 40 Jahre im Geschäft – damit ist Sigi Schäfer mit Abstand der dienstälteste Coiffeur in Rheinfelden. «Ich habe immer Gas gegeben. Als Coiffeur darf man nicht stehen bleiben, sonst verliert man den Anschluss. Weiterbildung ist entscheidend», erklärt Schäfer. Als grosser Kunstfreund hat er auch immer wieder Ausstellungen in seinem Salon organisiert. Das war eine Herzensangelegenheit, die ihm grosse Freude bereitete und auf breites Echo stiess. Er erinnert sich an viele tolle Begegnungen, unter anderem mit dem legendären Basler Kunsthändler Ernst Beyeler, der 2010 verstorben ist.

«Das Städtchen hat eine gute Zukunft»
Im Städtchen, wo Schäfer mit seiner Frau auch wohnt, fühlt er sich wohl. «Ich habe Rheinfelden sehr gerne. Ich sehe keinen Niedergang, im Gegenteil, die Stadt ist stark gewachsen. Natürlich sind einige Geschäfte und Restaurants verschwunden, es kommen aber immer wieder neue. Das Städtchen hat eine gute Zukunft, davon bin ich überzeugt», sagt Schäfer, der in Badisch Rheinfelden aufgewachsen ist und seit Jahrzehnten in der Schweiz wohnt und arbeitet. Seine beiden Angestellten werden an der Marktgasse 46 den Coiffeursalon weiterführen und seinen Kundenstamm übernehmen.

Er selber hat schon Pläne für den Ruhestand: «Ich freue mich auf lange Spaziergänge und viel Zeit in der Natur. Ich gehe auch gerne nach Bern oder mal nach Zürich. Vielleicht reise ich wieder ins Piemont und in die Toskana.» Geflogen ist Sigi Schäfer noch nie in seinem Leben – das will er auch künftig nicht nachholen.

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