«Vergesst die Erschliessung Sisslerfeld»

Sa, 05. Okt. 2019
«Ich stehe gerne im Regen; Regenwetter, das neue schöne Wetter», sagt Gertrud Häseli zu ihrer Fotowahl. Foto: zVg

NFZ-Wahlserie: Fricktaler Nationalratskandidatinnen im Interview

Gertrud Häseli ist Bio-Bäuerin auf dem eigenen Hof, Gemeinderätin und Grossrätin. Ihre Schwerpunkte in der politischen Arbeit liegen im Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit, sowie im Erhalt der natürlichen Ressourcen. Jetzt will die Wittnauerin für die Grünen in den Nationalrat.

Simone Rufli

NFZ: Frau Häseli, wieso kandidieren Sie für den Nationalrat?
Gertrud Häseli:
In Bern braucht es grüne Aargauer Stimmen: Für das Klima, für die Ernährung und die Landwirtschaft, zur Förderung der Erneuerbaren Energie, für ein neues Verständnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit und für eine solidarische Gesellschaft.

Wie wollen Sie sich für die Region einsetzen?
Die Aufgaben im Nationalrat sind übergeordnete Aufgaben. Es ist nicht Aufgabe der Nationalräte und Nationalrätinnen, sich für Partikularinteressen einzelner Regionen einzusetzen.

Was halten Sie vom Rahmenabkommen Schweiz-EU?
Der Bundesrat soll das Rahmenabkommen ratifizieren. Für die Landwirtschaft braucht es Sonderregelungen. Die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion ist an den Boden gebunden. Lebensmittel sollen nicht uneingeschränkt gehandelt werden können. Die billigen Nahrungsmittel werden nicht in tierfreundlichen und bodenschonenden Landwirtschaftsbetrieben produziert.

Braucht die Schweiz neue Kampfjets?
Nein. Auf keinen Fall. Die Schweizer Politik muss auf allen Ebenen in die Friedensförderung investieren und nicht in die Aufrüstung. Der Besitz von Kampfjets ist nichts anderes, als die Unterstützung des Säbelrasselns und des Machogehabes von machthungrigen Patriarchen. Ich habe kein Vertrauen in Militärpiloten, die Langenbruck nicht von Mümliswil unterscheiden können.

Der menschengemachte Klimawandel ist ein viel diskutiertes Thema. Sollen das Autofahren und das Fliegen teurer werden?
Ja. Die fossilen Energieträger sind viel zu günstig. Der Treibstoff muss mit einer CO2-Steuer belegt werden! Weniger Autos, weniger Strassenverkehr, sind für uns alle ein grosser Gewinn. Der Lärm, die Strassen, die parkierten Autos sind eine sehr grosse Einschränkung der Lebensqualität auf dem Land und in der Stadt.

Sind Sie für eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters?
Rentenalter 65 für Männer und Frauen, damit kann ich leben. Daneben soll das Rentenalter flexibilisiert werden. Wichtig ist auch, den Wert der Freiwilligenarbeit gesellschaftlich zu stärken. Die unbezahlte Arbeit, die von Männern und Frauen geleistet wird, muss eine höhere Akzeptanz und Wertschätzung erfahren. Neben den sicheren Finanzen brauchen die Rentner vor allem sinnstiftende Tätigkeiten.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
«5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Bronnie Ware. Einsichten die ihr Leben verändern werden.» Was zählt am Ende des Lebens wirklich? Die meisten bedauern, nicht die eigenen Wünsche verwirklicht zu haben, zu viel für Geld gearbeitet zu haben und zu wenig Zeit mit Freunden und mit der Familie verbracht zu haben.

Zum Schluss: Was wollten Sie den Fricktalern schon immer mal sagen?
Vergesst die Erschliessung und Überbauung Sisslerfeld. Was wollen wir Produkte produzieren, die wir nicht brauchen, Arbeitsplätze schaffen für Leute, die wir nicht haben, Verkehr fördern auf Strassen und Brücken, die uns fehlen. Weniger ist mehr. Künftig weniger arbeiten, um Geld zu verdienen, unsere Zeit brauchen wir für die Betreuung der Kinder, der alten Leute und anderer Schutzbedürftiger. Unsere Zeit brauchen wir für Bildung und Kultur und zum Pflegen verschiedenster Beziehungen. Auch die Deckung unserer Grundbedürfnisse ist eine wertvolle Arbeit: Kochen, Reinigen, Wohnen, den Garten pflegen…

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