«Uns droht die Zwangsverwaltung»

Do, 19. Sep. 2019
Ludwig Dünner hofft, aus den Reihen der rund 600 Katholiken neue Kirchenpfleger rekrutieren zu können. Fotos: Archiv NFZ

Schwierige Suche nach neuen Kirchenpflegern in Sulz

Ludwig Dünner, Kirchenpflegepräsident in Sulz, tritt per Ende 2019 zurück. Die römisch-katholische Kirchenpflege ist daher zwingend auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Ein runder Tisch am kommenden Montag soll der Bevölkerung aufzeigen, was die Konsequenzen sind, wenn keine weiteren Kirchenpfleger rekrutiert werden können.

Susanne Hörth

«Finden wir keine neuen Kirchenpfleger, droht uns ab Januar 2020 die Zwangsverwaltung.» Ludwig Dünner bringt es direkt auf den Punkt. Schön reden mag er es nicht, vielmehr will er mit klaren Worten die Dringlichkeit der Situation aufzeigen. Ludwig Dünner gehört der römisch-katholischen Kirchenpflege Sulz seit zehn Jahren, neun davon als Präsident, an. Bringt der Aufruf, damit verbunden ein geplanter runder Tisch am 23. September für die interessierte Bevölkerung, nicht den erhofften Erfolg, so wird die Sulzer Kirchenpflege im Januar 2020 nur zu zweit in die neue Amtsperiode starten. Mit dieser Unterbesetzung wäre das Gremium nicht entscheidungsfähig.

«Schon lange sind wir nur zu viert statt zu fünft», geht Ludwig Dünner auf die schwierige Suche nach neuen Kirchenpflegern ein. Dass er selbst trotzdem Ende Jahr aus der Kirchenpflege ausscheiden wird, erklärt er so: «Einfach nur weitermachen, damit die Verwaltung von aussen abgewendet werden kann, will ich nicht. Ich merke, dass ich etwas amtsmüde geworden bin. Und das führt ganz schnell dazu, dass man die doch sehr wichtige Aufgabe nicht mehr zufriedenstellend ausüben kann.» Bereits bei den letzten Wahlen hat Manuela Weiss ihre Demission per Ende Jahr bekanntgegeben.

Um die Kirchgemeinde in eine gute Zukunft führen zu können, brauche es frischen Wind. Für den noch amtierenden Kirchenpflegepräsidenten zählen dazu auch gute Lösungsansätze. Er nennt als Beispiel die zunehmend erschwerte Suche nach Sakristanen. Obwohl diese Aufgabe mit einer Anstellung und einem Lohn versehen ist, stellen sich auch hier kaum Leute zur Verfügung.

Ideen und Mut sind gefragt
Kirchenpflegen sollten den Mut für das Aufgreifen von visionären Gedanken haben, hält Dünner weiter fest und bringt sich gleich mit einer eigenen Vision ein: «Warum die Kirche nur für Gottesdienste nutzen? Warum sie nicht auch wie die Elisabethen-Kirche in Basel für andere Veranstaltungen zur Verfügung stellen?» Er ist sich bewusst, dass dies ein heikles Thema ist, dennoch fügt er etwas rebellisch an: «Die Kirche ist das defizitärste Gebäude mit bestem Standort in der Gemeinde.» Es gehört zum Auftrag der Kirchenpflege, die Infrastrukturen instand zu halten. Das sei auch richtig so, betont Dünner. Er verhehlt aber auch nicht, dass eine solche Instandhaltung immer mit dem Blick in die Kasse passieren muss. Eine umfassende Sanierung der Sulzer Kirche drängt sich schon länger auf. Die geschätzten Kosten von über zwei Millionen Franken kann die Kirchgemeinde aber nicht stemmen. Und so wird in nächster Zeit lediglich eine sanfte Renovation für 300 000 Franken vorgenommen.

Für Dünner steht in der, wie er sagt, interessanten, lehrreichen und bereichernden Arbeit eines Kirchenpflegers stets der Mensch im Mittelpunkt. Er betont: «Wir in Sulz dürfen stolz sein auf unsere aktive Kirchgemeinde. Es sollte daher doch auch möglich sein, in den Reihen unserer rund 600 Katholiken neue Kirchenpfleger zu finden.» Schön wäre es, wenn sich hier auch die jüngere Generation zur Verfügung stellen würde. Dass die Kirchgemeinde Sulz die Zukunft alleine bewältigen möchte, habe sich ja gezeigt, als vor einigen Jahren die Diskussion um einen möglichen Zusammenschluss mit den Katholiken aus Laufenburg gleich im Ansatz gestoppt wurde.

Dünner ist sich sicher, wenn sich genügend Leute – «warum die Aufgaben nicht auf sieben statt auf fünf Schultern verteilen» – zur Verfügung stellen, kann die Sulzer Kirchenpflege mit frischem Wind und guten Ideen in eine positive Zukunft gehen.

Runder Tisch: Montag, 23. September 2019, 19.30 Uhr; Pfarreisaal Sulz. Willkommen sind alle Mitglieder der römisch-katholischen Kirchgemeinde Sulz.

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