Neues Licht auf alten Stollen

Mi, 17. Jul. 2019
1965 wurde in Gansingen eine Höhle entdeckt und sorgte für viel Gesprächsstoff. Im Zuge eines Baugesuchs des Naturschutzvereins kommt wieder Bewegung in die Sache. Foto: Bernadette Zaniolo

In Gansingen soll ein neuer Stollenzugang erstellt werden

Ein Baugesuch in Gansingen sorgt für Verwunderung. Fast schon wie damals, anno 1965, als man im Ort rätselte, wie die Höhle am Laubberg, südöstlich von Gansingen entstand.

Bernadette Zaniolo

In Gansingen liegt derzeit ein Baugesuch für einen neuen Stollenzugang auf. Ein Stollen in Gansingen? Das wirft Fragen auf. Klar ist, dass es sich beim Gesuchssteller und Projektverfasser um den Naturschutzverein (NV) Gansingen handelt. Doch wo befindet sich dieser Stollen, der für Amphibien, Insekten und eventuell Fledermäuse zugänglich gemacht werden soll? Im Gespräch mit Meinrad Bärtschi, Präsident des Verbandes Oberfricktaler Naturschutzvereine (VONV) und Vorstandsmitglied im NV Gansingen wird schnell klar, dass diese «Höhle» schon 1965 für viel Gesprächsstoff und Recherchen sorgte. «Kein Mensch mag sich erinnern, dass der Fund in früheren Jahren je bekannt gewesen wäre», schrieb das Aargauer Volksblatt in seiner Ausgabe vom 10. Mai 1965 unter dem Titel «Gansingen staunt über ein Loch!» Eine damals Neunzigjährige schüttelt den Kopf: «Ich habe von der Höhle noch nie etwas gehört.»

62 Meter, mannshoher Gang
Entdeckt wurde diese Höhle, weil sich ein Bauer entschlossen hatte, oberhalb des Dorfes eine Siedlung zu bauen. Da die Kosten für die Zuleitung des Wassers vom Dorfe her jedoch ziemlich teuer gewesen wären, entschloss er sich nach einer eigenen Versorgung Ausschau zu halten. Als der Gansinger Landwirt Heinrich Erdin mit einem Trax Erdreich aushob, um eine Quelle zu fassen, stiess er auf einen Stollen. «Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um einen 62 Meter langen, mannshohen Gang handelt, der zum Teil mit Holz abgestützt war», so das AV. Genaueres über den Zweck des Stollens ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es sich um einen Sondierschacht handelt, der eventuell im Zusammenhang mit dem Vorkommen von rotem Sandstein steht.

Nachdem die Quellen im Inneren des Ganges gefasst waren, wurde der rätselhafte Stollen wieder zugeschüttet. Und dies soll auch so bleiben. Gemäss Meinrad Bärtschi will der Naturschutzverein Gansingen den alten Stollen mit einer bestehenden (alten) Wasserfassung für Amphibien wie Feuersalamander, Insekten und allenfalls Fledermäusen zugänglich machen. Gemäss Meinrad Bärtschi gehört die Wasserfassung im Stollen zum Leimenhof «und wird», so Bärtschi weiter, «heute nur noch für das Vieh verwendet.» In Bezug auf eine neue, mögliche Touristenattraktion im Mettauertal macht Bärtschi klar: «Der neue Stollenzugang wird nicht begehbar sein.» Im Eingangsbereich sind jedoch vereinzelt Aufwertungsmassnahmen wie etwa kleine Trockenmauern, Steinhaufen oder ein kleiner Weiher vorgesehen. Bewirtschafter der betroffenen Fläche ist Fabian Senn vom Reismatthof. «Sein Vater, Viktor Senn, hat mit dem Naturschutzverein bezüglich der Projektidee Kontakt aufgenommen», so Bärtschi. Das Projekt – das Baugesuch liegt bis zum 12. August auf der Gemeindekanzlei auf – sei mit dem Grundeigentümer abgesprochen.

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