Schwere Vorwürfe erhoben

Fr, 14. Jun. 2019
Ehemalige Mitarbeiterinnen des Wohn- und Pflegezentrums Stadelbachs erheben schwere Vorwürfe. Foto: Valentin Zumsteg

Nicht nur Hausärzte weisen auf Missstände im Stadelbach Möhlin hin, sondern auch zahlreiche ehemalige Mitarbeiterinnen äussern sich kritisch.

Valentin Zumsteg

Vergangene Woche hat die NFZ publik gemacht, dass der Möhliner Hausarzt Hagen Scheerle aufgrund von Missständen im Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach nicht mehr bereit ist, seine Patientinnen und Patienten vor Ort zu betreuen. Auch andere Hausärzte aus der Region äusserten sich kritisch und wiesen auf Defizite in der Pflege/Organisation hin. Aufgrund dieser Berichterstattung hat sich ein halbes Dutzend ehemalige Mitarbeiterinnen des Stadelbachs bei der NFZ gemeldet, teils unabhängig voneinander. Sie alle schildern ebenfalls Missstände, die sie während ihrer Zeit im Stadelbach beobachtet haben.

«Mehrfach auf mangelnde Pflegequalität hingewiesen»
Alle ehemaligen Mitarbeiterinnen, mit denen die Zeitung gesprochen hat, beklagen einen akuten Personalmangel und eine sehr hohe Fluktuation. «Es hatte zu wenige Mitarbeiterinnen für die Pflegemassnahmen. Die Bewohner mussten teilweise sehr lange warten, wenn sie klingelten», hält eine Frau fest. «Bewohner klingelten abends früh für die Pflege, weil sie Angst hatten, vergessen zu gehen oder lange warten zu müssen», ergänzt eine Zweite. Zudem seien morgens viele Bewohner noch nach 10 Uhr im Bett gewesen – nicht weil sie wollten, sondern wegen Zeitmangel des Pflegepersonals. Es habe deshalb negative Rückmeldungen von Angehörigen wegen mangelnder Pflege gegeben. «Der Personalmangel führte aber auch zu Medikamentenfehlern. Damit wurde nicht ehrlich umgegangen», schildert eine der ehemaligen Mitarbeiterinnen. «Ich habe mehrfach auf die mangelnde Pflegequalität hingewiesen und bekam von der Leitung zu hören, dass ich zu hohe Ansprüche habe», sagt eine andere Frau.

Einige der ehemaligen Angestellten haben gegenüber der NFZ schriftliche Erklärungen abgegeben: «Verordnungen von Hausärzten blieben zum Teil mehrere Tage unbearbeitet oder wurden falsch übertragen wegen Zeitmangel», heisst es in einer solchen Erklärung. Eine andere ehemalige Mitarbeiterin berichtet von «Schattendossiers», die über alle Angestellten geführt wurden: «Pausengespräche, persönliche Gespräche oder Verhalten der Mitarbeiter wurden je in einem Ordner festgehalten, so dass alle anderen Leitungspersonen Einsicht hatten. Beispiel eines Eintrages nach einer Pause: ‹X spricht sehr zugewandt mit Y. Dreht mir den Rücken zu. Weiss sie etwas?› Ein weiterer Eintrag: ‹X wirkt ein wenig dünnhäutig. Reagiert schnell mit Genervtheit. Was geht da ab?›»

«Der Vorstand sorgt sich sehr»
In ihrer Stellungnahme von letzter Woche haben Alfred Sutter, Präsident des Träger-Vereins Wohnen im Alter Möhlin, und Judith Dominguez, Leiterin Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach, darauf verwiesen, dass im Zusammenhang mit dem kantonalen Qualitätsreporting regelmässige Umfragen durchgeführt werden. «In der letzten Umfrage haben die Führungspersonen sehr gute Rückmeldungen erhalten.» Zudem sei eine externe Firma damit beauftragt worden, die Bewohnenden, deren Angehörige, das Personal und die freiwilligen Mitarbeitenden zur Situation im Stadelbach zu befragen.

Die NFZ hat die Verantwortlichen des Stadelbachs diese Woche auch mit den Vorwürfen der ehemaligen Mitarbeiterinnen konfrontiert. «Der Vorstand des Vereins Wohnen im Alter Möhlin sorgt sich sehr um das Stadelbach und ist mit externer Hilfe daran, die Situation zu klären. Die Öffentlichkeit und die Trägergemeinden werden zu gegebener Zeit orientiert», schreibt Vereinspräsident Alfred Sutter als Antwort. Auf die konkreten Fragen geht er nicht ein.

«Untersuchung ist im Interesse des Stadelbachs»
Die SP Möhlin hat sich bereits im April an alle Gemeinderäte im Einzugsgebiet des Wohn- und Pflegezentrums Stadelbach gewandt und auf verschiedene Missstände hingewiesen (die NFZ berichtete). Die Probleme sind also spätestens seit dann bei den Gemeinderäten ein Thema. Kathrin Hasler, Frau Gemeindeammann von Hellikon, nimmt klar Stellung: «Es braucht jetzt eine externe Untersuchung. Das ist auch im Interesse des Stadelbachs.» Sie habe von Einwohnern immer wieder kritische Äusserungen zum Umgang mit Angehörigen im Stadelbach vernommen. Nur eine Befragung, wie von der Leitung geplant, ist aus ihrer Sicht zu wenig. Denn sie glaubt, dass die Leute aus Angst nicht offen antworten werden.

Das sieht auch Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin, so: «Unser Delegierter in der Trägerschaft wird eine Organisationsentwicklung beantragen.» Dem Gemeinderat von Möhlin ist ebenfalls schon seit längerem zu Ohren gekommen, dass es Probleme im Stadelbach gibt, wie Böni erklärt. Jetzt solle gehandelt werden.

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Kommentare

Endlich tut sich mal was und es auch an die Öffentlichkeit getragen wird. Auch gut, das es selbst die behandelnden Hausärzte erkennen. Ich selbst hatte so meine negativen Erfahrungen machen müssen. Zeitmangel für die Bewohner war vor Jahren schon angesagt. Auch die reine Abzocke der Bewohner. Es gebe da so einige Beispiele wo ich jetzt allerdings hier nicht äussern möchte. Jedenfalls, dranbleiben und mal alles so richtig überprüfen!!!
Wird auch entlich Zeit, das etwas unternommen wird!! Das sind/waren echt keine Menschenwürdigen Zustände dort!!!

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