Eine Hecke, mehrere Blickwinkel

Do, 13. Jun. 2019
Bei Roland Jegge war der Ärger über den Vandalismus beim Unfallschwerpunkt gross. Jegge ist als kantonaler Strassenmeister für diesen Abschnitt zuständig. Die Hecke soll später mit entsprechender Grösse für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Ronny Wittenwiler

Möhliner Höhe: Wann steigt das Risiko für Verkehrsunfälle?

Vereinzelt schwang Schadenfreude mit, als eine unbekannte Täterschaft die vom Kanton gepflanzte Hecke an der Landstrasse entfernte. Kern der Geschichte ist allerdings ein ernsthafter.

Ronny Wittenwiler

Die Hecke an der Landstrasse von Möhlin nach Wallbach brachte einige auf die Palme; so sehr, dass sich eine unbekannte Täterschaft Ende Mai veranlasst sah, diese in einer Nacht- und Nebelaktion zu eliminieren (die NFZ berichtete). Jetzt ereignete sich die nächste Episode: Nachdem der Kanton Anzeige gegen Unbekannt erstattete und eine neue Hecke pflanzte, fehlen bereits wieder ein paar Stauden. Das bestätigt Kai Schnetzler, Sektionsleiter Verkehrssicherheit beim Kanton. Was mittlerweile wie ein schlechtes Katz-und-Maus-Spiel daherkommt, beginnt im letzten Jahr.

Die Kontroverse
Im November liess der Kanton die Sträucher-Reihe pflanzen. Diese nimmt den von Zeiningen auf die Landstrasse einmündenden Verkehrsteilnehmern die Fernsicht hinunter zum Kreisel nach Wallbach. Weniger Sicht für mehr Sicherheit? Für manchen Laien klang das zwar wie ein schlechter Witz, die Massnahme aber gründete auf einem externen Fachgutachten, vom Kanton in Auftrag gegeben. Das Gutachten kam zum Schluss, dass eben gerade diese Fernsicht das Problem sei: Autofahrer würden beim Einmünden zu sehr auf die Ferne fokussieren und stattdessen die Fahrzeuge in den entscheidenden 150 Metern vor dem Knoten übersehen. Welche Kontroverse die vom Kanton getroffene Massnahme auslöste, zeigte sich vor allem, als sie nun über Nacht quasi in einem Akt der Selbstjustiz wieder unterbunden wurde. Auf das Ausreissen der Hecke reagierten zwar viele mit Unverständnis, andere zeigten sich über soziale Medien äusserst erheitert: «Der ungetrübte Blick in den schönen Schwarzwald sollte wieder hergestellt werden.» Jemand anderes fand diesen Akt «Wunderbar!» und ein Dritter fasste es so zusammen: «Danke an die Übeltäter, wir dürfen weiter den kommenden Verkehr sehen und nicht an eine Hecke starren.»

Eine Hecke als Stein des Anstosses
Ist es der Trotz gegenüber einer vermeintlichen Obrigkeit oder das Misstrauen gegenüber Experten? Schnetzler selber möchte das nicht werten. Fakt ist: Auf dieser Kreuzung kam es in den letzten fünf Jahren zu acht Verkehrsunfällen. Gerade deshalb bedauert Schnetzler, dass man der These aus dem Gutachten nicht einmal die Chance gibt, sich zu bewahrheiten.

«Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Hecke zu guten Resultaten führt und künftig so Unfälle verhindert werden.» Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass mit dem Entfernen der Hecke mit der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gespielt wurde? «Das ist zwar etwas extrem formuliert», findet Schnetzler, «kann man aber durchaus so sagen.» Hunderte, tausende Verkehrsteilnehmer hätten keine Mühe mit dieser Kreuzung, liessen sich nicht ablenken. «Wir wollen mit dieser Massnahme jene abholen, die Gefahr laufen, wegen der Fernsicht herannahende Autos zu übersehen.»

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