Das FiBL wird noch wissenschaftlicher, bleibt aber nahe bei den Bauern

Di, 14. Mai. 2019

Im Beisein des Wissenschaftlichen Beirats hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick am Freitag sein neues Gewächshaus zur experimentellen Forschung mit Pflanzen eingeweiht.

Simone Rufli

«Das Gewächshaus beschleunigt die Entwicklung neuer Lösungen für den Biolandbau beträchtlich. Wir sind glücklich, es in Betrieb nehmen zu können», freute sich FiBL-Direktor Urs Niggli. Das FiBL mache einen weiteren Schritt in eine wissenschaftlichere Zukunft. «Aber wir werden nun nicht nur noch Hightech-Forschung betreiben. Wir bleiben auf den Bauernhöfen», betonte der Direktor. Das Gewächshaus wird ab sofort genutzt, um die biologische Züchtung von Obst, Kleearten, Baumwolle, Getreide und Gemüse voranzutreiben. Auch können Natursubstanzen und Pflanzenextrakte für den Pflanzenschutz getestet werden. Es ist in sechs Kammern unterteilt, in denen unterschiedliche klimatische Bedingungen simuliert werden können. Auch die Mineralisierung von Nährstoffen aus Kompost und organischen Düngern ist ein Thema.

Nah an den Bauern
«Das FiBL spielt für uns eine wichtige Rolle. Es ist nah an den Bauern dran, nahe bei der praktischen Landwirtschaft», betonte Achim Walter, Professor für Pflanzenökologie an der ETH Zürich, die in der Grundlagenforschung tätig ist. «Uns verbindet eine gute Mischung aus Konkurrenz und gemeinschaftlicher Arbeit – von nun an in transparenten Hüllen, so dass das Wirken hoffentlich auch nach aussen abstrahlt.» Brigitte Kaufmann vom Deutschen Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft in Kassel hob den transdisziplinären Austausch von Studierenden und Lehrenden heraus. «Viele Studierende an unserer Uni machen ihre Masterarbeiten im Biolandbau in Frick und Mitarbeitende des FiBL unterrichten bei uns.» Die Erweiterung der Forschungsinfrastruktur sei deshalb ein Gewinn für beide Seiten. Hubert Wiggering, Präsident der Deutschen Agrarforschungsallianz in Berlin lobte die FiBL-Leitung für ihr klares Konzept hinter den Erweiterungs- und Ausbauschritten. Der Professor für Klimaforschung an der Universität Potsdam stellte das Deutsche Forschungskonzept für den Ökolandbau vor. «Wir wollen in Deutschland die gleichen Themen beforschen, wie das FiBL es heute schon tut.» Denn der Biolandbau sei stark im Trend. Alle gehören dem Wissenschaftlichen Beirat an. Er berät das FiBL und sorgt dafür, dass das Forschungsinstitut auch im wissenschaftlichen Bereich an vorderster Front mit dabei ist.

Bald noch mehr Lösungen
Stiftungsratspräsident Martin Ott fiel zum Schluss die Ehre zu, das rote Band zu durchschneiden und das 600 Quadratmeter grosse Gewächshaus den Forschenden zu übergeben. Stelle man die Bevölkerung vor die Frage, entweder sauberes Trinkwasser oder Landwirtschaft mit Pestiziden, «werden sich die Menschen wahrscheinlich für die Ernährung entscheiden und beim Trinkwasser auf gute Filter hoffen», so Ott. «Wir als Biolandbauern wollen aber nicht entweder oder, sondern das Ganze.» Er freue sich, zu wichtigen aktuellen Themen wie der chemiefreien Regulierung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen bald noch mehr Lösungen zu sehen. «Als Landwirt habe ich von euch gelernt, dass es in der Wissenschaft kein gut und böse gibt, sondern nur Nötiges und Unnötiges», wandte er sich an die Ehrengäste und Forschenden. «Das Nötige kann man nicht befehlen, aber man kann es fördern.» So wie der Kanton Aargau, der die Forschung am FiBL fördere. Urs Niggli dankte denn auch dem Kanton für den grossen Beitrag aus dem Swisslos-Fonds. Mit der Einweihung des Gewächshauses ist die erste Bau-Etappe abgeschlossen. Als nächste Ausbauschritte stehen die neuen Tierställe für Kühe und Hühner auf dem Programm. Weitere Bauten sollen bis 2021 folgen. Insgesamt investiert das FiBL zwischen 25 und 27 Millionen in den neuen Forschungsund Bildungscampus in Frick.

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