Vom Kunstturn-Virus gepackt

Mi, 20. Feb. 2019

Für Fabienne Strub neigt sich eine erfolgreiche Karriere langsam dem Ende zu

Zurzeit bereitet sich Fabienne Strub aus Möhlin auf die neue Wettkampfsaison vor. Den letzten Wettkampf hatte sie letztes Jahr im September an den Schweizer Meistermeisterschaften in Frauenfeld als Amateurin bestritten.

Ueli Waldner

«Wie lange ich noch Leistungssport betreibe, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen», antwortet die 17-jährige Absolventin der Wirtschaftsmittelschule (WMS) auf die Frage nach der Zukunft in sportlicher Hinsicht. «Nächsten Monat beginne ich mit der Basisausbildung als zukünftige Jugend+Sport Leiterin im Kunstturnen. Im Sommer folgt der schulische Abschluss der Regelklasse an der WMS und ab August in Liestal ein einjähriges Praktikum im Zusammenhang mit der WMS-Ausbildung».

Gegen den Widerstand der Eltern
Rückblende: Fabienne Strub war schon von klein auf mit dem Turnen in Kontakt gekommen, weil ihre Eltern im BTV Luzern geturnt haben und noch lange als Wertungsrichter tätig waren. Die entscheidende Begegnung mit dem Kunstturnen hatte sie mit noch nicht ganz vier Jahren bei einem zufälligen Besuch in der Halle des regionalen Leistungszentrums (RLZ) in Niederlenz. «Von da an wollte ich nur noch diese Sportart betreiben. Meine Eltern versuchten mir dies zuerst mit allen Mitteln auszureden, wohlwissend, wie gross der zeitliche Aufwand für diese Sportart sein wird. Aber weder Ballett, Jazztanzen noch Schwimmen konnten mich von meinem Vorhaben abhalten» sagt Fabienne Strub und erzählt weiter. «Nach meinem vierten Geburtstag gaben meine Eltern den Widerstand auf und erlaubten mir, nach den Osterferien das Schnuppertraining in Stein-Fricktal bei Margot und Urs Wiederkehr zu besuchen. Bald war ich dann definitiv in der Kunstturnerriege aktiv. Ab Sommer 2006 durfte ich bereits Trainings im RLZ Niederlenz bei Viktoria und Renato Gojkovic besuchen und habe dabei vieles gelernt».

Sportklasse ausschlaggebend für Wechsel
Im Sommer 2012 stand für die Elfjährige der schulische Übertritt von der Grundstufe in die Oberstufe bevor. «Da das RLZ Niederlenz zu diesem Zeitpunkt das Modell Sportklasse noch nicht anbieten konnte, war mir klar, dass ich mich zwischen Schule oder Leistungssport entscheiden müsste. Das konnte ich nicht. Ich wollte sowohl den höchsten Schulabschluss als auch weiterhin Leistungssport betreiben. Diese Möglichkeit, Leistungssport und Schule zu kombinieren, bot mir der Kanton Baselland mit der Sportklasse in Pratteln an. Die Folge davon war, dass ich das aargauische RLZ und den Verein auf Januar 2012 wechseln musste. Dieser Wechsel ins Nordwestschweizerische Kunstturn- und Trampolinzentrum Liestal (NKL), verbunden mit einem Trainerwechsel, war nicht so einfach, da er sehr plötzlich daherkam. Ein weiterer positiver Aspekt war, dass sich die Anfahrtszeit ins Training von einer Stunde auf 20 Minuten verringerte».

Nach zwei Jahren Training unter dem damaligen Frauencheftrainer Ulf Hoffmann und seiner Gattin Simone kam es nach deren Freistellungen ab August 2014 schon wieder zu einem Wechsel. Athanasios Banousis, genannt Sakis, und seine Frau Camelia Boeru, übernahmen die Leitung in der Schauenburghalle.

Kontinuierlicher Aufstieg führt zu höherem Trainingsaufwand
Als Zehnjährige qualifizierte sich die Fricktalerin erstmals für das Nachwuchskader B des Schweizerischen Turnverbandes (STV). Damals war die Russin Alyia Mustafina ihr grosses Vorbild. «Für mich ist sie eine der elegantesten Turnerin weltweit». In regelmässigen Abständen schaffte Fabienne Strub die Qualifikation in die nächst höheren Kader. So 2013 ins Nachwuchskader A, 2015 ins Juniorenkader und 2017 ins Erweiterte Nationalkader. Parallel dazu nahm auch der wöchentliche Trainingsaufwand zu. Als Anfängerin waren es zweimal 2.5 Stunden, als Kaderturnerin bei den Juniorinnen 26 Stunden in acht Trainingseinheiten. Zurzeit sind es noch rund 15 Stunden.

«Der Stundenplan in der Regelklasse der WMS erlaubt es mir nicht mehr den gleichen Trainingsaufwand zu betreiben wie noch in der Sportklasse. Es war mir bewusst, dass ich das hohe Niveau auf Elite Ebene mit nur noch fünf Trainingseinheiten pro Woche nicht mehr halten und schon gar nicht steigern konnte. Daher beschloss ich zu den Amateurinnen zu wechseln. Mit Sakis und Camelia habe ich weiterhin zwei Trainer, die voll hinter mir stehen, auch wenn ich keine Elite mehr turne», sagt Fabienne Strub. Abschliessend noch die Aussage zu ihren Hobbys. «Shoppen und mit Freunden etwas unternehmen. So viel Zeit bleibt neben der Schule und dem Training gar nicht übrig, auch wenn ich nur noch 15 Stunden in der Halle bin».


Die grössten Erfolge

Fabienne Strub nennt den Gewinn der Silbermedaille im Gerätefinal am Balken hinter Giulia Steingruber an den SM der Elite 2016 in St. Gallen als das schönste Erlebnis und den Höhepunkt ihrer Laufbahn.

SM Juniorinnen
2011: 2. Rang Mehrkampf Programm 3 2012: 2. Rang mit Mannschaft Programm 3 2013: 2. Rang mit Mannschaft Programm 4 2016: 3. Rang Mehrkampf
Programm 5

International:
2015: Hamburg Gymnastics: 2. Rang Mehrkampf Junior Stars

Ausserdem: Mehrere internationale Einsätze mit der Schweizer Juniorinnenmannschaft und etliche Siege an kantonalen Wettkämpfen.

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