Eine Fricktaler Orgel für Japan

Do, 14. Feb. 2019

Ein Jahr lang hat der Rheinfelder Peter Meier mit seinen Angestellten an einer Orgel für eine protestantische Kirche in Tokio gearbeitet. Seit Anfang Februar wird das Instrument gespielt.

Valentin Zumsteg

FRICKTAL/TOKIO. 15 Register, 648 Pfeifen und ein Gewicht von knapp zwei Tonnen – das ist die Orgel, welche die kleine Rheinfelder Firma «Peter Meier Orgelbau» für eine protestantische Kirchgemeinde im Tokioter Stadtteil Waseda gebaut hat. «Rund ein Jahr lang waren wir damit beschäftigt. Das ist bisher der grösste Auftrag, den wir je hatten», schildert Peter Meier. Das Instrument mit einer Höhe von 5,5 Metern und einer Breite von drei Metern wurde in Rheinfelden gebaut und aufgestellt – danach wieder auseinandergenommen und nach Japan verschifft.

Im Januar 2019 war Peter Meier mit seinem Lehrling Rico Mohni und dem Pfeifenmacher Marco Venegoni einen Monat in Tokio, um das Instrument an seinem Bestimmungsort aufzubauen und einzurichten. Jede Pfeife musste einzeln eingestellt werden.

Für Gottesdienste, Hochzeiten und Unterricht
«Es ist eine Orgel im Barock-Stil. Sie soll bei Gottesdiensten, Hochzeiten und als Unterrichtsinstrument genutzt werden. Es gibt in Japan auch Orgelbauer, doch die Kirchgemeinde wollte eine Orgel aus Europa, der Heimat der Orgelkultur», schildert Meier, der schon einmal zwei Jahre in Japan gelebt und gearbeitet hat. Dank dieser Verbindung kam er auch zu diesem Auftrag. Es brauchte allerdings viel Geduld. «Vor über zehn Jahren wollten sie bereits eine Orgel, doch damals klappte die Finanzierung noch nicht. Erst 2017 konnte der Vertrag unterzeichnet werden.» Die Zusammenarbeit mit den japanischen Auftraggebern hat gut geklappt. «Die Japaner sind sehr zuvorkommend und korrekt. Es muss aber alles bis ins Detail geplant sein. Das geht bei einem solchen Instrument, das eine Einzelanfertigung ist, nur bis zu einem bestimmten Grad. Es gibt eine künstlerische Komponente, die sich nicht vollständig planen lässt.»

Nach einem Monat Aufbau und Vorbereitung konnte am 3. Februar der erste Gottesdienst mit Orgelbegleitung, einem kurzen Konzert und der Einweihung des Instruments gefeiert werden. Die Reaktionen fielen durchwegs positiv aus, wie Meier erzählt. Die Orgel bekam sogar einen japanischen Namen, der sinngemäss «aufgehende Knospe» bedeutet. «Das war ein sehr schöner Auftrag, doch reich wird man damit nicht. Wir kamen aber auf unsere Kosten», erklärt Meier. In einem Jahr wird er wieder nach Japan reisen, um das Instrument nochmals zu pflegen, zu stimmen und Feineinstellungen vorzunehmen.

Nächstes Instrument für Paris
Mittlerweile ist der nächste grössere Auftrag bei der Fricktaler Orgelbau-Firma eingetroffen. Diesmal nicht aus Japan, sondern aus Frankreich. Für ein Konservatorium in Paris können Peter Meier und sein Team eine neue Orgel erstellen. Darauf freut er sich bereits.

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