Der Mann, der mit der Blockflöte zaubert

| Mo, 03. Dez. 2018

Viele hassten die Blockflöte, wenn sie in der Schule oder an Weihnachten darauf spielen mussten. Der «Spöizchnebel», wie sie das Instrument verächtlich nannten, war ihnen ein Graus. Nicht so für Isaac Makhdoomi aus Rheinfelden.

Edi Strub

Eines erfuhr Blockflötist Isaac Makhdoomi schon als kleiner Knirps: ist die Lehrerin gut, dann liebt man sein Musikinstrument – und umgekehrt. Zuerst hat der vierjährige Isaac Geige gespielt und fleissig geübt, doch dann kam eine neue Lehrerin, mit der er es nicht konnte, und weg waren die Freude und der Fleiss.

Der kleine Isaac liess sich dann von seiner Mutter überreden, es doch mal mit der Blockflöte zu versuchen. Und er hatte Glück: es gefiel ihm bei der neuen Lehrerin und die Blockflöte wurde sein Instrument. Noch viel mehr Glück hatte er viele Jahre später, als er an der Zürcher Hochschule für Künste bei einem der weltbesten Blockflötenvirtuosen, bei Maurice Steger, studieren durfte. Das war sein Traumlehrer, der sein Talent voll zur Entfaltung brachte. Zu spüren ist das beispielweise an Makhdoomis Spiel auf der ersten CD mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 2 von Bach eingespielt unter dem legendären Howard Grifiths.

 

Mit Blockflöte bei den «grössten Schweizer Talenten»

In den Fokus einer grösseren Öffentlichkeit kam Isaac Makhdoomi aber dann erst mit seiner Teilnahme an der SRF-Castingshow «Die grössten Schweizer Talente» 2015. Zusammen mit dem Jazzpianisten Andreas Svarc spielte er auf seiner Blockflöte «Human Nature» von Michael Jackson und das so begeisternd, dass DJ Bobo meinte, die Blockflöte sei sein Lieblingsinstrument.

Isaac Makhdoomi hat dieser Auftritt in der Castingshow sehr gefallen. Er liebt nicht nur die klassische Musik, die er studiert hat, sondern auch Pop, Jazz und zum Beispiel indische Klänge. Vor einigen Jahren erschien dann auch eine CD mit solcher Musik. Die Stücke haben er und Andreas Svarc selber komponiert. Schon als kleiner Junge lernte er von seiner Mutter, die Klavierlehrerin war, zu improvisieren. Das kommt ihm sogar im klassischen Bereich zugute, denn auch dort gilt es bisweilen in barocken Stücken frei zu spielen und über das auf dem Notenblatt stehende weit hinauszugehen.

Am 8. Dezember nun tritt Isaac Makhdoomi im Kurbrunnen in Rheinfelden zum ersten Mal mit dem neu gegründeten Ensemble «Piccante» auf. Seine Partner sind in diesem Falle Musiker aus dem klassischen Bereich – junge Leute der aus der renommierten «Schola Cantorum Basiliensis». Auf dem Programm stehen Werke von Telemann, Sammartini, Vivaldi und Graun. «Unser Anspruch ist, Barockmusik staubfrei und lebendig zu interpretieren», sagt Makhdoomi.  «Ich bin gerne als Solist unterwegs. Ich brauche das für meine künstlerische Entwicklung. Musik ist immer ein Prozess zwischen Musiker und Zuhörer. Und das kann nur im Konzert geschehen.»

 

«Strenger, aber liebevoller Lehrer»

Isaac Makhdoomi ist aber nicht nur Musiker, sondern ebenso sehr Pädagoge und Lehrer. Und auch das mit grosser Leidenschaft. In Fislisbach und Rohrdorferberg unweit von Baden unterrichtet er jeden Tag junge Schüler. «Die kleinsten, die zu mir kommen, sind aus der 1. Primarklasse, die älteren dann schon so weit fortgeschritten, dass sie von einem besonderen Begabtenprogramm des Kantons profitieren können. Ich bin ein strenger, aber gleichzeitig liebevoller Lehrer. Nach jeder Lektion erhalten die Schüler einen Auftrag, auf dem sie ankreuzen müssen, was sie geübt und erledigt haben.» 

Immer wieder holen seine Schüler erste Preise an Veranstaltungen wie dem Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. Denn zur Musikausbildung gehört nach Meinung von Isaac Makhdoomi auch der gute, möglichst unbeschwerte Auftritt. Gross sei jeweils das Glück, wenn er gelingt und herzlichen Applaus zur Folge hat. «Nach jedem Konzert oder gewonnenen Preis spüre ich, wie meine Schüler neuen Auftrieb bekommen.» Jährlich gibt es bei Isaac Makhdoomi vier solche Konzerte statt bloss eines, wie für Musikschulen vorgeschrieben ist. Das sei Teil seines Konzepts, sagt der Musiker und Pädagoge Isaac Makhdoomi

 

Isaac Makhdoomi

Isaac Makhdoomi ist in der Schweiz aufgewachsen, hat über seinen Vater jedoch auch indische Wurzeln. «Ich bin zwar erst mit 19 Jahren zum ersten Mal in die Heimat meines Vaters nach Kaschmir gefahren. Aber ich habe doch vieles dieser Kultur in mir: die Leidenschaft und das Temperament vor allem.» Musikalisch ist Isaac Makhdoomi dann aber doch vor allem von der grossen klassischen Zeit des Blockflötenspiels geprägt, die sich vom Mittelalter bis zum Tod von Johann Sebastian Bach erstreckte. Danach wurde nur noch die Traversflöte gespielt, die Blockflöte geriet für fast zwei Jahrhunderte in Vergessenheit.

Isaaac Makhdoomi wohnt mit seiner Familie seit ein paar Jahren in Rheinfelden – eine Stadt, in der er, seine Frau und sein kleiner Sohn sich sehr wohl fühlen.

Isaac Makhdoomi und das Ensemble «Piccante» treten am Samstag, 8. Dezember, um 18 Uhr im Rheinfelder Kurbrunnen auf.            

 

 

 

 

 

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