Das Kind im Zentrum – der Staat im Notfall
04.12.2018 LaufenburgWer ist zuständig, wenn das Wohl eines Kindes gefährdet erscheint?
An der 1. Netzwerk-Veranstaltung Kindesschutz im Bezirk Laufenburg ging es darum aufzuzeigen, was mit der Unterstützung von Fachstellen auf freiwilliger Basis möglich ist, ohne dass der Staat eingreift.
Simone Rufli
Unsicherheiten wird es auch weiter geben. So einfach ist die Sache im Bereich Kindesschutz nicht, um mit einem einzigen Netzwerkanlass alle Unklarheiten zu beseitigen. Doch gerade für die Schulen – sie sind aufgrund der täglich langen Verweildauer oft am nächsten bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen – ist es wichtig, einen Überblick zu bekommen, wo sie welche Unterstützung bekommen können. «Das Vertrauensverhältnis ermöglicht der Schule gute Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten», meinte Marion Dambach, Standortleiterin Schulpsychologischer Dienst (SPD) Aussenstelle Frick. Und so war denn am Donnerstagnachmittag auch das Interesse gross und die Aula im Schulhaus Blauen gut gefüllt mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gemeinden (Abteilung Soziales), Schulpflegen, Schulleitungen, Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst, Mütter- und Väterberatung, Logopädischer Dienst, Jugend- und Familienberatung, Stiftung Netz, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Familiengericht. Durch die Veranstaltung führte Siegbert Jäckle, bis zu seinem Wechsel an die Schule Brugg in diesem Sommer während acht Jahren Schulleiter an der Kreisschule in Laufenburg. Die Veranstaltung hatte zum Ziel, die verschiedenen Angebote im Bereich Kindesschutz im Bezirk Laufenburg vorzustellen sowie die Zusammenarbeit der Fachstellen im Dienste des Kindeswohls aufzuzeigen und zu optimieren. Organisiert wurde der Anlass von einem Team aus Jugend- und Familienberatung, Schulpsychologischem Dienst Aussenstelle Frick, Schulsozialarbeit, KJP Ambulatorium Rheinfelden und Familiengericht Laufenburg.
Anzeichen einer Gefährdung
Woran erkennt man eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls? Kinder können sich plötzlich aggressiv verhalten, der Schule fernbleiben, von Schlägen erzählen, Verletzungen an komischen Orten aufweisen, Suizidgedanken äussern, in der Leistung abfallen. Jürg Caflisch, Fachrichter am Familiengericht Laufenburg, unterschied drei Bereiche: Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller Missbrauch. Er betonte, dass der Staat immer nur dann eingreifen will und die Maschinerie eines formellen Verfahrens ins Rollen komme, «wenn Eltern selber nicht für Abhilfe sorgen können.» Darum sei es wichtig, dass zuerst alle anderen Wege ausgeschöpft werden (Schulsozialarbeit, Gespräch mit Schülern und Eltern, der Beizug weiterer Fachstellen) bevor eine Gefährdungsmeldung an eine Gemeinde oder ans Familiengericht gemacht werde. «Wenn eine Meldung bei uns eingeht – ganz gleich woher sie kommt – müssen wir dem nachgehen», so Caflisch. Er betonte: «Die Wirkung einer Massnahme ist grösser, wenn man gemeinsam eine Lösung findet, als wenn die Lösung aufgezwungen wird.»
Die Eltern stärken
Schulsozialarbeiterin Rahel Brun veranschaulichte anhand eines Fallbeispiels das funktionierende Zusammenspiel zwischen Schulsozialarbeit und Jugend- und Familienberatung (JFB). Sowohl für Brun wie für Sandra Wey, Stellenleiterin JFB Laufenburg ist eine vertrauensvolle Beziehung Voraussetzung für Wirksamkeit. «Holt uns so früh, wie möglich dazu», bat Wey und sie betonte: «Wir gehen davon aus, dass die Eltern ihre Kinder am besten kennen und dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen wollen. Uns geht es darum, die Eltern zu stärken.»
Die anschliessende Diskussion wurde für Fragen genutzt. Welche Informationen dürfen an andere Fachstellen weitergegeben werden? Was passiert, wenn Eltern mitten im Verfahren mit dem Kind aus dem Kanton wegziehen? Was macht man, wenn ein Elternteil sich gegen eine Therapie beim Kind sträubt? Warum sind die Wartefristen insbesondere in der Kinderpsychiatrie so lange, wo doch oft Gefahr im Verzug liegt? «Natürlich weiss man um die anderen Angebote im Bezirk, aber der direkte Kontakt fördert das Verständnis gegenüber der Arbeit der Anderen und macht Abläufe verständlicher», meinte eine Teilnehmerin.
Aus schulischem Umfeld war zu hören: «Manchmal wissen wir gar nicht was geht, wenn wir uns an eine Stelle gewendet haben. Und während wir auf fachliche Hilfe warten, eskaliert die Situation im Klassenzimmer.» Eine Schulsozialarbeiterin meinte: «Es ist gut, dass wir einmal alle zusammen das Gleiche zu hören bekommen, denn es geht uns ja auch allen ums Gleiche. Für uns alle steht das Kindeswohl an erster Stelle. Da ist es doch wichtig, dass wir gut vernetzt sind.» Auch der Wunsch nach einer Folge-Veranstaltung wurde geäussert. «Vielleicht könnte man bei einem nächsten Anlass den Kreis auf Lehrpersonen ausdehnen, um sie für die Problematik zu sensibilisieren», war eine Idee. Denn sehr oft sind es die Lehrpersonen, die erste Anzeichen einer unguten Entwicklung mitbekommen.

