«Das ist wie eine Droge, die man immer haben möchte»

Mo, 10. Sep. 2018

Seit 15 Jahren ist Sebastian Bürgin (Baschi) aus Gelterkinden erfolgreich als Musiker unterwegs. Die Songs des aktuellen Albums «1986» hat er in seinem Studio im Möhliner Batapark aufgenommen.

Janine Tschopp

Drei Tage vor seinem Geburtstag trifft die NFZ Baschi zum Gespräch. «Viele tolle Geschenke und einen schönen Abend mit meiner Familie», formuliert er seinen Geburtstagswunsch. Ein grosses Geschenk hat er sich bereits selber gemacht. Denn heute, just einen Tag nach seinem 32. Geburtstag, erscheint sein neues Album «1986». Eine Single davon mit dem Titel «Wenn d’Wält» spielen die Radiostationen bereits seit Mai ab.

«1986» ist Baschis achtes Album. Mit seinen bisherigen Alben hat er grosse Erfolge verbucht. Er erhielt viermal Platin und dreimal Gold, zudem landeten vier davon auf Platz 1 der Charts.

Die Lieder für das aktuelle Album sind in seinem Studio im Möhliner Batapark entstanden. Es sei «ein Traum» dort arbeiten zu dürfen. Eine inspirierende, tolle Gegend. «So einen Ort kann man nicht suchen. Der findet dich. Es war ein Glücksgriff», schwärmt er.

«Musik schreiben kann man nicht auf Knopfdruck.» Manchmal müsse man geduldig und immer selbstkritisch sein. «Gewisse Songs entstehen in einer Stunde, bei anderen dauert es länger», so Baschi. «Ich schreibe die Lieder zwar für andere Menschen, aber mir müssen sie auch gefallen. Es muss Musik sein, die mich selber berührt.»

Wie gut die elf Songs des aktuellen Albums ankommen, weiss er noch nicht. Das sei schwierig einzuschätzen. Obwohl er ein gutes Gefühl habe, sei er auch nervös. «Es ist meine Existenz», begründet er. Muss Baschi, der seit bald 15 Jahren eine grosse Nummer in der Musikszene ist, um seine Existenz bangen? Am Hungertuch nagen müsse er nicht, aber es sei auch wichtig, dass es «immer gut läuft». Es geht darum, den Marktwert, den man sich einmal erarbeitet habe, zu halten. Sicher habe er bereits als junger Mensch viel Geld verdient, trotzdem sei es immer wichtig, haushälterisch mit dem Geld umzugehen. Und das sei nicht unbedingt seine Stärke. Baschi beschreibt es so: «Ich bin der Typ, der die Wirtschaft ankurbelt.»

«Fussball, Fussball, Fussball und ein bisschen Musik»
Beim Treffen mit der NFZ erzählt Baschi zuerst vom Fussballmatch, den er am Sonntag im Basler St. Jakobs-Park besucht hat. Gefallen habe es ihm nicht, denn er wünschte sich einen FCB-Sieg. Fussball hat’s ihm schon lange angetan. «Ich hatte in Gelterkinden eine wunderbare Kindheit mit Fussball, Fussball, Fussball und ein bisschen Musik», erzählt er. Er spielte beim FC Gelterkinden und schaffte es in die Nordwestschweizer Auswahl. Sein Ziel war, Profi-Fussballer beim FC Basel zu werden.

Dann kam er anders: Ausschlaggebend für Baschis weiteren Lebensweg war seine Entscheidung, vor 15 Jahren bei der ersten Staffel der Schweizer Casting-Show «Musicstar» teilzunehmen. «Es war untypisch für mich, dass ich mich selber für die Show angemeldet habe und an einem Samstagmorgen ganz alleine ins KKL nach Luzern fuhr, um dort drei Lieder vorzutragen.» An diesem Tag hätte er sich nie erträumt, einmal professionell Musik zu machen. «Zumal ich ein mittelmässiger Gitarrenspieler und ein Sänger ohne Ausbildung war», ergänzt er. Als Bub habe er praktisch nie geübt und sei ein völlig undisziplinierter Gitarrenschüler gewesen. «Ich habe nie die Leistung gebracht, welche Herr Eicher, mein Gitarrenlehrer, von mir verlangt hatte», erinnert er sich.

Plattenvertrag trotz frühzeitigem Ausscheiden
Nichtsdestotrotz: Baschi fuhr nach Luzern und trug seine Lieder vor. Von der Jury erhielt er die gelbe Karte. Es hiess, dass sich vielleicht jemand zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei ihm melden werde. Tatsächlich kam der unerwartete Anruf, und Baschi durfte weitere sechs Songs fürs Fernsehstudio vorbereiten. Bei der Show belegte er Rang sechs und schied frühzeitig aus. Trotz seines Ausscheidens wurde er von der Plattenfirma «Universal» unter Vertrag genommen. «Vielleicht war es meine Stimmfarbe, oder ich war einfach der Typ Mensch, der in diesem Moment gefragt war», erklärt Baschi heute. Auf jeden Fall war für ihn diese Erfahrung im Winter 2003 einmal mehr ein Beweis dafür, dass es keine Zufälle gibt. «Es musste so kommen.» Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass aus Baschi kein Fussball-Profi werden würde. Auch wenn er Fussball noch immer liebt, ist er glücklich über die überraschende Wende, die sein Leben damals nahm. «Ich will mein Leben, so wie es jetzt ist, nicht missen.»

«Es bringt nichts abgehoben zu sein»
«Man muss immer am Ball bleiben. Hartnäckigkeit gehört dazu», erklärt Baschi ein mögliches Erfolgsrezept, um über längere Zeit ein erfolgreicher Musiker zu sein. Und ganz wichtig sei, dass man die Bodenhaftung nie verliere. «Es bringt nichts, abgehoben zu sein.» Natürlich sei er auf der Bühne nicht genau derselbe Mensch wie zu Hause in der Stube, aber man müsse sich selber treu bleiben. Eine sehr schöne Seite seines Berufs beschreibt er so: «Dass es Menschen gibt, die auf mich zukommen und mir mitteilen, dass ihnen meine Musik Kraft gebe und auch in schwierigen Momenten Mut mache.» Zudem lerne er bei seinem Beruf viele spannende Leute kennen. Und was er, wie viele andere Künstler, auch schätzt: Das Gefühl, wenn man auf der Bühne steht, und die Leute einem zujubeln. «Das ist wie eine Droge, die man immer wieder haben möchte.»

Ab Dezember ist Baschi mit seiner Band auf Tour und präsentiert sein neues Album «1986». Informationen unter www.baschi.com.

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