«Badi» und seine Liebe zur Natur

Sa, 08. Sep. 2018

Sein grosses Hobby, das Fischen, praktiziert der Möhliner Rolf Bürgi gerne zu Hause im Fricktal, aber auch an vielen anderen Orten der Welt.

Janine Tschopp

Ein paar Tage vor dem Gespräch mit der NFZ ist Rolf Bürgi von Kodiak Island, einer Insel vor der Südküste Alaskas, heimgekehrt. Bären, Seehunde, Seelöwen, Wale, Hirsche und einen handzahmen Fuchs konnte der Naturliebhaber hautnah erleben. Er zeigt einen Film vom Fuchs, der ihn jeweils am Morgen besuchte und mit dem er sein Frühstück teilte. Er erzählt von seinen Begegnungen mit Bären. Bären seien nicht gefährlich, solange man nicht zwischen einer Bärenmutter und ihren Jungen stehe. «So wie du dich verhältst, so verhält sich auch der Bär.» Der Respekt vor den Tieren sei das Wichtigste. Und dann erzählt Rolf Bürgi von seiner grossen Leidenschaft, vom Fischen «Vorzugsweise mit der künstlichen Fliege», sagt er. «Ich habe das Glück, jedes Jahr mit meinen fünf allerbesten Freunden diese Passion teilen zu dürfen.» Am liebsten reise er an die Ostsee, wo er auf den Inseln Bornholm oder Gotland der Meeresforelle nachstellt.

Eine glückliche Jugend
«Ich habe eine sehr glückliche Jugend verbracht. Das prägte mich», sagt der 63-Jährige. Er erzählt schmunzelnd von seinen beiden Grossmüttern. Eine wohnte in Zeihen, die andere in der Nähe von Kufstein im Tirol. Regelmässig, wenn er sie besuchte, ob im Fricktal oder im Tirol, ging er an den Dorfbach und fing die Forellen mit der Hand. Er bastelte Pfeilbögen und genoss es, seine freie Zeit in der Natur zu verbringen. «Meine Leidenschaft fürs Fischen ist dann entbrannt», erinnert er sich. Auch sein Vater war Fischer, und Rolf hat ihn oftmals begleitet. Wenn er nicht am Fischen oder in der Schule war, fand man ihn im Schwimmbad in Möhlin. «Mein Vater war Badmeister.» So erklärt sich auch sein Spitzname «Badi», unter welchem er weit über sein Heimatdorf Möhlin hinaus bekannt ist.

Seit 20 Jahren führt der selbstständige Architekt und Bauführer Rolf Bürgi sein eigenes Geschäft. Vor fünf Jahren hat er das Präsidium des Fischereivereins des Bezirks Rheinfelden (FVBR) übernommen. «Es bereitet mir Freude, zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern die Geschicke des FVBR zu leiten.» Er erzählt vom diesjährigen Sommer, der für die Fische, insbesondere die sehr empfindlichen Äschen, «schon wieder knapp an einer Katastrophe vorbei» ging. Man befürchtete eine Wiederholung des heissen Sommers 2003, was sich teilweise bewahrheitete. «Damals wurde im Oberrhein zwischen Bodensee Untersee und dem Rheinfall, bei Wassertemperauren um knapp 28 Grad, praktisch der gesamte Äschenbestand ausgelöscht. Dieses Jahr sind wegen Sauerstoffmangel ein paar Hundert Fische verendet. Zum Glück ist es zu keinem Massensterben gekommen, weil man viele Fische rechtzeitig in kühlere Gewässer umsiedeln konnte», betont Bürgi. «Im Rhein bei uns stieg die Temperatur kurzzeitig knapp über 26 Grad, am Oberrhein betrug sie weit über 27 Grad», erklärt der Experte.

«Die Klimaerwärmung greift um sich»
Der Naturfreund Rolf Bürgi macht sich Sorgen. «Die Klimaerwärmung greift um sich», ist er überzeugt. Beim Flug von Island nach Anchorage hatte er Gelegenheit, Grönland von oben zu sehen. Viele noch vor Jahren mit Eis bedeckte Flächen seien praktisch eisfrei oder nur mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Es beunruhigt ihn, dass die Erderwärmung bereits an vielen Orten von blossem Auge offensichtlich geworden ist.

In seiner Funktion als Präsident des FVBR und Pächter vom Möhlin Bach setzt er sich für die Natur in unserer Region ein. Er erzählt vom «Lachsprojekt 2020» zur Wiedereinführung des Lachses im Rhein und seinen Nebenflüssen. «Früher stiegen zirka eine Million Lachse zum Ablegen der Eier in das Flusssystem ein, heute sind es ein paar Hundert, Tendenz zunehmend», erklärt Bürgi. Seit bald 15 Jahren werden in der ältesten Fischzucht im Elsass Junglachse aus Lachs Rückkehrern erbrütet und jährlich in die Zuflüsse des Rheins, unter anderem auch in die Aargauer Bäche ausgesetzt. «Im Möhlin Bach sind es jeweils zwischen 6000 und 8000 kleine Lachse, welche nach zirka 16 bis 20 Monaten im Süsswasser die Reise ins Meer antreten, um nach vier bis sechs Jahren an ihren Geburtsort zurückzukehren. Der Erfolg hängt davon ab, ob auch die letzten drei Kraftwerke im Elsass die längst überfälligen Fischaufstiege installieren», betont Bürgi.

Seit drei Jahren ist Rolf Bürgi auch Mitglied der Aargauischen Fischereikommission, die den Regierungsrat zum Thema «Fischerei und deren Bewirtschaftung» berät.

«Badi», der Sportler
Als 14-Jähriger wurde Rolf Bürgi Goalie beim Fussballclub Möhlin. Zwei Jahre später wechselte er zum Turnverein Möhlin ins Handballtor und blieb dort während 16 Jahren. Er hatte Glück: «Ich benötigte wenig Training für eine gute Leistung.» Schon damals war «Badi» ein Genussmensch und machte seinem Trainer bald klar, dass er nur zweimal pro Woche trainieren werde. Mittwochs könne er nicht am Training teilnehmen, weil dieser Tag fürs Schwimmen und Fischen reserviert sei. Auch mit zwei Trainings pro Woche schaffte er es, Match für Match beim TV Möhlin als erster Goalie im Einsatz zu stehen. «Das wäre in der Gegenwart wohl nicht mehr denkbar», sagt er.

Auch heute ist «Badi» noch gerne sportlich. Mit Skifahren, Stand Up-Paddeln, Walking und Kraftübungen hält er sich fit. Rolf Bürgi ist ein Genussmensch und verbringt möglichst viel Zeit in der Natur, in den warmen Monaten zum Beispiel auf seinem Schiff auf dem Rhein. Auch geniesst er Gespräche mit Freunden bei gutem Essen, einem Glas Wein oder einem feinen Whiskey. Oder er verbringt Zeit mit seinen Kindern und seinen beiden Grosskindern.

Was während des Gesprächs mit «Badi» deutlich wird, ist seine positive Lebenseinstellung. «Tiefs bringen nichts», sagt er. Dann erzählt er, dass er auf seine Ernährung achte und gerne mit frischen Zutaten koche. Und was gab’s heute zum Frühstück? Dasselbe wie fast jeden Tag: «Spiegeleier. ‹Sunny side up› natürlich und gewürzt mit scharfer Peperoncini.»

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