«Wir wollen es doch alle gut zusammen haben»

  05.05.2018 Rheinfelden

Verena und Hanspeter Grieder-Würmli wohnen seit 18 Jahren in Rheinfelden

Das Ehepaar Grieder-Würmli mit Basler, Riehener und Gommiswalder Wurzeln, wuchs im Riehen der Vierziger und Fünfziger Jahre auf. Zusammen sind sie seit fast einem halben Jahrhundert.

Clara Rohr-Willers

chon als Kind lernte Hanspeter Grieder die Zähringerstadt kennen. «Meine Eltern waren Mitbegründer des Faltboot-Klubs Basel, mit dem wir oft am Rheinfelder Flussufer zelteten», erinnert sich der 75-Jährige. Seit 18 Jahren wohnt er mit seiner Frau, Tochter des bekannten Blasmusik-Komponisten Emil Würmli, in einem Hochhaus mit Aussicht auf das Umland und den Rhein.

«Meinen Vater sah ich nur am Sonntag»
Der Weitblick auf dem Balkon ist im Gedankengut des Ehepaars wieder zu finden, das eine offene Gesellschaft ohne Diskriminierung aufgrund von Religion oder Sexualität propagiert. «Es will doch jeder ein würdiges Leben», findet Hanspeter Grieder. «Warum müssen gewisse Machtmenschen andere wegen ihrer Individualität verurteilen?»

Hanspeter Grieder ist 1943 als Sohn eines Liegenschaftverwalters bei der Basler ZLV zur Welt gekommen und verbrachte eine einsame Kindheit. «Ich fühlte mich zu Hause eingesperrt», schildert der 75-Jährige. «Mit anderen Kindern spielen durfte ich selten und meine lärmempfindliche Mutter schickte mich jeden Abend um 18 Uhr ins Bett.» Den Vater, der von früh bis spät arbeiten ging, sah Hanspeter Grieder nur am Sonntag. «Meinem Selbstvertrauen schadete diese ständige Isolation», so Hanspeter Grieder.

Tochter von Emil Würmli
Auch Verena Grieder-Würmli sah ihren Vater, der in seiner Freizeit entweder komponierte, dirigierte oder mit anderen Musikern zusammen spielte, selten.

«Mein Vater verfasste mehr als 140 Kompositionen», so Verena Grieder, «wie den «Basler Bebbi Marsch» oder den «Riehener Marsch». Der Marsch «Frohes Wiederseh’n» von 1956 sei auch heute noch am Radio zu hören.

«1982 verlieh die Schallplattenfirma TellRecord meinem Vater den «Goldenen Tell» und das Schweizer Fernsehen zeichnete ihn 1990 mit dem «Prix Tell» aus», schildert die Tochter. Schon der Grossvater dirigierte im Musikverein «Alpenrösli» in Gommiswald.

«Bei uns zu Hause war ich «Mädchen-für-alles», erinnert sich Verena Grieder-Würmli, die mit zwei Brüdern aufwuchs. «Dumm, blöd, einfältig und naiv» waren die Attribute, die ihr der Vater zuteilte. Dennoch ist Emil Würmli in manchem Zimmer der Grieders präsent. Hier hängt eine Auszeichnung für den Vater, dort ein Zeitungsartikel. Ein Foto zeigt Emil Würmli zusammen mit Verena, die den Vers für den Marsch «By eus im schöne Rhyfälde» getextet und den Marsch zusammen mit ihrem Vater der Stadt Rheinfelden zum 875. Geburtstag geschenkt hat. «Ich habe für meinen Vater, Besitzer eines Musikverlags, viele Notenbüchlein unterstrichen und Notenblätter gezählt», schildert die 70-Jährige. «Er erhielt auch den «Goldenen Violinschlüssel».»

«Zum Glück haben wir uns gefunden»
Nach einer Lehre als Spediteur arbeitete Hanspeter Grieder in der Kirchen-Verwaltung Basel-Stadt und in der Verwaltung des Friedhofs Hörnli in Riehen, das zu dieser Zeit noch viele Bauernhöfe beheimatete und ländlicher war als heute. Sowohl Hanspeter als auch Verena Grieder verbrachten in ihrer Jugend ein Jahr in der Romandie. «Mein erster Ausbüchser», kommentiert Hanspeter schmunzelnd.

«Nach einem Jahr im «Institut Sainte Croix» in Bulle machte ich eine Lehre als Schuhverkäuferin bei der heutigen Coop Basel», erzählt Verena Grieder-Würmli. Später habe die Riehenerin bei der Hypotheken- und Handelsbank, der heutigen NAB, in Brugg gearbeitet. «Nach der Heirat und der Geburt zweier Söhne schliesslich absolvierte ich das Diplom als ärztlich geprüfte Sportmasseurin und als kosmetische Fusspflegerin und Maniküre. Ich arbeitete in der Chrischona-Klinik, im Altersheim Humanitas und bei privaten Kunden», so Verena Grieder.

«Zum Glück haben wir uns gefunden», sagt Hanspeter Grieder und schenkt seiner Frau ein warmes Lächeln. Schon fast ein halbes Jahrhundert teilen die beiden ein Zuhause. Klar kennen auch die Grieder-Würmlis trübe Tage. «Doch dann sitze ich an die Orgel und vertreibe den Morelli», so Verena Grieder mit einem Augenzwinkern.

«Wir machen gerne Ausflüge»
«Mit dem GA machen wir viele Tagesausflüge in der Schweiz», erzählt Verena Grieder. Auch der Zolli in Basel sei ein regelmässiges Ausflugsziel. Für den sportlichen Ausgleich besuchen die beiden das Krafttraining in der Reha.

Mit ihrem Humor und der offenen Lebenseinstellung sind sie bei vielen Menschen beliebt. «Wir wollen es doch alle gut zusammen haben», sagt Hanspeter Grieder. «Die Menschen fliegen zwar bis zum Mond, verhalten sich hierzulande jedoch oft konservativ.» Niemand sollte andere aufgrund ihrer Eigenheiten diskriminieren, findet der 75-jährige Riehemer, der lange begeistert bei der Basler Lälli Clique mitpfiff.


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