«Unser Geschäft hat massiv an Kunden verloren»

| Sa, 03. Feb. 2018

Die Umsatzzahlen der Landhus-Bäckerei gingen in den letzten zwei Jahren so stark zurück, dass sich Toni und Vreni Kuratli gezwungen sehen, die Türen zu schliessen, falls keine Wende folgt.

Von Bernadette Zaniolo

«Unser Geschäft in Gansingen hat in den letzten Jahren massiv an Kunden verloren, dadurch sind unsere Verluste, durch nicht verkaufte Artikel, stark angestiegen». Deshalb fehle das Geld für nötige Investitionen. Mit dieser Meldung, die am letzten Freitag auf einem schlichten Papier auf einer Tafel vor dem Eingang der Bäckerei stand, hat der «Landhusbeck» Toni Kuratli die Bevölkerung überrascht. Ebenso:  «Sollte sich in nächster Zeit nichts mehr daran ändern, werde ich mich nach einem neuen Job umsehen und das Geschäft schliessen.»

Die Nachricht verbreitete sich im Dorf in Windeseile, so dass ein ehemaliger Bäcker in einem Leserbrief auf das «harte Brötchenverdienen» im Dorf aufmerksam machte (NFZ vom Dienstag). Wie hart es tatsächlich ist, zeigt sich in den Arbeitsstunden von Toni Kuratli. «Ich arbeite an sechs Tagen die Woche. Im Schnitt stehe ich zwischen 70 und 80 Stunden pro Woche  in der Backstube.» Durch die massiven Umsatzeinbussen sei es auch schwieriger geworden, ein breites Angebot zu führen, denn es bedeute Mehraufwand durch «viele kleine Chargen.» Oft bleibe zu viel Altbrot, das dann als Futter für Hirsche und Pferde abgegeben werde.

 

«Wir haben ein Dorfproblem»

«Ich möchte eine Diskussion im Dorf auslösen», so Toni Kuratli zur NFZ. Denn: «Wir haben ein Dorfproblem. Früher erwirtschafteten wir die Hälfte des Umsatzes im Dorf, heute noch gut ein Drittel.» Er wünscht sich mehr gelebte Solidarität. Es sei schön, dass sie bei den Vereinen meist die erste Adresse seien, wenn es um Lieferungen für ihre Anlässe geht. Dadurch würde man diese auch immer gerne mit Sponsoring-Beiträgen unterstützen. Es wäre aber schön, «wenn dies die Mitglieder auch mehr zu schätzen wüssten.»

 

Ein Geben und Nehmen

«Vor allem junge Familien mit Kindern fehlen uns. Der Nachwuchs im Kundenbereich», ergänzt Vreni Kuratli. Sie und ihr Mann sind überzeugt, dass es in einem Dorf mit rund 1000 Einwohnern für zwei Dorfläden Platz hat. «Wir tun auch etwas für die Gemeinde», sagt Toni Kuratli. Damit meint er unter anderem das Engagement seiner Frau und teilweise auch von ihren mittlerweile erwachsenen Kindern in den Vereinen. Zudem: «Was geht, beziehen wir von Kunden und Produzenten aus dem Dorf und der Region. So etwa Eier und Früchte und einiges mehr», sagt der «Landhusbeck». Wie Toni und Vreni Kuratli, welche vor 15 Jahren mit ihren vier Kindern aus der Region St. Gallen nach Gansingen kamen, zur NFZ sagten, hätten sie auch Gespräche mit den Betreibern des anderen Dorfladens geführt.

Noch haben es die Gansinger  aber in der Hand. Denn die Bäckerei bleibt vorläufig wie gewohnt offen. Wie lange wird sich zeigen. Denn um für die Zukunft gerüstet zu sein, braucht es auch die finanziellen Mittel für Investitionen. Vor acht Jahren investierte der «Landhusbeck» zirka 80 000 Franken in einen neuen Backofen, um rationeller arbeiten zu können und vor allem auch um die Energiekosten zu senken.

«Es ist immer schlecht, wenn ein Gewerbebetrieb verloren gehen würde», sagt Gemeindeammann Mario Hüsler. Er macht jedoch auch deutlich, dass es schwierig ist, der gesellschaftlichen Veränderung entgegenzuwirken. Das heisst, dass man «sich seine Sachen dort holt, wo man gerade ist», wie auch der Leserbriefschreiber moniert.

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