Zeit finden
03.01.2026MEIN NEUJAHRSWUNSCH
Ein neues Jahr! Schon wieder, wirklich? Hat das letzte nicht erst begonnen? Wo sind sie geblieben, die 365 Tage, was haben wir bloss getan? Jede und jeder kann jetzt beginnen, unendlich viel aufzuzählen. Doch ist die Menge so wichtig? Ist es ...
MEIN NEUJAHRSWUNSCH
Ein neues Jahr! Schon wieder, wirklich? Hat das letzte nicht erst begonnen? Wo sind sie geblieben, die 365 Tage, was haben wir bloss getan? Jede und jeder kann jetzt beginnen, unendlich viel aufzuzählen. Doch ist die Menge so wichtig? Ist es nicht die Qualität, die zählt? Auch ich habe viel getan, viel zu viel, so denke ich manchmal. Doch wo finden wir die goldene Mitte? Die goldene Mitte zwischen zu wenig und zu viel, die ja bei jedem Menschen woanders liegt.
Uns allen wünsche ich, dass wir genügend Zeit finden. Zeit, um in uns zu hören, was wir benötigen, was uns guttut. Das kann so wenig sein, ein paar Zeilen in einem guten Buch lesen, ein kurzer Abendspaziergang in der Dämmerung, ein Gläschen Wein auf dem Balkon, ein klärendes Gespräch mit einem alten Freund. Ich wünsche uns, dass wir Zeit für unsere Mitmenschen finden, damit wir sie wahrnehmen, ihre Bedürfnisse kennenlernen und ihnen vielleicht helfen können, ihre Wünsche zu erfüllen. Zeit finden in einer von Hektik, Arbeitsstress, Unzufriedenheit und Intrigen getriebenen Welt. Ist das nicht schon ausweglos? Und doch, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wenn man in einem Alter ist, das schon in baldiger Zukunft ein Rentnerdasein in Aussicht stellt, so macht man sich wohl noch mehr Gedanken über sich, über die Mitmenschen, über den Sinn des Lebens, über diese Welt, wo allüberall Hass und Krieg regieren. Was will man noch erleben als über 60-Jähriger, zu denen auch ich gehöre. Ein paar schöne Jahre sollten es doch schon noch sein, endlich die Polarlichter im Norden erleben und bewundern. Endlich Zeit finden, um zu leben und nicht um zu überleben in unserem Alltagsdasein.
Allen Menschen, die über die Macht verfügen, über andere zu entscheiden, zu bestimmen, wer was tun sollte, wünsche ich klare, ehrliche Gedanken. Dies beginnt zuhause, wo es ein Miteinander sein muss, ein Partner hat auch seine Bedürfnisse und will nicht eingeschränkt werden. Im Berufsleben benötigen Arbeitnehmer oft mehr Transparenz über die Entscheide von Arbeitgebern und Vorgesetzten. Wenn es den ausführenden Menschen klar ist, warum etwas so geschehen soll, dann kann dies auch besser verstanden und umgesetzt werden. Den Politikern auf aller Welt wünsche ich, dass es ihnen bewusst wird, warum sie ihr Amt ausführen. Nicht um eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, einen sogenannten Führungsanspruch auszuführen. Die Politiker sind da, uns zu helfen, dass wir in einer besseren Welt leben können. Die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitmenschen sind wichtiger, als sich selbst auf die Schulter zu klopfen und sich als Macher und Führer aufzuspielen. Vor allem wünsche ich allen Menschen, dass sie sich selbst am Abend im Spiegel ansehen und ohne schlechtes Gewissen die Nachtruhe geniessen können und mit Zuversicht durchs Leben gehen.
MARTIN WILLI, BETRIEBSLEITER DER KULTSCHÜÜR LAUFENBURG

