Zeiningen rosarot?
07.07.2026 LeserbriefeReplik auf den Artikel «Zum Glück habe ich mir das angetan». NFZ vom 30.06.26.
Der Gemeindepräsident von Zeiningen sprach eine ganze Seite lang und sagte eigentlich nichts über die Probleme, welche wir in unserem Dorf haben. Alles ...
Replik auf den Artikel «Zum Glück habe ich mir das angetan». NFZ vom 30.06.26.
Der Gemeindepräsident von Zeiningen sprach eine ganze Seite lang und sagte eigentlich nichts über die Probleme, welche wir in unserem Dorf haben. Alles gut, alles rosarot. Das kommt mir ein wenig vor, wie wenn man Politikern in Deutschland zuhört. Mit Worten wird alles schöngeredet und zugedeckt, was nicht sein soll. Das ist aber nur eine Seite der Medaille.
Das extreme Bild, welches seiner Meinung nach im Wahlkampf gezeichnet wurde, entspricht auch heute den Tatsachen. Die Gemeindefinanzen dunkelrot. Die «Giga-Projekte», welche dieses Jahr noch eingeweiht werden dürften, wie die «Panzerbrücke» über die Autobahn (Einfallsachse für die NATO-Panzer oder Hannibals Elefanten) oder unser Kulturtempel mit seiner extravaganten, im Unterhalt teuren Dachform belasten ab dem kommenden Jahr die Gemeindefinanzen. Die so gelobte Kommunikationskultur findet nur mit dem Unterstützerkreis des Herrn Gemeindepräsidenten statt. Jeder, der das «andere Zeiningen» vertritt und sich nicht kaufen lässt, wird ignoriert.
Während des Referendums zum neuen Mehrzweckgebäude lullte man den Stimmbürger ein mit «der Steuerfuss muss nicht erhöht werden». Anlässlich der Wintergemeinde 2024 musste man dann zugeben, dass die Schuldenlast zu gross wird und eine Steuererhöhung kommen wird. Im Augenblick versucht man krampfhaft, gemäss Aussagen an der letzten Einwohnergemeindeversammlung vom 10.06.2026, mit «Buebetrickli» den Anstieg des Steuerfusses um 8% zu verhindern. Indem die Ortsbürgergemeinde die Turnhalle Mitteldorf der Einwohnergemeinde abkaufen soll (dazu muss von den Ortsbürgern ein Bankkredit aufgenommen werden, weil zu wenig Geld in der Kasse ist), damit schnell Geld in die Kasse der Einwohnergemeinde kommt. Danach soll die alte Turnhalle mit Grundstück von den Ortsbürgern dann der Einwohnergemeinde im Baurecht zurück vermietet werden, so dass die Zinsen für den Kredit der Ortsbürger (diese haben ja ausser den Einnahmen aus dem Verkauf des Holzes keinen Finanzzufluss) dann wieder von den Steuerzahlern getragen werden. Damit das stattfinden kann, muss so schnell wie möglich der Entwicklungsrichtplan Mitteldorf durchgezogen werden. Die Mitwirkungsberichte, welche mann/frau bis Ende letzten Jahres zu diesem Vorhaben abgegeben haben (einige sprachen sich für einen Marschhalt aus), sind bis zum heutigen Zeitpunkt unbeantwortet. Was wird da wieder unter dem geschlossenen Deckel gekocht, was wird da wieder gemauschelt? Nach heftigen Reaktionen der Ortsbürger an der Einwohnergemeindeversammlung wurde das Geschäft dann an der darauffolgenden Ortsbürgerversammlung nicht angesprochen.
Man kann schon versuchen, die Probleme, mit welchen unser Dorf kämpft, mit viel Blabla zuzudecken, aber die Probleme sind da und lassen sich nicht schönreden. Die Ratgeber des neuen Gemeindepräsidenten formieren sich derzeit exklusiv aus den Reihen seiner Unterstützer, das heisst etwa ein Drittel aller Stimmbürger beeinflusst den Gang der Dinge und die restlichen zwei Drittel werden nicht in die Entscheidungen eingebunden.
Den Vorschlag, welchen Christoph Grenacher dem Gemeinderat vor dem zweiten Wahlgang gegeben hat, sofort innerhalb einer Woche mit dem Unterlegenen in ein Gespräch zu treten, ging vergessen. Nun muss ich das halt wieder einmal in einem Leserbrief kundtun und bin auf Reaktionen gespannt, welche mir das Gegenteil von dem beweisen, was ich da fühle.
THOMAS BÖRLIN, ZEININGEN
