«Wir bleiben nicht stehen»
16.01.2026 WirtschaftDie Brauerei Feldschlösschen feiert 2026 ihr 150-Jahr-Jubiläum. CEO Thomas Amstutz erklärt im Interview, wie er die Zukunft der Getränkebranche sieht.
Valentin Zumsteg
NFZ: Herr Amstutz, Feldschlösschen kann auf eine lange Geschichte ...
Die Brauerei Feldschlösschen feiert 2026 ihr 150-Jahr-Jubiläum. CEO Thomas Amstutz erklärt im Interview, wie er die Zukunft der Getränkebranche sieht.
Valentin Zumsteg
NFZ: Herr Amstutz, Feldschlösschen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Was ist aktuell die grösste Herausforderung?
Thomas Amstutz: Die grösste Herausforderung ist der Bierkonsum, der rückläufig ist. Wir haben diese Entwicklung früh erkannt und reagiert. Feldschlösschen ist mit seinen alkoholfreien Bieren gut aufgestellt.
Die Schweizerinnen und Schweizer trinken immer weniger Bier und allgemein Alkohol. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Das macht uns keine Sorgen, weil wir bereits 2018 angefangen haben, noch stärker auf die alkoholfreien Biere zu setzen. Bei uns ist der Anteil dieses Segments deutlich höher als die 7,5 Prozent, welche alkoholfreie Biere im Gesamtmarkt ausmachen. Wir sehen hier ein riesiges Potential. Zudem können wir alkoholfreies Bier auch für die Carlsberg-Gruppe produzieren. Das heisst, der Standort Rheinfelden ist längerfristig gesichert. Ein zweiter Grund, wieso mir diese Entwicklung keine Sorgen bereitet, ist die Marke Pepsi, die wir in der Schweiz wieder auf bauen. Wenn man den Softdrink-Markt anschaut, dann machen Cola-Getränke 60 Prozent davon aus. Mit Pepsi haben wir eine Marke, die das Zeug hat, in diesem Bereich eine wichtige Rolle zu spielen. Wir machen mit Pepsi aktuell sehr gute Fortschritte, darauf bin ich stolz.
Sie wollen Coca-Cola überholen?
Wir kommen vielleicht nicht an Coca-Cola vorbei. Es gibt für uns aber genügend Marktanteile zu gewinnen. Wir haben grosse Ambitionen und sind gut unterwegs.
Gerade die junge Generation scheint nicht mehr so trinkfreudig zu sein. Wie will Feldschlösschen die Jungen als Kunden gewinnen?
Solche Verschiebungen gab es immer. Unsere Antwort darauf sind alkoholfreie Biere und Pepsi. Zudem glauben wir, dass weitere gebraute Getränke funktionieren werden. Unser Bilz läuft zum Beispiel sehr erfolgreich. Das bringt zusätzliches Wachstum. Wir sehen bei dieser Marke eine grosse Zukunft.
Die alkoholfreien Biere legen kräftig zu, aber sie können den Rückgang bei den traditionellen Bieren nicht wettmachen. Woran liegt das?
Das hat auch mit der wirtschaftlichen Lage in der Schweiz zu tun. Viele Schweizerinnen und Schweizer haben weniger Geld zur Verfügung. Sie sparen aber nicht bei den Ferien, sondern bei den Restaurant- und Eventbesuchen. Die Gastronomie bekommt dies stark zu spüren. Das spielt für Feldschlösschen eine wichtige Rolle, denn 55 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir mit der Gastronomie. Dieser Rückgang bereitet uns Sorgen. Die Gastronomie ist in einer schwierigen Situation. Auf der anderen Seite verzeichnen wir ein Umsatzwachstum mit unserer Direktdistribution, bei der wir weitere Getränkekategorien aufgenommen haben. Wir vertreiben zum Beispiel auch Spirituosen und Wein. In diesem Bereich können wir ein zweistelliges Wachstum ausweisen. Wir bleiben nicht stehen.
Wie sehen Sie die Zukunft des Getränkemarkts in der Schweiz und die Rolle von Feldschlösschen?
Wir wollen den Trends voraus sein und sie prägen, so wie wir das mit den alkoholfreien Bieren in der Schweiz getan haben. Wir sehen, dass der Gesundheitstrend den Getränkemarkt stark prägen wird. Neue gebraute Getränke können dabei eine wichtige Rolle spielen. Das Segment Mineralwasser wächst seit Jahren, auch Vitaminwasser. Bei den Softdrinks haben Getränke ohne Zuckerzusatz bereits einen Marktanteil von 45 Prozent und das Wachstum geht weiter. Feldschlösschen ist beim Gesundheitstrend bestens positioniert. Im laufenden Jahr wird es zudem Neulancierungen von uns geben.
«Der Standort Rheinfelden ist zentral für Feldschlösschen»
Interview mit CEO Thomas Amstutz
Die Brauerei Feldschlösschen hat grosse Pläne in Rheinfelden. CEO Thomas Amstutz erklärt im Interview, wie er die Zukunft des Standorts sieht.
Valentin Zumsteg
NFZ: Herr Amstutz, Feldschlösschen will in Rheinfelden ein Hochregallager bauen und dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Warum ist der Standort Rheinfelden heute noch wichtig für das Unternehmen?
Thomas Amstutz: Der Standort Rheinfelden ist zentral für Feldschlösschen. Hier steht unser Schloss, hier ist unsere Heimat. Wir sind sehr stolz, dass wir diese Investition durchgebracht haben. Unser Mutterhaus Carlsberg setzt auf die Schweiz, das ist ein starkes Zeichen für Rheinfelden, den Kanton Aargau und das ganze Land. Andere Standorte waren kein Thema.
Gegen das Baugesuch für das Hochregallager sind zwei Einwendungen eingegangen. Beunruhigt Sie das?
Diese beiden Einwendungen richten sich nicht grundsätzlich gegen das Bauvorhaben; vielmehr enthalten sie Hinweise und Anregungen zu Aspekten der konkreten Realisierung. Wir werden sie seriös anschauen und beantworten. Wir sind zuversichtlich, dass der Baubeginn im Frühjahr 2026 erfolgen kann.
Wie sehen Sie die Entwicklung des Standorts Rheinfelden im Hinblick auf die Arbeitsplätze?
Durch das Hochregallager, das in rund vier Jahren fertiggestellt sein soll, wird die Mitarbeiterzahl in
Rheinfelden stabil bleiben oder leicht zunehmen.
150 Jahre Feldschlösschen: Auf was freuen Sie sich im Jubiläumsjahr?
Wir wollen nicht feiern und zurückschauen. Wir sind besessen davon, nach vorne zu blicken. Wir werden auf die nächsten 150 Jahre anstossen und unsere Rolle als wichtiges Unternehmen wahrnehmen, indem wir der Schweiz ein besonderes Geschenk machen: Wir schenken unserem Land von jetzt an jedes Jahr einen Zusammenhalts-Barometer. Dieser misst durch eine jährliche Bevölkerungsbefragung die Entwicklung des Zusammenhalts in der Schweiz. Das ist für uns ein zentrales Thema, denn Feldschlösschen ist überall dort präsent, wo die Schweizerinnen und Schweizer zusammenkommen. Egal, ob das eine Party in Zürich, ein Jass in einer Dorfbeiz oder ein Schwingfest ist. Wir sind das soziale Schmiermittel der Schweiz. Wir bieten die perfekten Momente für den Zusammenhalt. Es heisst nicht zufällig: «Gehen wir zusammen ein Bier trinken». Das sagt man, wenn man etwas ausdiskutieren will. Einen solchen Zusammenhalts-Barometer gab es noch nie. Im Idealfall löst er eine Diskussion aus, wie wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern können.
Sie sagen, Sie wollen nach vorne schauen. Wo wird Feldschlösschen in 10 oder 20 Jahren stehen?
Wir werden im Bierbereich noch stärker; wir werden weiter Trends prägen; wir werden die Nummer 2 im Softdrink-Bereich sein und wir werden unsere führende Position in der Gastronomie-Belieferung ausbauen.
Zum Schluss: Wie profitieren die Kundinnen und Kunden vom diesjährigen 150-Jahr-Jubiläum?
Wir werden mit unserer Schloss-Bar bei vielen Events in der ganzen Schweiz präsent sein. Daneben gibt es Geburtstagswochen in Rheinfelden, bei denen das Feldschlösschen besucht werden kann. Dort präsentieren wir auch eine neue Besucherführung mit einer Schauspielerin und einem Schauspieler, die von der Vergangenheit in die Zukunft blicken. Daneben gibt es zahlreiche Überraschungen, die ich noch nicht verraten darf. (lacht)



