Oder warum das Aneinander-Vorbeireden eher die Regel als die Ausnahme ist.
Zum Wesen des Überzeugtseins gehört, dass wir unser Weltbild für wahr halten – als real existent und mit der Wirklichkeit übereinstimmend. Wir ...
Oder warum das Aneinander-Vorbeireden eher die Regel als die Ausnahme ist.
Zum Wesen des Überzeugtseins gehört, dass wir unser Weltbild für wahr halten – als real existent und mit der Wirklichkeit übereinstimmend. Wir setzen uns mit missionarischem Eifer für das vermeintlich Wirkliche und Objektive ein. Unsere Erziehung und Bildung lassen uns glauben, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist – als liefere uns unsere Wahrnehmung ein unverfälschtes Bild der Realität. Dieser Gewissheit liegen folgende Annahmen zugrunde: Es gibt eine für uns alle zugängliche, also beobachterunabhängige Wirklichkeit; alle sehen das Gleiche und interpretieren das Beobachtbare identisch. Doch können wir so einfach sagen, wie die Realität tatsächlich ist?
Was wäre, wenn dieser naive Realismus eine Fiktion wäre und wir die Dinge nicht so wahrnehmen, wie sie sind, sondern wie wir sind? Was wir kennen, begrenzt unsere Vorstellungskraft, was wir glauben, bestimmt, was wir wahrnehmen; wohin wir blicken, definiert, was wir sehen.
Nicht das Gehirn bildet Wirklichkeit ab, sondern wir selbst erschaffen sie als subjektives Eigenkonstrukt.
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• In welchem Umfang orientiere ich mich am Erklärungsmuster der Abbildlogik?
• Wie plausibel erscheint mir die Vorstellung, dass ich selbst die Wirklichkeit konstruiere?
Selektive Wahrnehmung – die Einladung für ein persönliches Experiment: Nehmen Sie bei einem entspannten Abendessen mit Freunden die Geräuschkulisse mit Ihrem Mobiltelefon auf. Beim späteren Abhören werden Sie von der Fülle an akustischen Reizen überrascht sein, die Sie zuvor ausgeblendet haben. Diskutieren Sie anschliessend mit Ihren Gästen, welche Bedeutung die selektive und verzerrte Wahrnehmung bei der Konstruktion der eigenen Wirklichkeit hat.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!