Warum wir jetzt handeln müssen
02.07.2026 LeserbriefeLange Trockenperioden sind auch in der Schweiz keine Ausnahme mehr. Hitzewellen, ausbleibender Regen und sinkende Grundwasserspiegel führen dazu, dass Gemeinden zunehmend Massnahmen zum Schutz der Trinkwasserversorgung ergreifen müssen. Bereits in diesem Sommer haben erste Gemeinden ...
Lange Trockenperioden sind auch in der Schweiz keine Ausnahme mehr. Hitzewellen, ausbleibender Regen und sinkende Grundwasserspiegel führen dazu, dass Gemeinden zunehmend Massnahmen zum Schutz der Trinkwasserversorgung ergreifen müssen. Bereits in diesem Sommer haben erste Gemeinden Bewässerungsverbote ausgesprochen. In den vergangenen Jahren wurden in verschiedenen Regionen der Schweiz das Bewässern von Gärten, das Befüllen von Swimmingpools oder das Autowaschen mit Trinkwasser zeitweise untersagt.
Diese Entwicklung zeigt deutlich: Trinkwasser ist keine unerschöpfliche Ressource. Obwohl die Schweiz als Wasserschloss Europas gilt, geraten Quellen und Grundwasserreserven während langer Trockenphasen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig steigt der Wasserverbrauch – genau dann, wenn die Natur am wenigsten Wasser liefert.
Dabei wird hochwertiges Trinkwasser oft für Anwendungen verwendet, bei denen keine Trinkwasserqualität er forderlich is t. Gartenbewässerung, Toilettenspülungen oder die Waschmaschine könnten problemlos mit Regenwasser betrieben werden. Moderne Regenwassernutzungsanlagen ermög- lichen es, Niederschläge von Dachflächen zu sammeln, zu speichern und bei Bedarf zu nutzen. Dadurch lässt sich der Trinkwasserverbrauch eines Haushalts um mehr als 50 Prozent reduzieren.
Noch wichtiger ist jedoch der gesellschaftliche Nutzen. Jeder Liter Regenwasser, der genutzt wird, entlastet die öffentliche Trinkwasserversorgung und erhöht die Versorgungssicherheit in Trockenzeiten. Gemeinden, Schulen, Sportanlagen oder Werkhöfe verfügen über grosse Dachflächen und bieten ideale Voraussetzungen, Regenwasser sinnvoll einzusetzen.
Der Klimawandel wird die Herausforderungen in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Wenn wir heute nicht in nachhaltige Wassersysteme investieren, werden Einschränkungen bei der Trinkwassernutzung häufiger werden – mit Folgen für Bevölkerung, Landwirtschaft und Wirtschaft.
Regenwasser ist kein Abfallprodukt, das möglichst schnell in die Kanalisation geleitet werden sollte. Es ist eine wertvolle Ressource, die direkt vor unserer Haustür verfügbar ist. Die Technik dafür ist vorhanden – jetzt braucht es den Willen, sie konsequent einzusetzen.
Denn eines ist klar: Trinkwasser gehört in erster Linie ins Glas – und nicht auf den Rasen.
ERNST DEISS, ZEININGEN
