eit Jahren wird die Sozialhilfe zur Zielscheibe der Politik. Ohne klare Fakten zeichnen Parteien bewusst Feindbilder. Es seien einfach zu viele und ohnehin die Falschen, die angeblich auf Kosten des Staates leben. Wer sich direkt mit Betroffenen auseinandersetzt, weiss, dass die meisten ...
eit Jahren wird die Sozialhilfe zur Zielscheibe der Politik. Ohne klare Fakten zeichnen Parteien bewusst Feindbilder. Es seien einfach zu viele und ohnehin die Falschen, die angeblich auf Kosten des Staates leben. Wer sich direkt mit Betroffenen auseinandersetzt, weiss, dass die meisten Menschen ungewollt und oft durch Schicksalsschläge in die Sozialhilfe abrutschen. Das Leben in der Sozialhilfe ist kein Zuckerschlecken. Besonders häufig betroffen sind Kinder, Alleinerziehende, Menschen kurz vor der Pensionierung oder Menschen mit Migrationsbiografie. Vor allem über die letzte Gruppe wird am meisten geschimpft. Doch lassen die Parteien, die damit Politik machen, die Gründe für die höhere Quote auf der Seite. Ihre Erklärung ist einfach: Es muss daran liegen, dass sie aus einem anderen Land kommen. Tatsächlich stimmt das sogar, denn sie sprechen unsere Sprache weniger gut und arbeiten in Branchen, die krisenanfälliger sind. Dafür erhalten sie tiefere Löhne und ausserdem machen diese Berufe häufiger krank.
Hat Ihnen die SVP schon einmal gesagt, dass 36 Prozent der Menschen in der Sozialhilfe «working poor» sind, also Menschen, die trotz ihrer Arbeit nicht genug verdienen, um über die Runden zu kommen? Ihre Arbeit lohnt sich nicht, denn sie müssen trotzdem Sozialhilfe beziehen. Ein weiterer Grund, weshalb viele Menschen nicht vom Amt wegkommen, ist die fehlende oder zu teure Kinderbetreuung. Ausserdem stellen Firmen oft keine älteren Arbeitnehmenden mehr ein, weil sie angeblich zu teuer und nicht mehr flexibel genug sind. Darüber ver- liert die «Wirtschaftspartei» FDP nie nur ein Wort.
Am 8. März stimmen wir über die Initiative mit dem verführerischen Titel «Arbeit muss sich lohnen» ab. Löst sie irgendeines dieser Probleme? Nein. Sie verursacht mehr Bürokratie, hat keinen Nutzen und bespielt einmal mehr die gängigen Feindbilder. Das ist einfacher, als sich um steigende Krankenkassenprämien und explodierende Mieten zu kümmern und vor allem lenkt es davon ab, für wen diese Parteien wirklich Politik machen. Darum gehört diese Initiative wuchtig abgelehnt.
ROLF SCHMID, GROSSRAT SP, FRICK