Von Dachsen, guten Weinen und eckigen Fässern

  16.09.2026 Zeiningen

Bei noch spätsommerlicher Hitze unternahm der Verein SeniorInnen für SeniorInnen Rheinfelden kürzlich einen Ausflug nach Zeiningen. Auf dem Programm stand eine spannende Exkursion zum regionalen Weinbau Wunderlin.

Vor Ort wurden die Teilnehmenden herzlich vom Winzerehepaar Wunderlin begrüsst. Gerhard Wunderlin ist gelernter Winzermeister, seine Frau Andrea Önologin. Was im Jahr 1985 mit bescheidenen 15 Aren Reben und einer Jahresproduktion von gerade einmal 1000 Flaschen begann, hat sich zu einem beachtlichen Betrieb entwickelt. Heute bewirtschaften die Wunderlins rund vier Hektaren Rebfläche und füllen jährlich 20 000 bis 30 000 Flaschen Wein ab. Unterstützt von einem Teilzeitmitarbeiter pflegen sie Reben an vier verschiedenen Standorten: Zeiningen, Magden, Obermumpf und Elfingen.

Vom Möhlin-Jet und hungrigen Dachsen
Mit dem Car ging es weiter direkt in den Zeininger Rebberg. Historisch gesehen gab es im 19. Jahrhundert in Zeiningen 120 Hektaren Reben, bis die Reblaus Katastrophe in den 1880er-Jahren den Bestand dezimierte. Heute halten gerade noch zwei Winzer die Stellung und bewirtschaften insgesamt 6.5 Hektaren. Wie sehr der Weinbau vom Wetter abhängt, zeigten die Erklärungen vor Ort. Die Klimaerwärmung ist spürbar: Während die Weinlese in den 1980er-Jahren erst im Oktober begann, startet sie in diesem Jahr bereits Mitte August. Erste rote Trauben konnten schon mit beachtlichen 100 Grad Oechsle geerntet werden; die diesjährigen Tropfen versprechen viel Alkohol, aber wenig Säure. Dass im unteren Fricktal und in Zeiningen überhaupt so exzellente Bedingungen herrschen, fast vergleichbar mit dem sonnenverwöhnten Wallis, verdankt die Region dem «Möhlin-Jet». Dieser starke Wind bläst vom Mittelland über den Aargauer Tafeljura Richtung Basel und vertreibt zuverlässig den Nebel. Während das Gras zwischen den Rebzeilen unter der Dürre gelb verbrannt ist, stehen die Rebstöcke dank ihrer bis zu 20 Meter tiefen Wurzeln noch satt im Grün. Zum Schutz vor Hagelschlag sind die Reben komplett eingepackt. Diese Netze halten zwar Vögel fern, nicht aber den Dachs: Er weiss sie zu öffnen. Und noch eine Anekdote entlockte den Anwesenden ein Schmunzeln: Dachse bevorzugen zwar weisse Trauben – hat es keine, stehlen sie aber notfalls auch rote! Praktisch ist die Konstruktion der Netze allemal: Für Pf legearbeiten lassen sie sich mithilfe eines Akkuschraubers im Handumdrehen auf- und abwickeln.

Innovation im Keller
Zurück im Keller an der Römerstrasse erhielten die Senioren Einblicke in die moderne und traditionelle Weinverarbeitung. Neben klassischen Stahltanks, grossen Holzfässern und Eichenholz-Barriques – die irgendwann als «ausgedient» zu Brennholz werden – fiel ein ganz besonderes Exponat auf: das «rebarriQue». Dabei handelt es sich um einen zerlegbaren Mehrweg-Holzkasten mit Armaturen in einem Edelstahlrahmen. Dieses innovative Fass lässt sich leicht reinigen und beliebig oft auseinander- und wiederzusammenbauen, was ein mehrmaliges Erneuern und Neueinbrennen ermöglicht. Den Abschluss des gelungenen Nachmittags bildeten ein kaltes Buffet und eine Degustation von insgesamt sieben verschiedenen Weinen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Piwi-Weinen, die etwa ein Drittel des Sortiments ausmachen. Diese pilzwiderstandsfähigen Rebzüchtungen sind unempfindlich gegenüber Krankheiten wie Graufäule sowie echtem und falschem Mehltau, wodurch sie deutlich weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. (mgt/nfz)


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