Dieser Sommer wird aufgrund der Hitze und Trockenheit in die Geschichte eingehen. Wie hat sich dies auf die Reben ausgewirkt?
Janine Tschopp
Seit einigen Tagen sind die Fricktaler Weinbauern und ihre Erntehelferinnen und Erntehelfer daran, die reifen Weintrauben abzulesen. Bei ...
Dieser Sommer wird aufgrund der Hitze und Trockenheit in die Geschichte eingehen. Wie hat sich dies auf die Reben ausgewirkt?
Janine Tschopp
Seit einigen Tagen sind die Fricktaler Weinbauern und ihre Erntehelferinnen und Erntehelfer daran, die reifen Weintrauben abzulesen. Bei einem Besuch der NFZ Ende August in den Zeininger Reben gab es viele lachende Gesichter. Die Qualität der Trauben scheint dieses Jahr richtig Freude zu machen und es gibt kaum Ausschuss.
Der Zeininger Weinbauer Daniel Jeck ist zufrieden und spricht von einer «super Qualität». Er schwärmt: «Die Trauben sind sehr gesund.» Da die Trauben dieses Jahr aufgrund des trockenen Sommers relativ klein sind und entsprechend wenig Saft im Verhältnis zur Beerenhaut aufweisen, erwartet der Winzer kräftige Weine.
«Die Rebe ist eine Kämpferin»
Generell war der diesjährige Sommer sowohl für den Winzer als auch für die Rebe aber ein anspruchsvoller. «Einzelne Reben, welche stark unter der Trockenheit litten, mussten wir zurückschneiden, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen», erklärt der Zeininger Winzer. Dies wirkte sich auf den Ertrag aus.
Auch war der Aufwand beim Giessen, insbesondere bei den jüngeren, noch nicht so tief verwurzelten Reben, erhöht. Bei den älteren Pf lanzen mit tieferen Wurzeln war dies weniger problematisch. «Die Rebe ist eine Kämpferin», betont Jeck.
Jahrhundert-Jahrgang
Der Kaister Weinbauer Roland Schraner ist mit der diesjährigen Traubenqualität ebenfalls sehr zufrieden. «Bis jetzt sieht es sensationell aus», sagt er. Er spricht sogar von einem «Jahrhundert-Jahrgang». «So ein Jahr wie dieses gab es noch nie. Auch ältere Weinbauern können sich an keinen ähnlichen Sommer erinnern.» 2003 sei zwar auch ein sehr warmer Sommer gewesen, aber die Hitze habe nicht so lange angehalten wie heuer. «Wir haben bald Verhältnisse wie in der Toskana», führt Roland Schraner aus, was sich selbstverständlich positiv auf die Weinqualität auswirkt. Die Trockenheit habe zudem bewirkt, dass der Winzer Pflanzenschutz sehr zurückhaltend einsetzen konnte und dass Pilzkrankheiten dieses Jahr kein Thema waren.
Mengenmässig fällt die Ernte auch bei Roland Schraner eher unterdurchschnittlich aus. Er sah die Hitze ebenfalls als Herausforderung. «Viele Träubel musste ich zurückschneiden. So wurde die Pflanze entlastet und hatte grössere Chancen zu überleben.»
«Die Qualität steht an erster Stelle»
Trockenheit und Hitze haben den Weinbauern durchaus Sorgen gemacht. Auch wenn Daniel Jeck und Roland Schraner dieses Jahr mit wenig mengenmässigem Ertrag rechnen, sind beide mit der Traubenqualität sehr zufrieden. «Die Qualität steht für uns an erster Stelle. Dafür arbeiten wir schliesslich ein Jahr lang», betont Daniel Jeck.
Und weiter sagt Jeck: «Ein abschliessendes Fazit können wir erst machen, wenn alle Trauben abgelesen sind.» So kann zum Beispiel Hagel das Ernteresultat vom einen auf den anderen Moment vollständig verändern. Die erfahrenen Winzer wissen seit Jahrzehnten, was es bedeutet, mit der Natur zu leben. Letztes Jahr zum Beispiel gab es im Sommer und im Herbst immer wieder Regen. «Da waren die Verhältnisse ganz anders», erinnert sich Roland Schraner.
Laut Meteorologen und Klimaforschern werden Hitzesommer in den kommenden Jahren keine Ausnahme bleiben. Entsprechend sagt Daniel Jeck mit Blick in die Zukunft: «Wir müssen lernen, mit dem Klimawandel umzugehen.»