In Zeiningen schlummern gegen einhundert Gemälde des Fricktaler Künstlers Josef Hottinger
«Das ganze Haus ist vollgestellt mit Hottinger-Bildern.» Sascha Füchter sagt es mit einem Schmunzeln und leichter Verzweiflung. Er möchte die Werke vor der ...
In Zeiningen schlummern gegen einhundert Gemälde des Fricktaler Künstlers Josef Hottinger
«Das ganze Haus ist vollgestellt mit Hottinger-Bildern.» Sascha Füchter sagt es mit einem Schmunzeln und leichter Verzweiflung. Er möchte die Werke vor der Entsorgungsmulde retten.
Ronny Wittenwiler
Natürlich bekam Sascha Füchter schon als Kind mit, wie sehr sich sein Vater für die Kunst von Josef Hottinger begeistern liess. In der Küche, im Wohnzimmer, ja, gar im Schlafzimmer überm Ehebett. «Das ganze Haus war voll mit Hottinger-Gemälden.» Fricktaler Kunstgeschichte verteilt auf sämtliche Stockwerke des Mehrgenerationenhauses im Mitteldorf 16 in Zeiningen; dort, wo Sascha Füchters Eltern einst einen Krämerladen betrieben hatten.
Soweit, so gut. Doch als Sascha Füchter nach dem Tod des Vaters vor drei Jahren bei einem Augenschein im Elternhaus zwei übergrosse Holzschränke öffnet, trifft ihn fast der Schlag: Es kommen nochmals weitere Bilder von Josef Hottinger zum Vorschein. Ungerahmt, aneinandergereiht, eins nach dem anderen, und da erst zeigt sich die ganze Dimension. «Insgesamt muss mein Vater gegen einhundert Hottinger-Gemälde gesammelt haben.»
Wer war Josef Hottinger?
Josef Hottinger kommt 1900 in Zuzgen als Sohn eines Försters zur Welt. So liest sich ein Eintrag auf einer Kunst-Webseite. Dort in Zuzgen wächst er auf, wo er 1988 auch stirbt. Ein Leben für die Kunst muss es gewesen sein. «Von 1923 bis 1925 besuchte er die Kunstklasse der allgemeinen Gewerbeschule Basel. 1935 wurde er in die Basler Künstlerschaft aufgenommen. Mit Vorliebe malte er die Landschaft seines Wohnortes.» Diese Vorliebe offenbart sich mit so manchem Pinselstrich und sie erstreckt sich auf weitere Winkel des Fricktals. Die Bilder lassen alte Häuserzüge im Wegen stettertal erahnen, oft gar haargenau erkennen; sie zeigen, wie Hottinger den Blick über Heimat, Rhein, Möhlinbach und Felder schweifen liess. Zu schade, sie für immer verschwinden zu lassen, findet Sascha Füchter. Und so wird aus dem selbständigen Schreiner, seit über zwanzig Jahren in Wallbach wohnhaft, so etwas wie ein Hobbygalerist wider Willen und schon gar nicht des Geldes wegen.
Die Suche nach einem neuen Ort
«Wenn jemand Freude an einem Bild hat, vielleicht weil es ein einstiges Elternhaus von jemandem zeigt, dann soll er das zu einem Spottpreis bekommen.» Füchter will das Vermächtnis nicht der Entsorgungsmulde überlassen. Und weshalb die einhundert Bilder nicht einfach behalten? «Um sie alle aufzuhängen, reicht ja nicht mal dieses Haus allein.» Kaum jemand weiss das besser als die Mutter von Sascha Füchter. Ruth Füchter wohnt noch immer hier. «Ich weiss auch nicht», sagt sie, winkt ab und lacht, wie sie sich an den Spleen ihres Mannes erinnert: «Er hat einfach einen Hottinger nach dem anderen gesammelt.» Auch sie würde sich freuen, wenn die Werke, von denen so viele fast vergessen vor sich hinschlummern, einen neuen Besitzer finden.
Jeweils am ersten Samstag im Monat können von 10-14 Uhr im Mitteldorf 16 Zeiningen die Bilder begutachtet werden. Genauso wie am 18. April (9 –18 Uhr) anlässlich des zweiten Zeininger «Garagen-Flohmi». Weitere Informationen bei Sascha Füchter: 079 128 96 26.