Einblicke in eine längst vergangene Epoche
Wie sah das Leben im alten Wittnau aus? Valentin Häseli nahm sein Publikum mit auf eine Spurensuche zwischen historischen Mauern, überraschenden Fundstücken und den Geheimnissen eines römischen Gutshofs.
Lilly Wegmann
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Einblicke in eine längst vergangene Epoche
Wie sah das Leben im alten Wittnau aus? Valentin Häseli nahm sein Publikum mit auf eine Spurensuche zwischen historischen Mauern, überraschenden Fundstücken und den Geheimnissen eines römischen Gutshofs.
Lilly Wegmann
Wenn ein junger Wittnauer einen Vortrag hält, fällt dafür sogar einmal die Kirchenchorprobe aus. Am Donnerstagabend versammelten sich rund 150 Personen in Wittnau. Neben archäologisch Interessierten und Fachleuten kamen auch viele Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, um mehr über die Geschichte ihres Wohnorts zu erfahren. Organisiert wurde der Anlass von Adlerauge Wittnau, dem Dorfchronikteam um Daniela Stäuble und der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde. Den Vortrag hielt Valentin Häseli, Archäologe und Landwirt aus Wittnau. In seiner Masterarbeit untersuchte er den römischen Gutshof bei der heutigen Kirche.
Vom Holzhaus zur prächtigen Anlage
Wittnau liegt zwischen den römischen Zentren Augusta Raurica und Vindonissa. Erste schriftliche Hinweise auf den Gutshof stammen aus dem Jahr 1860. Damals vermutete man an dieser Stelle einen heidnischen Tempel. Grabungen ab 1997 und weitere Untersuchungen brachten jedoch neue Erkenntnisse über die römische Vergangenheit des Dorfes. Im ersten Jahrhundert stand dort zunächst ein Holzgebäude. Später kamen Steinbauten hinzu. Ein grösseres Gebäude verfügte über eine Fussbodenheizung, die sogenannte römische Hypokaustheizung. Mosaikböden und bemalte Wände zeugen ebenfalls von einem gewissen Wohlstand der damaligen Bewohner. Der Gutshof bestand rund 350 Jahre lang. Im 4. Jahrhundert wurde er aufgegeben oder zerstört. Möglicherweise waren Kämpfe der Grund dafür.
Austern aus dem Atlantik
Besonders überraschend waren die gefundenen Austern, die aus dem Atlantik stammten. Ihr Fund zeigt, dass Lebensmittel über weite Strecken transportiert wurden und die Bewohner des Gutshofs in Handelsverbindungen eingebunden waren, die weit über die Region hinausreichten. Auch Pflanzenreste und Tierknochen erzählen vom damaligen Alltag. Tierknochen belegen, dass neben Rindern und Hühnern auch Singvögel und verschiedene Fischarten auf dem Speiseplan standen. Weitere Funde waren Fragmente von Schlangenfadengläsern aus Köln, bearbeitete Tiergeweihe zur Herstellung von Haarnadeln, Lanzenspitzen, Waffen und ein Silberlöffel.
Valentin Häseli führte durch die Geschichte des römischen Gutshofs und erklärte die Pflanzenreste sowie die besonderen Fundstücke auf anschauliche Weise. Bei der Fragerunde wollte eine Person aus dem Publikum wissen: «Wie lässt sich feststellen, aus welcher Zeit ein Fund stammt?» Münzen, Keramikgefässe und manchmal auch Inschriften helfen bei der zeitlichen Einordnung. Häseli erklärte auch, weshalb der Schutz archäologischer Funde so wichtig ist. Dazu sagte er: «Die Archäologie erforscht die Geschichte vom Menschen. Die archäologischen Funde sollen geschützt und erhalten und, wenn immer möglich, nicht zerstört werden.» Nach dem Vortrag tauschten sich die Gäste bei einem herbstlichen Apéro aus. Der volle Saal zeigte, wie gross das Interesse an der Geschichte des eigenen Dorfes ist. Mit seinem Vortrag brachte Häseli dem Publikum nicht nur die römische Vergangenheit Wittnaus näher; er machte auch deutlich, wie viel archäologische Funde über das Leben vor rund 2000 Jahren verraten und wie wichtig es ist, dieses kulturelle Erbe zu schützen und zu erhalten.