Sensationelle Funde aus der Bronzezeit
15.03.2026 ZeihenDass Zeihen offenbar schon früher ein beliebter Wohnort war, davon zeugen zahlreiche Funde aus der Römer- und Merowingerzeit. Nun steht fest: Es geht noch älter.
Die Kantonsarchäologie ist bei Grabungen bei der Überbauung Burrihübel nicht nur auf weitere Funde aus dem Frühmittelalter gestossen, sondern auf Überreste der Spätbronzezeit.
Sonja Fasler
Für das Auge des Laien sehen die Tonscherben erst mal unspektakulär aus, die Archäologen jedoch versetzen sie in Entzücken. Es sind die Überreste von drei Tontöpfen, zwei davon mit einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern und einige kleinere, die aus der frühen Spätbronzezeit um 1350 vor Christus stammen. Auch ein sogenannter Klopfstein, mit dem die Mahlsteine für das Getreide aufgerauht wurden, kam zum Vorschein. Der Fundort liegt am Fusse des Burrihübels, wo ein Garagenbau einem der geplanten Neubauten auf dem Areal weichen musste. Ausgrabungsleiter Mariusz Maciejzak, zuständig für die Pläne, und Jakob Erhard, Grabungstechniker in Ausbildung, sind begeistert. Während sie in der oberen Schicht, rund 20 bis 30 Zentimeter unterhalb der Oberfläche, bereits wie erwartet auf Überreste aus dem Frühmittelalter stiessen, erwartete sie darunter auf einem Feld von rund zehn Quadratmetern der bronzezeitliche Fund. Gebraucht wurden die Töpfe vermutlich zum Kochen. Genaueres werden Untersuchungen zeigen.
Dem lehmigen Boden sei Dank
«Es ist auch immer ein wenig Glück dabei, wenn man so etwas findet», sagt Mariusz Maciejzak. Was Bauarbeitern und Gärtnern in der Region ein Graus ist, nämlich der schwere, lehmige Boden, ist ein weiterer glücklicher Umstand. «Dieser Art von Boden konserviert besonders gut», weiss Jakob Erhard und schickt schmunzelnd nach, dass sie als Grabungstechniker froh waren, dass der Hauptaushub der schweren Erde mit dem Bagger passierte und sie sich von Hand ganz der Detailarbeit widmen konnten. Überhaupt funktioniere das Zusammenspiel zwischen Bauherrschaft, Baufirma und Kantonsarchäologie perfekt, lobt er. Während man der Arbeit der Kantonsarchäologie den nötigen Raum und die Zeit einräume, versuchten sie im Gegenzug die Untersuchungen möglichst zügig voranzutreiben, um den Bau nicht unnötig zu behindern.
Eigentlich sei es nicht erstaunlich, dass man hier auf frühere Siedlungen gestossen sei, erörtern die Grabungstechniker. Mit der Hasenlochquelle, die weiter oben im Hang entspringt und das Gebiet ganzjährig mit Wasser versorgte, und dem Zeiherbach in unmittelbarer Nähe verfügten die früheren Bewohner über die perfekte Wasserversorgung. «Die Hinterhöfe in den Dorfkernen wie diesem sind prädestiniert als Fundstellen», wissen die Grabungstechniker.
Bekannte Merowingersiedlung
Deutlich neueren Datums als die bronzezeitlichen sind die Funde aus dem Frühmittelalter. Die Merowinger regierten ca. von 460 bis 751 n.Chr. und waren das erste fränkische Königsgeschlecht, das den Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter prägte und das Fränkische Reich begründete. In der entsprechenden Bodenschicht fanden die Grabungstechniker Hinweise auf einen rund 10 mal 20 Meter grossen Bau, konstruiert aus zwölf Pfostenreihen, die ein grosses Walmdach stützten. Im Inneren des Hauses lagen die Überreste eines igluförmigen Kuppelofens, wie er damals typischerweise im Zentrum des Baus stand. Untersuchungen der Überreste von Holzkohle aus dem Ofen werden eine genauere Datierung ermöglichen.
Im Weiteren wurden auf der Fläche Überreste von Tierknochen, Getreide und Pfeilspitzen gefunden und – auch eine kleine Sensation – eine Spindel. Jakob Erhard zeigte sich insgesamt beeindruckt von den bisherigen Funden auf so dichter Fläche. «So etwas sehe ich zum ersten Mal.»
Mit den aktuellen Grabungen wurde nach einer Winterpause im Februar gestartet. Bereits im vergangenen Herbst begleitete die Kantonsarchäologie den Bauaushub auf dem Gelände. Damals fand Archäologe David Wächli einen Bärenzahn. Den zweiten in seiner rund 40-jährigen Berufskarriere. Ein absoluter Glücksfall – zumal der Bärenzahn tatsächlich als Glücksamulett gedient haben dürfte (fricktal.info berichtete am 1. Oktober 2025 darüber). Wahrscheinlich gehörte er zu einer Frauentracht, war es damals doch üblich, dass solche Amulette am Gürtelgehänge getragen wurden. Des weiteren wurde eine Hirschgeweih-Rosette gefunden, die ebenfalls als Amulett gedient haben dürfte. «Zeihen ist mittlerweile der wichtigste Fundort bezüglich Merowingern und Frühmittelalter in der ganzen Region», betont David Wächli. Und der Zeitepochen nicht genug, stiessen die Archäologen auf ein römisches Brandgrab aus der Römerzeit, das demnach noch vor der Merowingerzeit zu datieren ist.
Nicht ganz überraschend
Bereits bei der ersten Etappe der Überbauung am Burrihübel mit vier Mehrfamilienhäusern kamen vor rund 15 Jahren die Überreste mehrerer Pfostenbauten einer Merowingersiedlung zum Vorschein. Der Name Merowingerweg deutet seither auf die bedeutenden Funde hin. Der Weg wird mit der Erweiterung der Siedlung entsprechend verlängert.
Alle Funde würden zurzeit im Labor der Kantonsarchäologie gereinigt und inventarisiert, erklären die Ausgrabungstechniker, die parallel noch bei einer Grabung in Rekingen tätig sind und zwischendurch im Büro Pläne und Datenbank ihrer Arbeit erstellen. «Nach Grabungsende muss eine komplette Dokumentation erfasst sein», erklärt Jakob Erhard. Es wird bereits diskutiert, ob die Funde zu gegebener Zeit einmal in einer Vitrine im Vindonissa-Museum und vielleicht sogar im Fricktal ausgestellt werden.
Abgebrochenes Haus war älter als gedacht
Das Ende 2025 abgebrochene Haus an der Dorfstrasse birgt eventuell noch Überraschungen. Was man schon weiss: Es ist deutlich älter als gedacht und stammt laut dendrochronologischer Untersuchung des verbauten Holzes aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Die Stelle, wo es gestanden hat, wird ab Juni bei weiteren Grabungen der Kantonsarchäologie untersucht. Man darf also noch auf weitere Funde gespannt sein.
Zum Bauprojekt
Die Überbauung Burrihübel wird um drei weitere Mehrfamilienhäuser erweitert: Merowingerweg 5 und 6 sowie Dorfstrasse 9. Das Quartier wird schlussendlich 66 Wohnungen in neun Sechs- bis Zehn-Familienhäusern umfassen. Die Tiefgarage wird auf 80 Plätze erweitert.
Das Gebäude an der Dorfstrasse 9, das teilweise auf der Stelle gebaut wird, wo vorher das alte Haus aus dem 16. Jahrhundert stand, soll sich laut Bauherrschaft gut ins Dorfbild einfügen und ein ähnliches Aussehen wie der Vorgängerbau aufweisen, in dem sich ein «Scheunenteil» von der Steinfassade des restlichen Teils abhebt. Die neuen Häuser werden weniger hoch als der bestehende Burriblock. Die aktuelle Bau- und Nutzungsordnung von Zeihen lässt für die neuen Mehrfamilienhäuser nur noch Gebäudehöhen von 14 anstatt bisher 15 Meter zu.



