Ratgeber Naturmedizin: Die Landschaft verspeisen
16.04.2026 RatgeberSonja Wunderlin
eidg. dipl. Naturheilpraktikerin
Praxis für Naturmedizin
062 874 00 16
Die Landschaft verspeisen
Im Moment ist die Landschaft wirklich zum anbeissen schön. Klar, das Auge isst mit, aber ...
Sonja Wunderlin
eidg. dipl. Naturheilpraktikerin
Praxis für Naturmedizin
062 874 00 16
Die Landschaft verspeisen
Im Moment ist die Landschaft wirklich zum anbeissen schön. Klar, das Auge isst mit, aber so meine ich das nicht. Viele der sattgrünen Kräuter auf Feld, Wald und Wiese können tatsächlich verspiesen werden. Dazu möchte ich Sie hier animieren.
Einige der Frühlingskräuter haben nicht nur köstliche Geschmackskombinationen zu bieten, sondern entfalten verspiesen auch spannende Wirkungen. Sie enthalten verglichen mit Gemüse ein Mehrfaches an Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen.
Heute hatte ich Zeit für einen Morgenspaziergang. Auf dem Rundgang konnte ich mich kaum sattsehen ob all der Blütenpracht und dem satten grünen Gras. Da haben sich meine Sammeltüten gefüllt und zuhause konnte ich zum Zmittag einen Frühlings-Salat bereiten. Frische Wiesenlabkraut-Spitzen, Blätter von Sauerampfer, etwas Löwenzahn, Gundelrebe, junge Ulmenblätter und Wiesen-Schaumkraut, dazu eine grosse Menge frischer Spinat aus dem Laden. Das Ganze übersät mit Blüten von Löwenzahn und Margritli (Bellis perennis). Wenn der Salat so aussieht, spielt er die Hauptrolle auf dem Tisch, optisch und geschmacklich haben wir zum Zmittag die Landschaft verspiesen. So ein Salat ist in einem entsprechenden Restaurant übrigens recht kostspielig...
Wüchsig und noch zart sind im Moment auch die Brennnesseln. Eine Nessel-Suppe für vier Personen bereitet man am Besten aus einem grossen Korb voll junger Nesseltriebe. Zugegeben werden zu gleichen Teilen Bouillon, Rahm und Weisswein. Die Suppe wird nur kurz aufgekocht und anschliessend püriert. Sie schmeckt grossartig, fördert die Ausscheidung über die Nieren und versorgt den Körper unter anderem mit Vitamin A und C, Magnesium, Eisen, Kieselsäure und Proteinen.
Es lohnt sich auch, botanische Familien besser zu kennen. Dann muss nicht jedes Pflänzlein einzeln gelernt werden, sondern man kann sich beim Sammeln fokussieren auf die Familien, bei denen praktisch alle Vertreter essbar sind. Die Blüten der botanischen Familie der Rosenblütler (Rosaceae) beispielsweise, also von Quitte, Kirsche, Zwetschge oder den wilden Vertretern Schwarzdorn, Weissdorn, Traubenkirsche oder Wildrose sind ebenfalls essbar. Die Traubenkirsche hat ein starkes Bittermandelaroma und ist mit Zucker püriert eine feine Basis für Drinks oder Glacé. Kirschenbüten im Grüntee machen diesen blumiglieblich, und ein Tee mit Knospen der wilden Rose ist ein Gedicht.
Auch viele Vertreter aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) sind kulinarisch spannend und haben zu ihrer leichten Schärfe und ihrem etwas bitteren Geschmack auch eine verdauungsfördernde und wärmende Wirkung. Im Frühling haben viele noch keine Blüten, sondern erst feine Rosetten gebildet, die einfach zu ernten und zart sind. Im Moment findet man die Knoblauchrauke (Alliaria petiolata) oder verschiedene Schaumkräuter wie Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) oder das behaarte Schaumkraut (Cardamine hirsuta). Sie sollten alle nicht gekocht werden, da durch Hitze ein wichtiger Teil ihres Geschmacks und ihrer Wirkung verloren gehen. Also als Salatbeigabe, püriert zu einem Pesto oder als Deko auf dem Menü.
Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern auch die Landschaft. E Guete!
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Weitere Kurse zu essbaren Wildpflanzen: www.sonjawunderlin.ch
Fragen und Anregungen richten Sie gerne an: praxis@sonjawunderlin.ch Weiterführende Informationen finden Sie unter www.sonjawunderlin.ch


