Ratgeber Finanz: US-Staatsverschuldung
08.10.2026 RatgeberChristoph Zehnder
eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch
US-Staatsverschuldung
Die ...
Christoph Zehnder
eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch
US-Staatsverschuldung
Die US-Staatsfinanzen haben 2026 neue Dimensionen erreicht. Die absolute Verschuldung überschritt im August 2026 erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar, eine unglaubliche, aber abstrakte Zahl. Pro Einwohner sind das enorme 120 000 Dollar oder für eine vierköpfige Familie somit fast eine halbe Million. Um die Entwicklung der Staatsverschuldung etwas fassbarer und vergleichbarer zu machen, werden die Schulden häufig in Relation zur Wirtschaftsleistung (GDP) gestellt: Dort liegt die USA aktuell bei etwa 122%. Die bisherigen Höchststände lagen nach dem Zweiten Weltkrieg bei rund 119% (1945/46) und im Nachgang der Corona-Krise 2020 bei 133%. Die aktuelle Quote liegt damit nahe an den historischen Negativextremwerten der letzten 100 Jahre. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Nach 1945 sank die Quote dank starken Wirtschaftswachstums, Haushaltsdisziplin und auch durch finanzielle Repression (künstlich tief gehaltene Zinsen) ab. Der Tiefpunkt Mitte der 1970er-Jahre lag bei etwa 30%. Seit den 1980er Jahren und besonders seit der Finanzkrise 2008 hingegen ist der Trend leider stark und ungebrochen ansteigend (siehe unten auch Aussagen zum Budgetdefizit).
Zinslast
Der jährliche Zinsaufwand hat die Schwelle von einer Billion Dollar mittlerweile deutlich überschritten und liegt damit nun auch höher als die ohnehin massiven Verteidigungsausgaben der USA. Vor 15 bis 20 Jahren war der Zinsdienst noch deutlich kleiner als der Verteidigungshaushalt. Relativ zum GDP entsprechen die Zinsausgaben inzwischen etwa 3,5% – ein Niveau, das die bisherigen Nachkriegshöchststände der frühen 1990er Jahre (rund 3,2%) übertrifft. Im Verhältnis zu den Steuereinnahmen beanspruchen die Zinsen inzwischen mehr als ein Fünftel der Bundeseinnahmen. Ein solcher Wert wurde historisch nur im Nachgang der hohen Inflationsphase Ende der 1970er Jahre übertroffen.
Budgetdefizit
Das Budgetdefizit bewegt sich aktuell bei etwa 1,8 Billionen Dollar bzw. rund 6% des GDP. Defizite in dieser Grössenordnung traten historisch fast ausschliesslich in schweren Krisenzeiten auf (Weltkriege, Grosse Depression, Finanzkrise 2008/09, Corona). Die besorgniserregende Besonderheit der aktuellen Phase liegt darin, dass diese extrem hohen Defizite während einer Phase relativer wirtschaftlicher Normalität und trotz niedriger Arbeitslosigkeit anfallen. Die Politiker, egal ob Demokraten oder Republikaner, sind offenbar weder willens noch fähig, die Staatsausgaben zu begrenzen.
Ausblick
Angesichts des nun schon länger andauernden Iran-Kriegs dürfte das US-Defizit derzeit wohl eher nicht kleiner werden. Die Basis der US-Staatsverschuldung ist bereits rekordhoch. Die Zinsmärkte haben auch begonnen, eine höhere Risikoprämie für US-Staatsanleihen zu verlangen, was die Zinslast weiter erhöht. Möglicherweise braucht es nur noch wenig weiteren Gegenwind, bis die Märkte diese fragile Konstellation stärker wahrnehmen als in den letzten diesbezüglich ziemlich sorglosen Jahrzehnten.
Haben Sie Fragen? Dann schicken Sie mir ein Mail an christoph.zehnder@ruetschi-ag.ch oder rufen an unter Tel. 062 871 93 57.

