Ratgeber Finanz: Krieg gegen den Iran
12.03.2026 RatgeberChristoph Zehnder
eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch
Krieg gegen den Iran
Machen wir kurz ...
Christoph Zehnder
eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch
Krieg gegen den Iran
Machen wir kurz ein Gedankenexperiment: Wenn Putin den Iran angegriffen hätte, läsen wir wohl von «unprovoziertem, völkerrechtswidrigem Angriffskrieg». Da hier nun aber die USA und Israel der Angreifer sind, ist das natürlich etwas anderes. Meine Meinung ist, dass wegen der iranischen Unterstützung von Hamas, Hizbollah und dem Ziel, Israel zu vernichten, dieser Krieg nicht unprovoziert war. Und ja, das Mullahregime ist wohl ein eher übles und ist teilweise gewaltsam gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen. Völkerrechtswidrig bleibt der Irankrieg dennoch und ebenso (wie bei jedem Krieg) gibt es einen Angreifer.
Obiges Gedankenspiel zeigt aber auf, wie heuchlerisch und blind auf dem eigenen Auge wir vieles beurteilen und eigener Propaganda unterliegen. Beim einen völkerrechtswidrigen Krieg haben «wir» mittlerweile wohl 20 Sanktionspakete beschlossen, beim anderen bin ich überzeugt, dass es keine Sanktionen vom Westen geben wird.
Erdölpreis
Der Iran schiesst zurück, ein Regimechange ist noch nicht gelungen. Auch wenn der Iran relativ isoliert erscheint, ist es nicht einfach ein kleiner Nobody. Die Reaktion des Erdölpreises ist mit dem starken Anstieg auf aktuell 83 USD pro Barrel Brent (Anfang Jahr bei 61) nachvollziehbar. Es ist schwierig abzuschätzen, wie lange das andauern wird und auch, ob der Iran den Durchgang durch die Strasse von Hormuz ‚abstellen‘ kann (weil zu gefährlich), was zu noch stärkeren Preisreaktionen führen kann.
Börsenreaktion
Ich schreibe diesen Kommentar am Donnerstag, also gut drei volle Börsenhandelstage, nachdem die USA und Israel diesen Krieg gegen Iran am Wochenende gestartet haben. Die asiatischen (und etwas weniger die europäischen) Aktienmärkte haben anfangs mit starken Kursverlusten reagiert, sich dann aber gefangen. Netto stehen sie meist leicht im Minus im Vergleich zu Freitag.
Für mich nicht plausibel ist einmal mehr die Reaktion der US-Börsen. Trotz dieser Eskalation steht die US-Börse aktuell unverändert gegenüber dem Niveau am Freitag vor dem Start des Krieges und nicht weit unterhalb der absoluten Höchststände (aktuell S&P 500 bei 6870). Natürlich gibt es Profiteure (z.B. Waffen- oder Erdölproduzenten), dennoch gibt es für die gesamte Wirtschaft mehr Negatives als Positives. Der Inflationsdruck wird zumindest kurzfristig höher, die Kosten des Krieges steigen laufend an, die Energiekosten sind teurer, die Unsicherheit auch bezüglich Logistik und Lieferketten ist grösser.
Ich habe schon im letzten Ratgeber davon geschrieben. Es gibt zahlreiche Warnlichter: Die Investoren sind sehr bullisch, die Junk Bond Spread sind sehr tief, die Marktkonzentration ist sehr hoch, die Bewertung des US Aktienmarkts ist rekordhoch, dito das Leverage gemessen an den Wertpapierkrediten. Die Staatsverschuldungen steigen laufend, die Staatsdefizite bleiben enorm trotz fast Vollbeschäftigung z.B. in den USA. Neu hinzu kommen dieses Jahr Unsicherheiten durch die amerikanischen Interventionen in Venezuela und den nun gestarteten Irankrieg nebst den weiterhin bestehenden Abschottungen im Nachgang des noch immer nicht gestoppten Ukrainekriegs. Es ist vermutlich nicht so eine schlechte Zeit, das eigene Depot auf die persönliche Risikofähigkeit hin zu überprüfen.
Haben Sie Fragen? Dann schicken Sie mir ein Mail an christoph.zehnder@ruetschi-ag.ch oder rufen an unter Tel. 062 871 93 57.

