Ratgeber Alter: Umzug ins Seniorenzentrum
15.10.2026 RatgeberJacqueline Zesiger
Executive MBA HSG
CAS Palliative Care, Universität Luzern
EMR-zertifiziert
www.sanavite.ch / info@sanavite.ch
Umzug ins ...
Jacqueline Zesiger
Executive MBA HSG
CAS Palliative Care, Universität Luzern
EMR-zertifiziert
www.sanavite.ch / info@sanavite.ch
Umzug ins Seniorenzentrum
Schneller als gewollt oder geplant, ist der Umzug in ein Alterszentrum, eine Altersresidenz oder Pflegeheim notwendig. Wenn der Alltag nicht mehr alleine zu bewältigen ist, stellt sich die Frage, wer unterstützt in diesem Fall. Die frühere Selbstständigkeit ruft nach täglicher Hilfeleistung, sei es in Haushalt und Administration, bei der Ernährung oder gar bei der Körperpflege.
Wenn nicht rechtzeitig der Entscheid zum Umzug gefällt wird, riskiert man, dass man nicht in die Alterssiedlung in der Umgebung oder die gewählte Residenz einziehen kann. Die schönen Studios mit nettem Balkon sind oft bereits auf Jahre ausgebucht. Wer zu lange wartet, könnte eine unschöne Überraschung erleben: Durch einen unliebsamen Sturz in der Wohnung, oder wenn Renovationen im Mehrfamilienhaus geplant sind, muss meist unfreiwillig ein neuer Wohnraum gefunden werden. Und dies kann zu einer echten Stress-Situation führen.
Anerkennen der Hilfsbedürftigkeit
Oft will man nicht wahrhaben, dass man Hilfe im Alltag benötigt. Stellt man fest, dass plötzlich alle Administration von der Tochter erledigt wird, die nebenbei auch das Essen bringt, der «Güsel-Kübel» jeweils vom Sohn heruntergetragen und die Reinigung sowie Wäsche eh schon länger von Dritten erledigt werden, ist es an der Zeit, sich einen Ort mit mehr Aktionsraum zu suchen und die Familie oder Bekannte zu entlasten. Zudem ist oft das Fernsehen, Radio oder das Mobile die letzte Aussenbeziehung, die man konstant pflegt. Gerade das Internet und die entsprechenden Apps und Tools im Mobile ändern oft. Ohne online zu bleiben, wird es schwierig, im Alltag mitzuhalten.
Vorteile Seniorenzentrum
Rechtzeitig umgezogen, wohnt man in der gewünschten Umgebung, in einer kleinen Wohnung, die einem entspricht. Ein wichtiger Vorteil ist die Entlastung aller beteiligten Helfer in der Familie oder im Bekanntenkreis. Gleichzeitig öffnet es neue Türen. Und wenn man selber noch nicht am Rollator geht – umso besser! Neue Freundschaften entstehen, und man kann sich in naher Umgebung immer wieder treffen und etwas gemeinsam unternehmen.
Ein Aufenthalt in einem Seniorenzentrum ist leider teurer als im angestammten Zuhause. Hier springt die Gemeinde ein, sofern die Finanzen nicht ausreichen. Und um die eigenen Kinder nicht zu belasten, lohnt sich eine frühzeitige Regelung der Situation.
Vorbereitung
Prüfen Sie unverbindlich, welches Seniorenzentrum in Frage kommt. Ist eine gute Verbindung der öffentlichen Verkehrsmittel gewährleistet? Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe? Empfehlenswert ist auch, das Café-Restaurant auszuprobieren, die Kleinwohnungen vorab zu besichtigen und dabei genau die Stimmung des Personals zu erspüren. Eine Luxus-Residenz ist nicht unbedingt besser als ein öffentlich geführtes Zentrum oder ein Kleinheim mit wenigen Bewohnern. Wichtig ist die Geschäftsleitung, die auch Weisungen vorgibt, welche kulturellen Werte gelebt werden, wie z.B. beim Thema Freitodbegleitung. Stellen Sie die richtigen Fragen, die für Sie wichtig sind. Jeder hat so seine Vorstellungen bezüglich Selbstbestimmung, Mitnahme der Hauskatze, Kleinmöbeln, Bildern oder Farben der Wände.
Entscheidet man sich, mit dem pflegebedürftigen Partner gemeinsam umzuziehen, sind weitere Überlegungen anzustellen. Eine Möglichkeit ist, gleich zwei Einzelzimmer zu belegen, um später nicht nochmals umziehen zu müssen, falls man traurigerweise plötzlich alleine wäre. Das offizielle Doppelzimmer wird hernach teuer zu stehen kommen oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Ideal, wenn die Zimmer verbunden oder gleich nebeneinander sind.
Nicht zu vergessen ist die frühzeitige Entsorgung aller Möbel und Gegenstände, die man noch in der grossen Wohnung hat. Viele Dinge, die einem am Herzen liegen, kann man aus Platzgründen nicht mitnehmen. Künstler sind ebenfalls herausgefordert, da die Sammlungen kaum noch Abnehmer finden.
Einsamkeit im Pflegeheim
Es ist eine Tatsache, dass aufgrund der fehlenden Pflegefachkräfte kaum Zeit bleibt, bei jedem Bewohner des Pflegeheimes lange Stunden zu verbleiben. Der Entscheid, in eine Seniorenresidenz zu ziehen, wenn man noch einigermassen gut unterwegs ist, hilft, sich etwas zu integrieren, neue Freundschaften zu schliessen und im Ernstfall «inhouse» Besuch zu erhalten. Wenn man erst mit schweren Gehbehinderungen ins Pflegeheim geht, hat man weniger Chancen, vor Ort nette Verbindungen zu festigen.
Das Beste ist, sich früh mit dem «letzten Umzug» auseinanderzusetzen, und damit die Möglichkeit zu haben, sich auch spät im Leben gut einzubetten.
Jacqueline Zesiger ist Betriebswirtschafterin (Executive MBA HSG und CAS Palliative Care sowie EMR-zertifiziert) und seit vielen Jahren selbstständige Beraterin. Es ist ihr ein Anliegen, diese Tätigkeit im Rahmen von Unterstützung und Zusammenwirken auszuüben. Für weitergehende Fragen und Unterstützung erreichen Sie Jacqueline Zesiger wie folgt: info@sanavite.ch oder rufen an unter Tel. 079 444 14 40

