Wittnaus Quellen versiegen: «Eine ernst zu nehmende Lage»
03.07.2026 WittnauWochenlang hohe Temperaturen und kein Regen in Sicht – für Wittnau, das auf Quellwasser angewiesen ist, eine prekäre Situation. Ruwen Bähler, Leiter regionale Brunnenmeisterdienste Regio Frick äussert sich zum aktuellen Stand und den Plänen für den Notfall.
Simone Rufli
...Wochenlang hohe Temperaturen und kein Regen in Sicht – für Wittnau, das auf Quellwasser angewiesen ist, eine prekäre Situation. Ruwen Bähler, Leiter regionale Brunnenmeisterdienste Regio Frick äussert sich zum aktuellen Stand und den Plänen für den Notfall.
Simone Rufli
NFZ: Herr Bähler, wie prekär ist die Lage?
Ruwen Bähler: Wir befinden uns derzeit in einer ernst zu nehmenden Lage und daher wurde die Gemeindeverwaltung sowie auch die Bevölkerung schon von etwa drei Wochen informiert, dass Trinkwasser gespart werden muss. Aktuell haben wir noch ein Wasserdargebot von drei verschiedenen Quellen mit 345 L/Min. Der Verbrauch über 24h gemessen liegt zwischen 220 L/Min. und 240 L/Min. Tagsüber kann dies etwas mehr sein. Grundsätzlich haben wir aktuell noch ein Reservevolumen gegen 100 L/Min. Aus diesem Grund haben wir schon früh reagiert, um das Trinkwasser schon vorher etwas einzusparen und die Bevölkerung zu sensibilisieren.
Konnte der Regen vom Mittwoch die Lage entschärfen?
Tatsächlich stellen wir fest, dass wenn es regnet, die Bevölkerung etwas weniger Trinkwasser verbraucht. Wir nehmen an, dass die Bevölkerung schaut, dass sie – falls vorhanden – ihre Regenwasserspeicher oder Regentonnen für die Gartenbewässerung füllt. Hier kann der Verbrauch sicher etwas gesenkt werden. Das Dargebot ist aber dann nach wie vor immer noch niedrig!
Wie lange müsste es regnen, damit Wittnau sich keine Sorgen mehr machen muss ums Wasser?
Dies kann man schlecht sagen. Fakt ist, dass das Wittnauer Quellewasser aus einem Karstgebiet kommt, das heisst, der Wasserzufluss kann sich an einem Ort schneller erholen als anderswo. Es bleibt nur die Möglichkeit, die Zuflüsse täglich zu beobachten und immer aufs Neue zu beurteilen. Wir gehen davon aus, dass es hierzu ein paar Tage Regen benötigt.
Wie kann der Brunnenmeisterdienst in der aktuell prekären Situation konkret helfen?
Wir von den Brunnenmeisterdiensten Regio Frick beobachten täglich das Wasserdargebot der Quellen, beurteilen die Lage und schauen, dass die Wasserbewirtschaftung im Leitsystem der Wasserversorgung Wittnau optimal gesteuert wird. Zudem führen wir regelmässige Kontrollen für mögliche Wasserlecks durch und falls wir ein solches feststellen, schauen wir dass dies schnellst möglichst behoben wird. In diesem Zusammenhang möchten wir uns auch bei der Bevölkerung für das aktive Mitmachen bedanken. Wenn eine nasse Stelle oder Geräusche bei der Wasserverteilung festgestellt werden, wird uns das gemeldet.
Die nächste Hitzewelle ist bereits angekündigt, das heisst für Wittnau nichts Gutes – gibt es einen Notfallplan?
Prinzipiell muss jede Wasserversorgung einen Notfallplan haben. Dies wäre dann das sogenannte TWM-Konzept beziehungsweise der TWM-Massnahmenplan. (TWM = Trinkwasserversorgung in schweren Mangellagen; Anm. d. Red.) Dies würde in Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden aktiviert und umgesetzt werden.
Was beinhaltet dieser Massnahmenplan genau?
In der Gemeinde Wittnau wäre es primär die Sicherstellung der Wasserversorgung mittels Tankwagen. Trinkwasser würde in das Wasserreservoir gepumpt werden, so wäre der Wasserdruck und auch die Löschwasserreserve sichergestellt. Sekundär wäre noch die Möglichkeit, von der Nachbargemeinde Gipf-Oberfrick mittels einer Notverbindungsleitung und mobilen Trinkwasserpumpen, Trinkwasser in das Netz einzuspeisen. Dies wäre dann aber zuerst in Abklärung mit den kantonalen und den betroffenen Gemeinde-Behörden. Wir haben mal als Vorinfo mit dem kantonalen Amt für Verbraucherschutz Kontakt aufgenommen, um eventuell erste Infos abzuholen, wie dann die weiteren Schritte wären, falls sich die Situation weiterhin verschlechtern würde.
Wie unterscheidet sich die Situation in Gipf-Oberfrick und Frick von jener in Wittnau?
Der Hauptunterschied ist, dass die Gemeinden Frick und Gipf-Oberfrick, welche wir auch betreuen, zu 100 Prozent Grundwasser beziehen. Die Gemeinde Wittnau hat zu 100 Prozent Quellwasser. Der Grundwasserspiegel ist momentan noch relativ stabil, wir sehen aber auch dort einen Rückgang.
«Noch nie so früh»
Das Trinkwasser sei auch in anderen Jahren schon knapp geworden, die Lage immer mal wieder angespannt, sagt die für die Wasserversorgung zuständige Frau Gemeindeammann Denise Schmid auf Anfrage der NFZ. «Aber noch nie so früh im Jahr. Normalerweise ist es erst gegen Ende Juli, Anfang August soweit.» Und mit Blick auf die Wettervorhersage: «Eine Entspannung ist leider nicht in Sicht.» Trifft die Prognose zu, steht eine weitere Woche ohne Niederschlag, dafür mit viel Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad bevor. «Umso wichtiger ist, dass die Bevölkerung mithilft und den Aufrufen zum Wassersparen Folge leistet. Um möglichst alle Leute im Dorf zu erreichen, informieren wir laufend auf der Gemeindewebseite, in der Zeitung und auf unserem Instagram-Kanal.»
(sir)



