Offene Diskussion statt alter Denkmuster
29.05.2026 LeserbriefeZum Thema Selbstdispensation der Hausärzte.
Mit Interesse verfolge ich die Diskussion rund um die Selbstdispensation der Ärzte. Was mich dabei zunehmend beschäftigt: Viele Argumente scheinen bereits festzustehen, noch bevor überhaupt eine ...
Zum Thema Selbstdispensation der Hausärzte.
Mit Interesse verfolge ich die Diskussion rund um die Selbstdispensation der Ärzte. Was mich dabei zunehmend beschäftigt: Viele Argumente scheinen bereits festzustehen, noch bevor überhaupt eine echte Diskussion geführt wird. Gerade bei einem Thema mit Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten, Ärzte, Apotheken und die Gesundheitsversorgung insgesamt sollte eine grundlegende und offene Debatte möglich sein – ohne vorschnelle Urteile, alte Denkmuster und voreingenommene Haltungen. Wer unternehmerisch tätig ist, weiss: Eine gute Zukunft entsteht nicht durch Stillstand. Innovation, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, neue Wege zu denken, sind entscheidend. Das gilt auch im Gesundheitswesen. Statt sich an überholten Strukturen festzuklammern, sollte gemeinsam überlegt werden, wie eine Versorgung künftig sinnvoll, patientenorientier t und zukunftsfähig gestaltet werden kann.
Denn es steht nicht weniger auf dem Spiel als unsere medizinische Grundversorgung. Wir sind auf eine breite, funktionierende und wohnortsnahe Versorgung angewiesen – und genau diese gerät vielerorts enorm unter Druck. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter sind auf kurze Wege und eine gut erreichbare hausärztliche Betreuung angewiesen. Auch ich würde es als grosse Erleichterung empfinden, Medikamente direkt bei meinem Hausarzt beziehen zu können. Umso wichtiger ist es, bestehende Modelle offen zu diskutieren. Gerade jetzt braucht es den Mut, neue Wege zu denken, innovativ zu sein und alte Muster zu hinterfragen, statt reflexartig am Bestehenden festzuhalten.
Es darf dabei nicht übersehen werden, dass sich die Dienstleistungen der Apotheken laufend weiterentwickeln und ausgebaut werden. Apotheken übernehmen heute deutlich mehr Aufgaben als noch vor einigen Jahren und leisten einen wichtigen Beitrag in der Gesundheitsversorgung. Gerade deshalb sollte die Diskussion differenziert geführt werden.
Von Seiten der Apothekerschaft wird immer wieder das Prinzip «Wer verordnet, gibt nicht ab» als zentrales Argument ins Feld geführt. Gleichzeitig erstaunt der stetige Ausbau diagnostischer Angebote in Apotheken. Hier stellt sich durchaus die Frage, wo die Grenzen künftig gezogen werden und ob gewisse Argumente nur dann gelten, wenn sie ins eigene Bild passen. Denn eines sollte klar sein: Eine Apotheke ersetzt keinen Hausarzt – und eine Hausarztapotheke ersetzt auch keine Apotheke. Beide erfüllen wichtige Aufgaben, aber mit unterschiedlichen Rollen und Kompetenzen.
Eine moderne Gesundheitsversorgung braucht Offenheit, Sachlichkeit und den Mut, bestehende Modelle kritisch zu hinterfragen. Alte Gräben und festgefahrene Positionen helfen dabei wenig.
Umso erstaunlicher ist es, dass von unseren Vertretern in Aarau kaum etwas zu hören ist. Gerade von ihnen wäre zu erwarten, dass sie Brücken bauen, unterschiedliche Interessen ernst nehmen und eine sachliche Diskussion aktiv fördern – statt sich auffällig zurückzuhalten.
JÖRG SCHNEIDER, RHEINFELDEN
