Nicht Perfektion, aber Durchhaltewillen
18.01.2026 ZeiningenDas Kinderheim «Youth for Hope» in Ngong (Kenia) ist weiterhin auf gutem Weg. Die Kinder und Jugendlichen erreichen in der Ausbildung Erfolge. Mit viel Ehrgeiz versuchen sie, ihrer Idealvorstellung näher zu kommen.
Hans Zemp
Vor gut einem Monat orientierte der ...
Das Kinderheim «Youth for Hope» in Ngong (Kenia) ist weiterhin auf gutem Weg. Die Kinder und Jugendlichen erreichen in der Ausbildung Erfolge. Mit viel Ehrgeiz versuchen sie, ihrer Idealvorstellung näher zu kommen.
Hans Zemp
Vor gut einem Monat orientierte der Zeininger Verein «Youth for Hope» im vollbesetzten Zeininger Blockhaus über Neues im Kinderheim. Die Gäste freuten sich über die Neuigkeiten. Präsident Dominik Rüfenacht bezeichnete die Anwesenden als Familie. Viele von ihnen haben in irgendeiner Weise ihren Fuss im Projekt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass die Live-Schaltung zum Haus in Ngong auf grosse Aufmerksamkeit stiess. Der Vorstand will das Unterstützerfeld für das Kinderheim erweitern, mehr Stiftungen einbinden und die bestehenden Beziehungen festigen. Eine Institution wie das Kinderheim in Ngong hängt nicht zuletzt auch von gesunden Finanzen ab.
Ein sicherer Hafen
Seit einigen Jahren trägt Carol Chege (28) in Ngong Verantwortung. Die Leiterin Barbara Chindia-Haas hat in ihr eine zuverlässige Stellvertreterin gefunden. Carol ist als Schulmädchen im Kinderheim aufgenommen worden und hat ihre Ausbildungen erfolgreich absolviert. Heute arbeitet sie als Leiterin und Mitverantwortliche für die jungen Leute im Haus. Ihre Domäne sind die Finanzen. Carol Cheges Leben nahm im Alter von sechs Jahren eine massive Veränderung, als ihre Mutter starb. Zwischenzeitlich wurde sie von ihren Grosseltern aufgenommen. Geld war Mangelware. So wurden regelmässiges Essen, Kleider und Schulsachen oft mehr Traum als Wirklichkeit. Sie habe in dieser schweren Zeit gelernt, stark zu werden. Sie lernte zu beten, härter zu arbeiten und auch zu lachen, wenn ihr gar nicht danach zu Mute war. In dieser Zeit passierte etwas für sie Entscheidendes: Sie traf Barbara Chindia-Haas. Carol Chege sagt, dass Chindia-Haas ihr nicht nur eine neue Bleibe gab, sondern auch einen neuen Lebensweg. Auf diesem Weg erhielt sie Gelegenheit, eine gute Ausbildung zu machen. In Hotelund Tourismusmanagement schloss Carol Chege diese Ausbildung erfolgreich ab. «Youth for Hope» sei für sie ein sicherer Hafen geworden.
Bevor Carol Chege beruflich zu «Youth for Hope» zurückkam, hatte sie in einer psychiatrischen Einrichtung als Haushälterin gearbeitet. Es war nicht das, was sie suchte, doch habe sie der Job viel in Sachen Menschlichkeit, Geduld und Verständnis gelehrt. Nach dieser Zeit ging für Carol Chege ein Herzenswunsch in Erfüllung, und sie durfte zurück zu «Youth for Hope». Jetzt trage sie viele Hüte. Sie strahlt, wenn sie neben ihrer Aufgabe als Finanzverantwortliche verschiedene Bereiche aufzählt: Hausverwalterin, Betreuerin der Kinder, Buchhalterin, grosse Schwester, Freundin und Gelegenheitstante. Alles müsse geplant werden, jedes Kind müsse sich wohl fühlen. So will sie von dem, was sie in jungen Jahren erhielt, etwas zurückgeben. Carol Chege hat nach eigenen Worten nie genug gelernt – nicht nur durch Bücher, sondern auch durch Arbeit, Freude und Misserfolg. Manchmal sei es zum Verzweifeln, aber sie sei immer wieder aufgestanden nach dem Motto: nicht Perfektion, sondern Durchhaltewillen. Sie habe gelernt, dass Lachen, Humor auch im Chaos hilfreich seien. Sie wolle Kinder erziehen, die an sich glauben, sie wolle helfen, dass Mädchen und Burschen lernen, ihren Wert zu kennen. Sie wolle aber auch eine Lebenshilfe in allen Lagen sein. «Ich habe mit Mühe begonnen, bin durch Hoffnung gewachsen und will in diesem Sinne weiterfahren.»


