Neue Wege im Wassermanagement
21.05.2026 Herznach-UekenReallabor Jurapark Aargau
Rund 40 Personen aus Forschung und Praxis trafen sich am vergangenen Montag auf dem Hübstelhof in Herznach und informierten sich über das Realexperiment «Vom Regen zur Ressource Wasser». Fachleute und Gastgeberin Petra Schmid zeigten Forschungserkenntnisse ...
Reallabor Jurapark Aargau
Rund 40 Personen aus Forschung und Praxis trafen sich am vergangenen Montag auf dem Hübstelhof in Herznach und informierten sich über das Realexperiment «Vom Regen zur Ressource Wasser». Fachleute und Gastgeberin Petra Schmid zeigten Forschungserkenntnisse und Keylines in der Landschaft.
Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen. Stärkere Regenfälle und längere Trockenperioden fordern insbesondere die Landwirtinnen und Landwirte. Seit gut zwei Jahren widmet sich das Realexperiment «Vom Regen zur Ressource Wasser», eines von vier Experimenten aus dem Reallabor Jurapark Aargau, unter anderem dem Planungsansatz des Keyline-Designs, wie Wasser gezielt verlangsamt, verteilt, versickert und gespeichert werden kann.
Sensoren und Drohnen messen Bodenfeuchte
Gastgeberin Petra Schmid führt auf ihrem Hübstelhof in Herznach einen Biobetrieb mit Mutterkühen, Ackerbau und Obstkulturen. Die Hanglage ihres Hofes führt bei Starkregen zu Erosionsschäden und im Sommer zu grosser Trockenheit. Dies hat sie dazu bewogen, inspiriert von ihrer Teilnahme an Reallabor-Workshops, auf ihrem Hof Keylines zu realisieren. Dabei möchte die Landwirtin in ihrem Betrieb Erosionsschäden reduzieren, sich aktiv auf die Klimaveränderungen vorbereiten und gleichzeitig die Biodiversität weiter fördern.
Dass Keyline-Designs messbare Erfolge bringen, belegen die neusten Daten von Manfred Stähli, Gebirgshydrologe bei der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Mithilfe von Bodensensoren und Drohnen hat er zusammen mit seinem Team seit Juni 2025 auf dem Hof Altenberg in Wölflinswil umfassende Messungen hinsichtlich Bodenfeuchte durchgeführt. Die ersten Ergebnisse dieser Messphase zeigen, dass durch das Keyline-System auf dem Feld Wasser zurückgehalten werden kann, welches später zum Teil für die Pflanzen verfügbar ist.
Vom Modell bis zur Umsetzung
Die ETH-Agrarökologin Johanna Jacobi hat drei Masterstudierende betreut, welche sich mit der Wasser-Modellierung von Keylines und konkret auch mit deren Planung und Umsetzung im Jurapark Aargau befassten. Die Forschung über und mit den Betrieben im Jurapark Aargau hat aufgezeigt, dass einige Betriebe bereits aktiv strukturelle Anpassungen an Wasserknappheit oder Starkregenereignisse vornehmen.
Eine der Masterarbeiten befasst sich mit der Modellierung von verschiedenen Szenarien – von einzelnen Keylines bis zum theoretischen Keyline-Design auf grösseren Flächen eines ganzen Einzugsgebietes in Mandach. Eine weitere Masterarbeit widmet sich den praktischen Erfahrungen von Pionierbetrieben im Jurapark Aargau mit Keyline-Designs, mit seinen betriebsspezifischen und standortabhängigen Gegebenheiten sowie der Entwicklung eines Leitfadens zu Planung und Erstellung von Keyline-Designs. Mit Blick auf eine klimaresiliente Landwirtschaft beleuchtet eine dritte Arbeit die förderlichen Effekte von Keylines auf die ökologische Vernetzung, wie das Entstehen neuer Habitate und Migrationskorridore für Tiere.
Altes Wissen im modernen Kontext umgesetzt
Landschaftsarchitekt Stefan Breit widmete sich anlässlich eines Semesterkurses mit ETH-Studierenden dem Thema; er sieht in Keylines ein multifunktionales Element. Aus Sicht der Landschaftsarchitektur sind Keylines ein zentrales Element für moderne Schwammlandschaften, die Nahrung produzieren, Vielfalt fördern und dezentralen Hochwasserschutz bieten. Seine Forschungen auf verschiedenen Höfen haben zudem gezeigt, dass Keylines zu neuen bäumigen Landschaften führen, welche – anders als historische Streuobstwiesen – in die Logiken der mechanisierten Nahrungsproduktion integriert werden.
Die Technik, Wasser in der Landschaft zu leiten und zu verteilen, ist alt. Mit Suonen, Wässermatten, Wiesen- und Hangbewässerung sowie auch verschiedenen Entwässerungssystemen verfügen die Schweiz und Europa über ein Unesco-Kulturerbe an Erfahrungen und Möglichkeiten, mit Wasser umzugehen. Gemäss Keyline-Expertin Katja Degonda von Apiaster GmbH wird mit Keyline-Designs vor allem auch traditionelles Wissen auf den heutigen, modernen agronomischen und ökologischen Kontext übertragen.
Das Realexperiment zum Keyline-Design dauert noch bis Ende 2026. Die Co-Projektleiter Tim Geiges (WSL) und Philipp Lischer (ETH Zürich) sind zuversichtlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft noch weitere landwirtschaftliche Betriebe in der Region oder gar schweizweit zum Anlegen eines Keyline-Designs inspirieren werden. Noch suchen sie nach konkreten Möglichkeiten, die entstandene Gemeinschaft weiter zu erhalten, damit dieser Austausch auch nach Ende des Reallabors weitergeht. (mgt)

