Mit dem Schottland-Virus infiziert
02.09.2026 WallbachUrs Hasler hat die Highland Games ins Fricktal gebracht
Dudelsackmusik, Wettkämpfe wie Holzstammwerfen und ganz viele Tartan-Schottenröcke verwandeln Wallbach am 5. und 6. September in «Schottisch-Fricktal». Mit viel Herzblut organisiert Urs Hasler das Rahmenprogramm der beiden ...
Urs Hasler hat die Highland Games ins Fricktal gebracht
Dudelsackmusik, Wettkämpfe wie Holzstammwerfen und ganz viele Tartan-Schottenröcke verwandeln Wallbach am 5. und 6. September in «Schottisch-Fricktal». Mit viel Herzblut organisiert Urs Hasler das Rahmenprogramm der beiden Tage.
Petra Schumacher
«2007 fand meine erste Schottlandreise zusammen mit vier Geschäftskollegen statt», berichtet Urs Hasler, Jahrgang 1961. «Wir wollten das Tattoo dort erleben und haben vorab eine Rundreise gemacht. Beim Start in Edinburgh hatten wir noch Sommer, danach erlebten wir das echte schottische Wetter mit einer Woche lang Regen. Die Highlands mit den Nebelschwaden und dazu die verschiedensten Grüntöne, die man sich nur vorstellen kann, fand ich wunderbar. Dazu kam als krönender Abschluss das Tattoo, das war magisch. Zu Schottland kann ich sagen: «Es hett mer de Ermel inegnoh.»
Bei Schottland gibt es laut Urs Hasler nur zwei Varianten: Entweder war die erste Reise auch die letzte oder es zieht einen immer wieder dorthin. «Bei meiner ersten Reise hatte ich das Glück, dass mich meine Frau begleitet hat und sich ebenfalls mit dem Schottland-Virus infizierte», so der Schottland-Fan. «Seit 2007 sind wir mindestens einmal pro Jahr auf der Insel.»
Wie Schottland nach Wallbach kam
Urs Hasler ist seit vielen Jahren Mitglied im Wallbacher Turnverein. «Jeweils im Frühjahr haben wir unseren Spaghetti-Plausch durchgeführt, der mit der Zeit die Leute aber nicht mehr so richtig begeisterte. 2010 war ich mit meiner Frau in Schottland und wir haben in Braemar die Highland Games erlebt. Es sind Schottlands bekannteste Games, die immer im Beisein der englischen Königsfamilie stattfinden. Wir konnten dort sehen, wie die Queen im Rolls-Royce vorfuhr und später die Siegerehrung übernahm. Dieses Fest ist mir geblieben und wurde die Keimzelle für eine Idee.»
«Die Highland Games habe ich gedanklich mit nach Wallbach genommen. Meine Begeisterung dafür war wohl ansteckend, denn meine Turnvereinskollegen waren schnell überzeugt. Nicht die Idee, sondern allein die Umsetzung wurde diskutiert.» Als das Konzept stand, machten sich die Wallbacher auf die Suche nach Partnern, denn für die Umsetzung der verschiedenen Disziplinen der schottischen Games, braucht es Unterstützung. «Bei den Games gibt es unter anderem Baumstammwerfen, Steinhochwurf, Axtwerfen und Heusackhochwurf», erklärt Urs Hasler. Das entsprechende Material dafür hat man ja nicht einfach so im Schopf liegen, dafür benötigten wir Partner und wurden beim HGVS, dem Schweizer Highland Games Verband, fündig. In der Schweiz ist die Highlander-Szene noch recht überschaubar, da kennt und hilft man sich.»
Die Fricktaler Highland Games
«Unsere ersten Highland Games haben wir 2012 bei echt schottischem Wetter durchgeführt und dann alle zwei Jahre. Ausgenommen 2020 wegen Corona und 2024, weil uns die Helfer fehlten», so der Wallbacher Highlander. «In diesem Jahr sind unsere Games auch wieder Austragungsort der Schweizer Meisterschaften. Am Samstag finden traditionell immer die Clanmeisterschaften statt. Am Sonntag stehen die Einzelkämpfe auf dem Programm und das Pipe- & Drum-Meeting der grossen Formationen, bei dem dann die Dudelsäcke und Trommler zu hören sind.»
Ein ganz und gar nicht schottisches Problem beschäftigte Urs Hasler in den letzten Wochen – das trockene Wetter. «Auf dem Festgelände stehen eigentlich viele Zelte mit offenem Feuer und auch die Gastronomie, wie die Lachsbraterei benötigt Flammen. Da müssen wir noch schauen, wie es mit dem Wetter wird», so der Wallbacher. «In diesem Jahr finden die Games mitten im Dorf statt, was uns viele Vorteile bei der Infrastruktur bringt, aber eben auch andere Sicherheitsfragen aufwirft. Aber wie auch immer, für uns Highland Gamer ist dieser Anlass der Höhepunkt der Saison, den wir auf jeden Fall durchführen werden.»
Freude an der Gemeinschaft leben
Bei den Highland Games geht es nicht nur um den Sportanlass, sondern auch um die Beziehungspflege und die Freude am gemeinsamen Feiern. «Wenn man in Schottland am Abend in ein Pub geht, der Erste zur Fidel greift und andere Flöte, Gitarre und Trommel in die Hand nehmen und spontan zusammenspielen, ist das für mich Lebensfreude pur», so Urs Hasler. «Solch eine Stimmung wollen wir auch in Wallbach erleben.» Die vielen Arbeitsstunden nimmt der Wallbacher gern in Kauf. «Als Verein erleben wir hier im Dorf gerade eine gute Unterstützung, was zusätzlich motiviert.»
Schottenkaro, Whisky und Gälisch
Natürlich besitzt Urs Hasler einen Kilt, also einen Schottenrock und alles, was zu einem stilechten schottischen Outfit dazugehört. «Meine Frau und ich besitzen ein kleines Stück Land in Schottland, in einem Naturschutzgebiet mit Blick auf einen See, ein sogenanntes Loch. Wir dürfen uns Lord und Lady of Glencoe nennen, sind «Friends of Clan Mac-Leod» und tragen daher das dem Clan zugehörige Tartan, also Karomuster.»
Mit Blick auf die freie Zeit nach der Pensionierung, äussert Urs Hasler zwei Vorhaben: «Wenn man in Schottland viel unterwegs ist, kommt man natürlich mit dem Whisky in Berührung. Ich kann verraten: Meine Sammlung daheim ist mit der Zeit ziemlich gewachsen. Gerne würde ich ein bis zwei Wochen in einer Destillerie mitarbeiten und den gesamten Herstellungsprozess mit allem Drum und Dran erleben. Ausserdem würde ich sehr gern entlang der schottischen Küste mitsegeln.» Beim Stichwort Gälisch lernen winkt Urs Hasler jedoch ab. «Da haben wir sprachlich keine Chance, das lassen wir aus.»

