Longevity – Ein Modewort?
03.09.2026 RatgeberSchon die Aussprache erweist sich als schwierig. Alle phonetischen Möglichkeiten ertönen, und das sagt schon viel aus. Übersetzt heisst «Longevity» einfach «Langlebigkeit». Ein Wunder, dass es nicht schon zum Wort des Jahres gekürt wurde. Zum einen, weil ...
Schon die Aussprache erweist sich als schwierig. Alle phonetischen Möglichkeiten ertönen, und das sagt schon viel aus. Übersetzt heisst «Longevity» einfach «Langlebigkeit». Ein Wunder, dass es nicht schon zum Wort des Jahres gekürt wurde. Zum einen, weil die damit verbundenen Anwendungen zu einer Leistungssteigerung und Verbesserung der Gesundheit führen sollen, zum anderen, weil viele daran glauben, damit 120 Jahre alt werden zu können. Aus allen Richtungen erreichen uns Empfehlungen und Angebote. Longevity ist aber nicht ein lebensverlängerndes Geheimmittel. Es bietet lediglich eine Anleitung, wie man möglichst gesund alt werden kann. Sprach man früher von gesundem Lebensstil, Jungbrunnen und von Altersheimen, ist heute von Longevity, Ergänzungspräparaten sowie vom Leben in Senioren-Residenzen die Rede. Es präsentieren sich drei Arten des Altersverlustes: Körperlicher Verlust (z.B. Abbau Muskeln), kognitiver Verlust (z.B. Gedächtnisverlust, Vergesslichkeit), sozialer und psychischer Verlust (z.B. keine wichtige Funktion mehr, Verlust von Bezugspersonen). Eine ganzheitliche Anamnese und gezielte Prävention helfen, um so lange wie möglich fit zu bleiben.
«Management» des Altersverlustes
War man früher gezwungen, die Schmerzen im Schaukelstuhl auszutragen, ist heute schmerzfreie Beweglichkeit mit der modernen Medizin zum Glück möglich. Indes gibt es noch kein Wundermittel, das zu einer Langlebigkeit führt. Angebote, u.a. im Luxussegment, sind wissenschaftlich nicht bewiesen und teils ethisch-moralisch fragwürdig. Sicher ist, dass ohne regelmässige Bewegung und gute Ernährung sowie Pflege des Körpers die Organe schneller altern. Erkennbar ist heute im Gegenzug die Zunahme der Demenz, da das Gehirn nicht immer Schritt halten kann mit dem übrigen Körper und den diversen medizinischen und kosmetischen Massnahmen. Dass sich mit Letzteren das Leben erleichtern und damit auch verlängern lässt, ist unbestritten. Das Grundbedürfnis, im Falle einer Hilfsbedürftigkeit aufgrund kognitiver Einschränkungen oder gar fortgeschrittener Demenz dann doch gut versorgt zu sein, bleibt bestehen. Hier öffnen sich neue Wege der Heil- und Pflegeindustrie, die durchaus zu einer «Langlebigkeit» führt. Durch achtsame, natürliche Umgangsformen mit seinem Körper lässt sich indes schon viel erreichen. Gelegentlich ein Vitamin-Booster kann nicht schaden.
Bewegen
Kurze Übungen wie Ausstrecken aller Glieder am Morgen nach dem Aufstehen, Oberkörper drehen zur «Entkoppelung» der Hüfte und Rücken sowie ein paar Gehschritte ums Haus lassen sich bis ins hohe Alter realisieren. Gewichte heben stärkt die Muskeln und hält fit. Ideal ist, sich in einem Fitness-Club die Gewichte erklären zu lassen und dann zuhause regelmässig zu üben. Für die Beweglichkeit sind Tai Chi, Qigong oder leichte Yogaübungen ideal. Für das kognitive Training, kombiniert mit Bewegung, welches das gesamte Spektrum der Leistungsfähigkeit umfasst, ist Tanzen aller Art am geeignetsten.
Gesundheits-Mandala
Gesunde Ernährung, genügend Schlaf, wenig Alkohol und Tabak sind essenziell. Achtsamkeit, wie z.B. sachtes Bewegen zuhause, um nicht umzufallen, ist ebenfalls ein guter Wegbegleiter.
Stressbewältigung
Prüfen Sie, woher der Schmerz oder das Unwohlsein kommt und ob es mit einem anderen Lebensstil und einigen Verwöhnstunden pro Woche reduziert werden kann. Schon kurze Erholungsphasen können Konzentration, Kreativität und Leistungsfähigkeit fördern. Gute Atmung beruhigt und hilft, Muskeln und Organe zu entspannen. Wenn Sie sich hin und wieder eine Massage, Pedicure oder ein Thermalbad gönnen, unterstützt dies Ihr Wohlbefinden.
Soziale Kontakte
Aktiv mithalten wird zunehmend schwieriger. Zum einen ist man müde, zum anderen verliert man im hohen Alter auch liebe Bezugspersonen. Bei Gehproblemen ist man nicht mehr so mobil. Nehmen Sie ein Taxi oder schliessen Sie sich einer Fahrgemeinschaft an. Hauptsache raus aus den vier Wänden.
Neugierde und Lernen
Neue Eindrücke und Erfahrungen halten fit. Das Gehirn ist so aktiv daran, seine Synapsen neu zu verbinden. Dazu muss man aber «hinaus» in das Unbekannte. Lassen Sie es zu.
All diese Empfehlungen sind mit zunehmendem Alter immer mühsamer. Sich «aufraffen» zur Turnstunde, sich «schön machen» für den sozialen Event, die «Trägheit» überwinden, ist nicht mehr automatisch ein Wunsch, sondern ein Muss. So lässt sich der Alterungsprozess etwas verlangsamen. Am Ende des Tages sind sehr kreative und freudige Momente erlebt worden. Und das ist wichtig.
Jacqueline Zesiger ist Betriebswirtschafterin (Executive MBA HSG und CAS Palliative Care sowie EMR-zertifiziert) und seit vielen Jahren selbstständige Beraterin. Es ist ihr ein Anliegen, diese Tätigkeit im Rahmen von Unterstützung und Zusammenwirken auszuüben. Für weitergehende Fragen und Unterstützung erreichen Sie Jacqueline Zesiger wie folgt: info@sanavite.ch oder rufen an unter Tel. 079 444 14 40

