Kritische Haltung angebracht
29.09.2026 LeserbriefeLeserbrief zum Artikel «Damit das TZL ans Netz kann», NFZ, 22.09.2026
Mit Interesse habe ich den Artikel «Damit das TZL ans Netz kann» gelesen. Erstaunt hat mich dabei weniger das Projekt selbst als vielmehr die bemerkenswert unkritische ...
Leserbrief zum Artikel «Damit das TZL ans Netz kann», NFZ, 22.09.2026
Mit Interesse habe ich den Artikel «Damit das TZL ans Netz kann» gelesen. Erstaunt hat mich dabei weniger das Projekt selbst als vielmehr die bemerkenswert unkritische Haltung, die ihm sowohl von Teilen der lokalen Berichterstattung als auch vom Gemeinderat Kaisten entgegengebracht wird.
Während überregionale Medien die Entwicklung des TZL zunehmend kritisch begleiten und Fragen zur technischen Machbarkeit, zur Finanzierung und zur Realisierbarkeit des Vorhabens stellen, scheint man sich in Kaisten bereits auf die Rolle des Unterstützers festgelegt zu haben. Dabei gibt es durchaus berechtigte Fragen: Die bisher kommunizierten Zeitpläne erscheinen ausgesprochen ambitioniert, die Finanzierung des Projekts bleibt für die Öffentlichkeit intransparent, und auch die tatsächliche Umsetzung in der angekündigten Dimension ist alles andere als gesichert. Auffällig ist zudem die Wortwahl im Artikel, wonach von «75 Millionen Litern Flüssigkeit» die Rede ist. Diese Beschreibung wirkt verharmlosend. Tatsächlich handelt es sich um die Elektrolytlösung einer gigantischen Redox-Flow-Batterie und damit um eine chemische Flüssigkeit in industriellem Massstab. Dass ein solches Projekt in unmittelbarer Nähe eines der wichtigsten Grundwasservorkommen der Region geplant wird, sollte Anlass zu einer besonders sorgfältigen und kritischen Betrachtung sein.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb sich der Gemeinderat Kaisten derart engagiert für dieses Projekt einsetzt. Die Umzonung von Kulturland ist ein weitreichender Schritt, der nicht ohne zwingende Gründe erfolgen sollte. Gerade wenn wesentliche Fragen zur Machbarkeit, Finanzierung und langfristigen Tragfähigkeit noch offen sind, wäre eine zurückhaltende und kritische Haltung angebracht. Die Aufgabe eines Gemeinderats besteht nicht darin, als Promotor eines privaten Grossprojekts aufzutreten. Seine Aufgabe ist es, die Interessen der Bevölkerung zu vertreten, Risiken sorgfältig abzuwägen und kritische Fragen zu stellen. Genau diesen Eindruck vermissen derzeit viele Einwohnerinnen und Einwohner.
Innovationen sind wichtig, und grosse Projekte verdienen eine faire Beurteilung. Sie verdienen aber ebenso eine kritische Begleitung durch Medien und Behörden.
CHRISTIAN RUTISHAUSER, KAISTEN
