KI anwenden, statt darüber reden
20.10.2026 BöztalWas die Erfindung des Buchdrucks anno 1440 war, sei KI heute. Künstliche Intelligenz zu nutzen sei wichtig, das eigene Denken beizubehalten essenziell. Bea Knecht, Pionierin der digitalen Transformation sprach am Forum Botia in Bözen.
Simone Rufli
Gutenberg habe damals dem ...
Was die Erfindung des Buchdrucks anno 1440 war, sei KI heute. Künstliche Intelligenz zu nutzen sei wichtig, das eigene Denken beizubehalten essenziell. Bea Knecht, Pionierin der digitalen Transformation sprach am Forum Botia in Bözen.
Simone Rufli
Gutenberg habe damals dem abstrakten Denken und der Wissenschaft zum Durchbruch verholfen, heute erlaube KI den Menschen, sich auf die wahren Fähigkeiten zu konzentrieren, gab die Unternehmerin, Technologie-Expertin und Mitgründerin von Zattoo am Donnerstagnachmittag den über 90 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Restaurant Post in Bözen zu bedenken.
«Während Menschen sich früher an die Technik anpassen mussten, können sie heute ihre Anliegen ganz einfach formulieren und die Künstliche Intelligenz sucht nach Wegen, dem Wunsch zu entsprechen.» KI biete die Chance, Routinearbeiten zu reduzieren, Prozesse zu verbessern und Wissen zugänglich zu machen. Aufgabe des Menschen bleibe es, Ziele zu setzen, Entscheide zu treffen, die Ergebnisse kritisch zu beurteilen und selber zu denken. «KI soll den Menschen nicht ersetzen. Sie soll langweilige, zeitaufwendige Aufgaben erledigen, damit der Schreiner wieder Holz bearbeiten kann», so Knecht, die die Zuhörerschaft anschaulich durch eine Arbeitswoche des imaginären Effinger Scheiners Ruedi führte.
Am Beispiel des Scheiners zeigte die Referentin, wie KI auch einen kleinen Betrieb unterstützen kann. Zum Beispiel, indem ein Bot anstelle von Ruedi die Kundenanfragen automatisch entgegennimmt, konkrete Rückfragen stellt, aufgrund der Angaben selbständig eine Offerte erstellt, das Material bestellt, Lieferscheine erfasst und am Ende die Rechnung erstellt. Schreiner Ruedi müsse sich bewusst sein: «Wenn er die KI in seinem Betrieb nicht nutzt, schnappt ihm der KI-anwendende Mitbewerber den Auftrag weg.»
Der Bot könne auch Stelleninserate erstellen, die junge Leute besser ansprechen, Bewerbungen schneller beantworten, als das heute oft geschehe und das Wissen erfahrener Mitarbeitender für den Betrieb und Nachfolgende festhalten.
Nicht nur für den Unternehmer werde KI immer wichtiger. «Bekommen Sie von der Versicherung einen neuen Vertrag zugeschickt, kann ihnen KI das Durchlesen der Dokumente abnehmen, eine Zusammenfassung erstellen und Sie auf nachteilige Änderungen aufmerksam machen.» Knecht betonte: «Es geht nicht darum, den Anwalt zu ersetzen. Aber Sie können dank der Vorarbeit des Bots mit konkreten Fragen zum Anwalt gehen, Zeit und Kosten sparen.»
Die tatsächlichen Bedürfnisse
Werde KI für Webseiten genützt, könne auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer eingegangen werden. «Anstatt sich durch Menüs und Formulare zu arbeiten, beschreibt man einfach sein Anliegen.» Knecht erklärte das anschaulich anhand einer Einladung zum Abendessen: «Ziel ist ein gemütlicher Abend mit Freunden, nicht der Einkauf, nicht das Suchen nach einem Menü, das sämtliche Unverträglichkeiten der Gäste berücksichtigt. Das alles kann KI für mich übernehmen.»
Auch Gemeinden können von Künstlicher Intelligenz profitieren, ist Knecht überzeugt: «KI kann die Angestellten von den immergleichen Fragen der Bevölkerung entlasten und bei der Prüfung von Unterlagen, insbesondere Baugesuchen, helfen. Sie kann auch dafür sorgen, dass wir nicht immer die gleichen Angaben machen müssen, die der Verwaltung sowieso schon vorliegen.»
Im Gesundheitswesen sieht Knecht grosses Potenzial, denn «ein PDF in einem digitalen Ordner ist nichts mehr als ein Fax in besserer Auflösung.» KI könnte medizinische Informationen in elektronischen Patientendossiers zusammenführen, Laborwerte auswerten und Patienten bei der Vorbereitung von Arztterminen unterstützen.
Für eine leistungsfähige KI seien Technologien nötig, die von internationalen Konzernen kontrolliert werden. Eine vollständige technologische Unabhängigkeit der Schweiz halte sie für unrealistisch, so Knecht. Stattdessen sollen Unternehmen und Behörden verschiedene Anbieter nutzen, Abhängigkeiten kennen und Datenschutz sowie Geschäftsgeheimnisse schützen.
Der Mensch bleibt entscheidend
Der Mensch werde durch den Einsatz von KI nicht überf lüssig. «Er hat Qualitäten, die KI nicht bieten kann.» Kreativität, Geschmack, kritisches Denken, die Fähigkeit, Ergebnisse zu beurteilen und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Bea Knecht empfahl, KI schrittweise auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und bei Bedarf Unterstützung beim Hightech Zentrum Aargau in Brugg in Anspruch zu nehmen.
Zu Beginn hatte sie die Gäste aufgefordert, sich mit dem Sitznachbarn über die bisherigen Erfahrungen im Umgang mit KI auszutauschen. Nach dem Referat tat sie es wieder. In den anderthalb Stunden hatte sich nicht alles verändert, aber KI war für die meisten fassbarer und die Diskussion im Rahmen des Apéro Riche richtig lanciert.
Das Forum Botia feierte am Donnerstagnachmittag im Restaurant Post in Bözen seine Volljährigkeit. Die Veranstaltung, deren erklärtes Ziel der Brückenschlag zwischen Fricktal und Aaretal ist, fand zum 18. Mal statt. Aus dem OK verabschiedet wurde Patrizia Stocker. Weiter im OK sind Stefan Höchli, Marc Joss, Daniel Büeler.


