Keine Zander mehr auf der Schönegg
18.04.2026 MumpfFamilie Weiersmüller stellt diesen Betriebszweig ein
Die Zanderhaltung erlebte auf der Schönegg Höhen und Tiefen. Viele Faktoren, vor allem wirtschaftliche, waren dafür verantwortlich. Während beinahe zehn Jahren erhielten die Kunden prächtige Exemplare ...
Familie Weiersmüller stellt diesen Betriebszweig ein
Die Zanderhaltung erlebte auf der Schönegg Höhen und Tiefen. Viele Faktoren, vor allem wirtschaftliche, waren dafür verantwortlich. Während beinahe zehn Jahren erhielten die Kunden prächtige Exemplare dieses edlen Schwimmers.
Hans Zemp
Der landwirtschaftliche Betrieb auf der Mumpfer Schönegg erhielt von den Eigentümern bei der Verpachtung die Auflage, dass er als Grünlandbetrieb, also ohne Ackerbau, zu bewirtschaften sei. Grossvieh und geruchsintensive Lebewesen waren nicht zugelassen. Erlaubt waren Kleintiere und solche ohne Geruchsimmissionen. Weil der Betrieb auf diese Weise nicht genug hergab, suchte man nach einem von der Eigentümerschaft erlaubten, zusätzlichen Betriebszweig. So stiess man auf die Zanderhaltung. Zander haben Wildtierstatus, gelten also nicht als landwirtschaftliche Nutztiere. Und weil die Schönegg in der Spezialzone mit beschränkter Öffnung für Hotel- und Kurbetrieb mit Landwirtschaft liegt, bewilligte der Kanton diesen Betriebszweig. Im Jahr 2016 wurde die Anlage für 8000 bis 9000 Zander gebaut und im Januar 2017 begann die Familie Weiersmüller mit kontinuierlichem Aufbau der Zanderhaltung. Kontinuierlich deshalb, weil sich die ganze Biologie der Anlage aufbauen musste. Sauberes Wasser war zuzuführen; mit Exkrementen der Fische belastetes Wasser zu reinigen oder, wenn dann nitrathaltig, der Landwirtschaft zuzuführen.
Zander wurden beliebt
Schon sehr bald entwickelte sich eine Nachfrage. Von der Familie Weiersmüller akquirierte Privatleute, Comestibles und Restaurants, die bewusst regionale und antibiotikafreie Produkte in ihrem Angebot führten, nahmen den Zander aus der Schönegg in ihr Sortiment auf. Die Nachfrage entwickelte sich vielversprechend. Es lief darum gut, weil die Leute nach Spitzenqualität fragten und auch bereit waren, den notwendigen Preis dafür zu bezahlen.
Bald schlichen sich Probleme ein
Der Jungfischeinkauf entwickelte sich teilweise abenteuerlich. Beim ersten Lieferanten fiel die Anlage einem Brand zum Opfer. Und weil in der Schweiz nicht beliebig Jungfische erhältlich sind, waren diese aus dem Ausland zu beschaffen. Hier waren unterschiedliche Qualitäten erhältlich, teils nicht besonders gut, teils aber der Schweizer Produktion ebenbürtig, jedoch nicht immer in genügender Anzahl.
Dadurch entstanden für die Familie Weiersmüller Lücken. Diese zu schliessen, dauerte etwa ein Jahr. Gesteigerte Produktion machte den Jungfischeinkauf in der Schweiz wieder möglich.
Das nächste grosse Problem entstand in der Coronazeit. Restaurants hatten zu schliessen, die Nachfrage ging massiv zurück. Die Fische blieben länger auf der Schönegg und wuchsen weiter. Jungfische waren aber bestellt und abzunehmen. Die Energiekosten stiegen massiv. Für grössere Fische steigert sich der Aufwand, um die Wasserqualität auf bestem Stand zu halten. Und zu guter Letzt drückten Grossinvestoren weiter auf den Marktpreis, konnten sich aber trotzdem nicht alle halten. Das Restaurantsterben und ein gesteigertes Kostenbewusstsein der Kunden trugen weiter zur sinkenden Nachfrage nach Zander bei.
So kann es nicht weiter gehen
All diese Punkte lösten bei Familie Weiersmüller eine Neubeurteilung aus. Ihre Landwirtschaft erfuhr in dieser Zeit eine Erweiterung in Sachen Fläche, Betriebszweigen und Bewirtschaftungsmöglichkeiten. Gesundheitliche Begleiterscheinungen von Vater Martin und Betriebsinhaber Stefan veränderten die Kapazitäten weiter. Dies alles führte zum Grundsatzentscheid, den Betriebszweig Zander aufzulösen. Der beliebte Karfreitagsverkauf wurde dieses Jahr zum letzten Mal durchgeführt.
Was noch nicht auf den Teller passt, wird von Reto Rickenbacher aus Zeglingen, auch er führt einen Zander-Betrieb, übernommen. Damit geht im Fricktal ein geschätztes und qualitativ hochstehendes Eigenprodukt verloren.

