Kaum zu glauben …
03.07.2026 LeserbriefeDas «Pöstli» in Münchwilen soll abgerissen werden. Ein Gerücht, das sich wohl schon bald bewahrheiten wird. Ein wunderschönes, traditionsreiches Restaurant soll verschwinden ...
... Um Wohnungen und vielleicht einer Kaffeestube Platz zu machen. Damit geht weit mehr ...
Das «Pöstli» in Münchwilen soll abgerissen werden. Ein Gerücht, das sich wohl schon bald bewahrheiten wird. Ein wunderschönes, traditionsreiches Restaurant soll verschwinden ...
... Um Wohnungen und vielleicht einer Kaffeestube Platz zu machen. Damit geht weit mehr verloren als nur ein Gebäude: Es verschwindet ein Ort der Begegnung, ein Stück Heimat und ein Teil unserer Gemeinschaft.
Es gibt nur wenige Orte, an denen Menschen wirklich zusammenkommen. Die Kirche ist einer davon – dort spricht einer, die anderen hören zu. Das Pöstli hingegen ist ein Ort, an dem jeder willkommen ist. Ein Ort, an dem man miteinander redet, lacht, diskutiert, sich austauscht oder einfach nur zusammensitzt. Genau solche Orte machen ein Dorf lebendig.
Warum muss das Pöstli in seiner heutigen Form verschwinden? Muss wirklich alles dem Profit geopfert werden? Ist Geld inzwischen wichtiger als Geschichte, Gemeinschaft und Menschlichkeit?
Wäre es nicht viel verantwortungsvoller, dieses wunderschöne, ehrwürdige Haus mit seinem einzigartigen Garten zu erhalten? Die geplanten 4,7 Millionen Franken könnten auch an anderer Stelle sinnvoll investiert werden. Und was ist mit den beiden beeindruckenden Platanen, die seit Jahrzehnten das Ortsbild prägen? Verdienen sie keinen Respekt? Soll wirklich alles geopfert werden, nur weil es einem Bauprojekt im Weg steht?
Und dann ist da noch Nora. Nora hat nicht nur ihr Herzblut, sondern auch ihre eigenen finanziellen Mittel in das «Pöstli» investiert. Sie wurde damals von den Eigentümern bewusst für diese Aufgabe gewonnen und glaubte an eine langfristige Zukunft. Mit unermüdlichem Einsatz hat sie das «Pöstli» zu einem Ort gemacht, an dem sich Menschen wohlfühlen und gerne Zeit verbringen.
Auch wenn nicht jeder Münchwiler regelmässig dort einkehrt, kommen viele Gäste von nah und fern genau wegen der herzlichen Atmosphäre, die Nora geschaffen hat. Wegen ihrer Gastfreundschaft, ihrer Herzlichkeit und den unvergesslichen Abenden – besonders dann, wenn Küss (Marcus Hasler) mit seiner Musik das ganze Lokal mit Leben erfüllt und die Menschen für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen lässt.
An die Verantwortlichen, an die Behörden und an alle, die diesem Abriss zugestimmt haben: Bitte überdenkt eure Entscheidung. Stoppt diesen Fehler, solange es noch möglich ist. Ein Ort wie das «Pöstli» lässt sich nicht ersetzen. Ist er einmal verschwunden, kommt er nie wieder zurück.
Und noch etwas sollte uns alle berühren: Nora, eine Muslimin, hat mit viel Liebe eine der schönsten Weihnachtsdekorationen weit und breit gestaltet. Sie hat die Geschichte Jerusalems und des christlichen Glaubens mit grossem Respekt dargestellt und damit gezeigt, dass Menschlichkeit und gegenseitige Wertschätzung wichtiger sind als Herkunft oder Religion.
Allein dafür verdient sie unseren Respekt. Und allein dafür wäre es wert, das Pöstli zu erhalten.
Lasst uns nicht zulassen, dass ein Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und Herz einfach verschwindet.
WERNER MEIER, ZEININGEN
